Archiv für April 2006

Einbürgerungstest: Brüh im Lichte dieses Glücks

Ich will deutsche Staatsbürgerin werden! Endlich nehmen die hiesigen Politiker diesen meinen Wunsch ernst und mich an die Hand. Ihr Interesse an politischen Bekenntnissen von Menschen wie mir entwickelt sich zu einem äußerst lehrreichen Kapitel unserer politischen Kultur, und lernen will ich ja alles über diese Kultur.

Von Leona Felix

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Allerliebst zeigt sich zum Beispiel der Hundert-Fragen-Katalog, den der hessische Innenminister mit dem schönen französischen Namen Bouffier (zu bouffir = „anschwellen“, bzw. bouffon = „Hofnarr“) den Kandidaten vorlegen will. Der wichtigste Eindruck, den dieser Prüfungsbogen hinterlässt, ist, dass ein durchschnittlicher Politologe bei seiner Magisterprüfung daran wohl scheitern dürfte.

Wann beginnt und wann endet in Deutschland die Schulpflicht? Was bedeutet der Grundsatz des „freien Mandats“ in deutschen Parlamenten? Wie heißt das Organ der EU, das die Gemeinschaftspolitik plant und die Entscheidungen ausführt? Welches Detail der Insel Rügen stellt eines der Gemälde von C.D. Friedrich dar? Welcher deutsche Physiker hat mit seiner Entdeckung im Jahre 1895 die medizinische Diagnose bis zum heutigen Tag revolutioniert? – Na, alles gewusst? Nein? Dann aber Marsch, zurück nach Anatolien!

Aber ich will mich nicht beklagen über Fragen, die zu schwer sein könnten. Mich erstaunen umgekehrt jene Fragen, die jeden politisch gebildeten Menschen beleidigen. Vor allem die Verquickung von Faktenwissen und Gesinnung, die in vielen Fragen vorgenommen wird.
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