Studie: Elektromobilität als Antwort auf Autokrise

Die Automobilindustrie steckt in einer Krise. Helfen will ihr nun die grüne Heinrich-Böll-Stiftung. Sie hat ein Strategiepapier veröffentlicht, das umweltfreundliche Auswege aufzeigen möchte. Am Mittwochabend wurde es in Berlin vorgestellt und diskutiert.

weiterlesen auf wir-klimaretter.de

Die Studie setzt auf Elektromobilität. Die Vision: „Alle Verkehrsmittel werden mit Strom betrieben und sind für den Nutzer zu einer einzigen Dienstleistung integriert.“ In Zukunft müsse man sich von der Vorstellung des Privatautos trennen. Stattdessen könne Mobilität in den Städten durch Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel gewährleistet werden. Carsharing, also das zeitweise Nutzen von Autos, gehöre genauso dazu wie der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).

Das Strategiepapier kommt zu einer Zeit, in der die deutsche Automobilindustrie in einer schweren Krise steckt. Die Absatzzahlen gehen zurück, staatliche Maßnahmen wie die Abwrackprämie versuchen diesen Abwärtstrend abzufedern. Die Autoren der Studie kritisieren solche Rettungsversuche der Politik jedoch als kontraproduktiv. „Vorschnelle Angebote von Schutzschildern“ hätten auch „ihren Anteil an der Strukturkrise“ der Automobilindustrie. Dadurch könnten die Hersteller weitermachen wie bisher, Ölknappheit und Klimawandel seien bereits jahrelang ignoriert worden.

Wirkliche Veränderungen könne eine Umstellung auf Elektroautos mit sich bringen. Weil die Batterien, die den Verbrennungsmotor herkömmlicher Wagen ersetzen, nur begrenzt Energie speichern können, ist die Strecke begrenzt, die mit Elektroautos zurückgelegt werden kann. Solch ein „Auto mit Handicap“ füge sich aber gut in das städtische Netz der verschiedenen Verkehrsmittel ein, sagt Andreas Knie, einer der beiden Autoren der Studie.

Bislang würden Förderprogramme immer daraufhin ausgelegt, das gewohnte Automobil nachzubauen. „Das kann nicht funktionieren. Und das muss auch nicht funktionieren.“ Das Bild von der „Rennreiselimousine“ sei im städtischen Bereich ohnehin überholt. Autos mit geringerer Reichweite und niedriger Höchstgeschwindigkeit reichten ebenfalls aus.

Der Wechsel werde auch von „neuen Partnern“ vorangetrieben: Energiekonzerne, die bei Spitzenlast ihren erneuerbaren Strom abgeben wollen. Die Batterien der Elektroautos fungieren dann quasi als Energiespeicher im Stromnetz. Bislang ist die Möglichkeit, überschüssigen Strom zu speichern, sehr begrenzt. Diese Aufgabe wird in Deutschland hauptsächlich von Wasserspeicherkraftwerken übernommen, die bei hohem Stromangebot das Wasser nach oben pumpen, um bei großer Nachfrage die Energie wieder in elektrischen Strom umzuwandeln.

Auch die Autoindustrie soll Teil einer neuen Allianz für mehr Elektroverkehr sein. Doch der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Automobilwirtschaft (VDA), Klaus Bräunig, äußerte sich kritisch zu der Studie. Die Überkapazitäten in der Autowirtschaft resultierten aus der Krise, die vor allem „finanzmarktbedingte Ursachen“ habe. Dass die Automobilindustrie die Entwicklungen hin zu kleineren, klimafreundlicheren Autos verschlafen habe, stimme nicht.

Die Autohersteller müssten sich an den Wünschen der Verbraucher orientieren, das habe dazu geführt, dass das Auto schon „mehrfach in der Geschichte neu erfunden worden“ sei. Auch bei der Elektromobilität gehe es um „Evolution“, nicht um „Revolution“.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist nicht mit allem in der Studie einverstanden. Geschäftsführer Jürgen Resch sagte, das beschriebene Szenario sei noch „zu sehr Zukunftsmusik“. Die Verbrennungsmotoren müsse man „weiterhin im Auge behalten, wenn wir Klimaschutz betreiben“. Schließlich werde im Jahr 2020 nach dem Ziel der Bundesregierung gerade mal jedes 50. Auto mit Batterie betrieben.

Ein „gigantisches Förderprogramm für Elektroautos“ sei nicht nötig. Stattdessen müssten bei den herkömmlichen Wagen Fortschritte erzielt werden. „Was wir brauchen ist ein Einstieg in effiziente Fahrzeuge.“

Originalquelle: wir-klimaretter.de

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • MySpace
  • PDF
  • Print
  • RSS