Studis üben Protest

Großdemonstration, Banküberfälle, Besetzungen, alternative Seminare: Eine Woche im Kampf für eine bessere Bildung

Einige hatten schon befürchtet, die Studierenden verlernen das Protestieren. Doch vom 15. bis zum 19. Juni haben die Studis bewiesen, dass sie streiken können. In Berlin kam es zuletzt 2003 zu größeren Studi-Protesten, in anderen Bundesländern ging es auch in den vergangenen Jahren hoch her, als dort Studiengebühren eingeführt wurden. Die Liste der Gründe für den Protest ist lang, die Liste mit den Aktionen, die in Berlin stattfanden ebenfalls. Jede Chronik muss unvollständig bleiben.

Montag, 15. Juni:

Der Bildungsstreik läuft erst langsam an, das Politik-Institut an der FU ist aber schon geschlossen. Der jährliche Uni-Protest gehört hier quasi zum Studienplan.

Dienstag, 16. Juni:

Die FU-Studierenden tref en sich zur Vollversammlung. Sie ist mit rund 1.000 Menschen zwar seit langer Zeit wieder voll, doch der Großteil der Studis ist zu Hause geblieben – oder dem Uni-Trott nachgegangen. Danach wird das Präsidium besetzt, als Dank dafür, dass es kurz zuvor noch zu Bildungsprotesten aufgerufen hat. Uni-Präsident Dieter Lenzen führt nämlich momentan eine Auseinandersetzung mit dem Senat um mehr Geld für die Uni. Die wenigen Studis, die am Nachmittag gegen den Bildungsstreik demonstrieren wollten, haben Pech: Einige andere gesellen sich hinzu, fordern mehr Elite und machen die Demo so zu einer Satire-Veranstaltung.

Mittwoch, 17. Juni:

Großdemo in Berlin-Mitte. Vor dem Roten Rathaus tref en sich zehntausende Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten. Dieses Jahr sind deutlich mehr Studis gekommen, trotzdem: Noch immer wird an den Schulen besser mobilisiert – vielleicht auch, weil vier Wochen später schon die Ferien beginnen.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) verbreitet ihre Botschaft am Morgen
über Deutschlandradio: Die Ziele des Streiks seien „gestrig“.

Donnerstag, 18. Juni:

Banken werden überfallen. Mit den Rettungspaketen könnte man schließlich auch Studiengebühren abschaffen, Studienbedingungen verbessern und vieles mehr. Los geht es vor der Hypo Real Estate. Danach rennen die Demonstranten zur Commerzbank. Einige kommen rein und werden von der Polizei nach dem Überfall nicht mehr freigelassen. Taz-Reporter und Spiegel-Online-Redakteur sind dabei und kommen auch nicht raus.

Freitag, 19. Juni:

Verzweifelte Suche nach den Kultusministern: Eigentlich wollten sie sich in der Landesvertretung Baden-Württembergs tref en, doch dort sind nur wenige hundert Demonstranten und die Polizei. Die Minister sind gel ohen. Also trottet die Menge zum Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Der stimmt in den Sprechchor der Protestierer mit ein: „Bildung für alle, und zwar umsonst!“

Originalquelle: berlins universelles studentenmagazin

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