Versteckte PR-Arbeit für Biosprit

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hat monatelang Lobby-Unternehmen für Öffentlichkeits-Arbeit bezahlt. Leserbriefe waren nicht als PR gekennzeichnet

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Pressemitteilungen, öffentliche Veranstaltungen, Websites: All das gehört zu professioneller Öffentlichkeits-Arbeit. Wenn das aber nicht als Werbung gekennzeichnet ist, gibt’s Probleme. Jetzt hat es den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VBD) getroffen. Die Initiative LobbyControl enthüllte verdeckte PR-Aktivitäten für Biosprit.

Die Nutzung von Biokraftstoffen ist in den letzten Jahren bei Umweltschützern und Entwicklungsorganisationen in die Kritik geraten: Die Pflanzen könnten nicht mehr zur Nahrungsmittelproduktion verwendet werden und würden somit Hunger verursachen. Außerdem werde die positive Wirkung auf das Klima überschätzt. Die Vorwürfe führten auch zu heftigen Debatten in der Politik. Vor kurzem wurde vom Bundestag die so genannte Beimischungsquote gesenkt.

Die Bemühungen der Biospirt-Lobby sind anscheinend ohne Erfolg geblieben – dabei wurde anscheinend mit allen Mitteln versucht, den Agro-Treibstoff grünzuwaschen. Der Dachverband VBD bestätigte, er habe von Anfang bis Mitte des letzten Jahres die Lobby-Agentur Eppa für Öffentlichkeits-Arbeit bezahlt. Vorher hatte die Initiative LobbyControl unlautere Methoden der Einflussnahme aufgedeckt.

Bezahlte Leserbriefe

Laut LobbyControl war neben Eppa auch die Denkfabrik Berlinpolis an der Werbekampagne beteiligt. Mitarbeiter dieses Thinktanks hätten Leserbriefe geschrieben, ohne dabei auf ihre Tätigkeit bei Berlinpolis hinzuweisen. Zeitungen wie Welt, JungeWelt, Märkische Allgemeine Zeitung und tageszeitung hätten die Zuschriften abgedruckt. Auch in den Internetausgaben von Frankfurter Rundschau und Frankfurter Allgemeiner Zeitung waren die Beiträge der PR-Leute laut LobbyControl zu lesen. Außerdem soll die Internetseite www.zukunftmobil.de für PR-Beiträge genutzt worden sein, die nicht als solche zu erkennen waren. Die Seite wurde inzwischen aus dem Netz genommen.

Einen ähnlichen Skandal hatte es vor kurzem um die Deutsche Bahn gegeben, die ebenfalls verdeckte PR-Arbeit über Eppa und Berlinpolis finanziert hat. Der deutsche PR-Rat, die Selbstkontrolle der PR-Branche, hat die Werbekampagne für die Bahn vor kurzem öffentlich gerügt. Für LobbyControl sind deutliche Parallelen erkennbar: „Wie im Fall der Bahn wurde hier mit den gleichen Methoden versucht, Öffentlichkeit und Politik dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Biosprit-Industrie in die öffentliche Debatte eingriffen. Diese Manipulation von Politik und Öffentlichkeit ist absolut inakzeptabel“, sagt Heidi Klein von LobbyControl.

Auch der Biosprit-Verband VDB war offenbar nicht ganz einverstanden mit den Methoden der PR-Agentur: Mitte 2008 wurde der Vertrag mit Eppa vorzeitig gekündigt. Gegenüber LobbyControl hat VBD-Präsident Claus Sauter jedoch erklärt, er habe von der verdeckten Einflussnahme nichts gewusst. Werbung macht der Verband weiterhin, zum Beispiel bei wir-klimaretter.de.

Felix Werdermann

Originalquelle: wir-klimaretter.de

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1 Antwort auf “Versteckte PR-Arbeit für Biosprit”


  1. 1 Web 2.0 & Recht Trackback am 10. September 2009 um 9:19 Uhr
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