72 Prozent: Uralt-AKWs sofort abschalten

Fast drei von vier Bundesbürgern sind dafür, die ältesten Reaktoren unverzüglich vom Netz zu nehmen. Selbst Unions-Anhänger wollen mehrheitlich die Abschaltung

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Eine deutliche Mehrheit der Deutschen möchte, dass die ältesten Atomkraftwerke sofort stillgelegt werden. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinsituts Emnid für die Bild am Sonntag hat ergeben, dass 72 Prozent der Bundesbürger für ein vorzeitiges Abschalten sind. Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU vertreten 68 Prozent diese Meinung.

Laut Atomkompromiss müssten die sieben ältesten Reaktoren innerhalb der nächsten vier Jahre vom Netz gehen. Gibt es jedoch nach der Bundestagswahl eine unionsgeführe Bundesregierung, ist ein Ausstieg aus dem Ausstieg zu erwarten und die Atommeiler könnten noch länger laufen. Dabei sind die ältesten Anlagen besonders störanfällig. Das Kraftwerk Krümmel hat das letzte Woche erneut gezeigt – und damit eine neue Debatte über die Atomkraft ausgelöst.

Gleichzeitig hat der Unfall in Krümmel der Bevölkerung einen Schrecken eingejagt – auch das zeigt die Emnid-Umfrage. Mehr als einem Drittel aller Deutschen habe der Störfall Angst gemacht. Ganz auf Atomkraft verzichten wollen die Bundesbürger aber erst später: 62 Prozent glauben, dass die Bundesrepublik „auf absehbare Zeit“ nicht ohne die Risikotechnologie auskomme. Dabei stehen momentan fünf Reaktoren still und an der Leipziger Strombörse ist von Stromknappheit nichts zu spüren. Der Anteil der Atomkraft am Strommix dürfte in diesem Jahr nur noch etwa ein Fünftel betragen.

Atom-Wahlkampf beginnt

Die Atomkraft könnte sogar zu einem entscheidenden Wahlkampf-Thema werden. 43 Prozent und damit fast die Hälfte aller Emnid-Befragten gab an, das Thema Atomausstieg sei bei ihrer Wahlentscheidung wichtig oder sehr wichtig. Da laufen sich auch die Politiker warm: SPD-Parteichef Franz Müntefering sagte gegenüber Spiegel Online: „Was in Krümmel passiert ist, stinkt zum Himmel. Da kann ich nur sagen: Legt das Ding endlich still!“ Zuvor hatte auch der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Frank-Walter Steinmeier, das Abschalten des Pannenreaktors gefordert.

Die Union hingegen bleibt bei ihrer Forderung nach längeren Laufzeiten. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch kritisierte im Hamburger Abendblatt zwar den Energiekonzern Vattenfall für seine „Dummheit“ in der Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Zugleich erklärt er aber, dass die Union „alle politischen Laufzeitbeschränkungen aufheben“ wolle. „Die Frage, wie lange ein Kernkraftwerk sicher ist, soll nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entschieden werden.“

Felix Werdermann

Originalquelle: wir-klimaretter.de

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