Steuerzahler blecht viel für Atomsuppe

Die Kosten der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, die hoch radioaktives Material behandelte, trägt vor allem der Staat – eine versteckte Subvention der Industrie, schimpfen die Grünen

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Aus den Reaktoren der Energiekonzern kamen die Brennelemente, die den hochradioaktiven Atommüll in der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) heute erst richtig zum Strahlen bringen. Etwa 70 Prozent der Radioaktivität lässt sich auf kommerzielle Atomkraftwerke zurückführen. Das geht aus einer Übersicht des Bundesumweltministeriums hervor. Zum Vergleich: An den Kosten beteiligt sich die Industrie mit knapp 40 Prozent.

Die WAK lief von 1971 bis 1990. Danach wurde Müll mit schwacher und mittlerer Strahlung in das marode Versuchsendlager Asse gebracht. Der hochradioaktive Abfall, die sogenannte Atomsuppe, soll in Karlsruhe verglast werden. Nach aktuellen Schätzungen werden sich die Kosten für Abriss und Entsorgung der WAK bis zum Jahr 2023 auf insgesamt 2,6 Milliarden Euro belaufen. Die Atomwirtschaft übernimmt davon rund 1 Milliarde Euro.

Die Bundesregierung hatte die Deckelung des Kostenanteils der Industrie bislang damit begründet, dies entspreche den „Nutzungsanteilen“ der WAK. Auch heute beharrt das zuständige Forschungsministerium darauf, dass bloß 40 Prozent des eingesetzten Uranmetalls aus den kommerziellen Leistungsreaktoren gekommen sei. Die Industrie sei daher „bereits im angemessenen und notwendigen Umfang an dem Rückbau der WAK beteiligt“. Auch bei den Energiewerken Nord (EWN), die heute die Anlage abreißen, heißt es, die Kosten seien „verursachungsgerecht“ aufgeteilt. Und die Radioaktivität des Atommülls sei ohnehin „nicht bestimmend für die Gesamtrückbaukosten“.

Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen, sieht das anders: Schließlich müsse die Atomsuppe nur wegen der hohen Strahlung „aufwändig gekühlt und zirkuliert“ werden. Und selbst bei der Masse kommt das Umweltministerium auf 45 Prozent, die Industrie müsste auch dann Millionen draufzahlen. Für Kotting-Uhl ist das „ein weiterer Beleg für die versteckten Milliardensubventionen für den deutschen Atomstrom“. Es sei inakzeptabel, dass der Steuerzahler die „finanzielle Hauptlast“ für den Abriss der WAK trage – „zumal das Ende der Kosten noch nicht absehbar ist“.

Felix Werdermann

Originalquelle: taz.de

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