CCS – Gefahr für das Trinkwasser?

Unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid könnte dafür sorgen, dass Trinkwasser versalzen wird. Experten fordern mehrjährige Untersuchung

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Die unterirdische Einlagerung des Klimagases Kohlendioxid (CO2) in Schleswig-Holstein könnte gravierende Folgen für die Trinkwasserqualität in der Region haben. Darauf weisen der Wasserverband Nord und das Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung hin. Wenn das CO2 in die Erde gepresst wird, könnte extrem salzhaltiges Wasser in das Grundwasser gelangen und dieses ungenießbar machen.

Diese mögliche Folgen wären ein weiterer Nachteil für die umstrittene CCS-Technologie (Carbon Capturing and Storage), bei der klimaschädliches Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohlekraftwerken herausgefiltert und anschließend unterirdisch abgelagert werden soll. Die Europäische Union fördert diese Technik, die deutschen Energiekonzerne testen sie bereits mit Pilotanlagen. In Deutschland gibt es allerdings noch keine gesetzliche Grundlage für die kommerzielle Nutzung, weil sich die schwarz-rote Koalition nicht einigen konnte. Zuvor hatten Umweltverbände den Gesetzesentwurf kritisiert. Bedenken äußerten auch Politiker aus den Regionen, die für die CCS-Nutzung in Frage kommen.

„Forschungsanstrengungen von rund sechs Jahren“ nötig

Schleswig-Holstein gehört auch zu diesen Gegenden, in denen der Energiekonzern RWE die Speichermöglichkeit von CO2 erkunden möchte. Das mögliche Speichergestein ist aber mit hochkonzentriertem Salzwasser gefüllt – das so genannte saline Formationswasser hat einen Salzgehalt von 300 Gramm pro Liter. Nordseewasser ist da mit rund 35 Gramm pro Liter richtig süß.

Und dieses saline Formationswasser könnte nun zur Gefahr werden für das Trinkwasser, das nur 1 Gramm Salz pro Liter enthalten darf. Broder Nommensen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holsteins erklärt: „Durch die unterirdische Druckausbreitung der CO2-Blase wird das extrem salzhaltige Formationswasser seitlich verdrängt.“ Nach jetzigem Wissensstand sei nicht auszuschließen, dass das extrem wasserhaltige Wasser „mit Grundwasser in Berührung kommt und so die Wasserversorgung der Wasserwerke im Flensburger Raum beeinträchtigen könnte“. Nommensen fordert daher, die Gesteinschichten weiter zu untersuchen: „Es bedarf Forschungsanstrengungen von rund sechs Jahren bis wir wissen, ob unsere Region für die CO2-Verpressung geeignet ist.“

Experte: CCS kommt für Deutschland „nicht in Betracht“

Für Rolf Kreibich, Direktor und Geschäftsführer des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), ist die CCS-Technologie in Deutschland bereits gestorben: Sie komme „wegen ihrer miserablen Energie-, Wirtschafts- und Umweltbilanzen nicht in Betracht“, sagt der Wissenschaftler. Die Gefahren für die Trinkwasserversorgung seien „unkalkulierbar“.

Sollte das Trinkwasser tatsächlich unter der CO2-Einlagerung leiden, könnte auch das Europarecht im Kampf gegen CCS helfen. Ernst Klemm, Geschäftsführer des Wasserverbands Nord, erläutert: „Bereits die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie verbietet alles, was zu einer Verschlechterung der Qualität des Grundwassers führen könnte.“

Felix Werdermann

Originalquelle: wir-klimaretter.de

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