EU-Label: A+++ für den schnellen Durchblick

Kompromiss in Brüssel: Für energiesparende Haushaltsgeräte soll es bald nicht nur die Effizienzklassen von A bis G geben, sondern auch Zusatzklassen A+ bis A+++. Verbraucher- und Umweltverbände hatten bereits im Vorfeld gewarnt: Für Kunden wird es damit nicht einfacher, sondern schwerer, die effizientesten Produkte zu finden

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Sparsame Haushaltsgeräte sind auch in Zukunft schwer zu erkennen: Das europaweit einheitliche Energieeffizienz-Label soll für Fernseher, Waschmaschine und Co. auch die verwirrenden Effizienzklassen A+, A++ und A+++ zulassen. Darauf einigten sich Unterhändler des Europaparlaments, der europäischen Kommission und der Mitgliedsstaaten am Dienstag, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Als die Europäische Union (EU) vor mehr als zehn Jahren die Industrie verpflichtete, den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten zu kennzeichnen, reichte die Skala noch übersichtlich von A bis G. Der Erfolg des Effizienz-Labels wuchs dem bunten Ranking allerdings schnell über den Kopf: Bereits 2004 wurden daher für Kühlschränke die Zusatzklassen A+ und A++ eingeführt, die noch sparsamere Geräte erhalten. Inzwischen landen über 90 Prozent in der Effizienzklasse A oder besser.

Seit Monaten bastelt die EU an der Neugestaltung des Effizienz-Labels und einigte sich am Dienstag auf den Vorschlag der schwedischen Ratspräsidentschaft, die Skala von A bis G für alle Haushaltsgeräten um die Zusatzklassen A+, A++ und A+++ zu erweitern. Zuvor waren sogar Klassen von A++++ und mehr im Gespräch gewesen. Der ausgehandelte Kompromiss soll noch in diesem Jahr von Europaparlament und Ministerrat verabschiedet werden. Danach sollen Hersteller auch mit den Effizienzklassen werben dürfen.

Schlechtes Ergebnis für Umwelt- und Verbraucherschutz

Umwelt- und Verbraucherorganisationen halten von der Neugestaltung mit Plus-Klassen wenig. Sylvia Maurer vom europäischen Verbraucherschutzverband BEUC sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, dem Kunden werde es „schwer gemacht, sich für die besten und energieeffizientesten Geräte auf dem Markt zu entscheiden“. Schließlich sei nicht offensichtlich, welches Gerät das sparsamste ist. „Das ist ein Problem, weil wir schon in den letzten Jahren gesehen haben, dass Energieeffizienz immer mehr zum kaufentscheidenden Kriterium wird und die Verbraucher sich für energieeffiziente Geräte interessieren.“

Um die großen Unterschiede zwischen den A-Geräten deutlich zu machen, hatte die EU-Kommission auch schon Zusatzklassen mit den Bezeichnungen A-20% und A-40% vorgeschlagen. Diese Labels hätten die Geräte bekommen, die gegenüber der A-Klasse 20 beziehungsweise 40 Prozent Energie sparen. Ein entsprechender Vorschlag für eine solche Kennzeichnung von Fernsehern wurde im Mai jedoch vom europäischen Parlament abgelehnt.

Scharf kritisiert hatten die Aufstockunge der üblichen Klassen A bis G mit Prozent- oder Plus-Klassen auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (bvzv). „Die Verbraucher warten auf eine übersichtliche Kennzeichnung“, so BUND-Effizienzexperte Christian Noll. Die Verbände fordern die Rückkehr zur alten Skala von A bis G und einen Toprunner-Ansatz: In der Bestklasse A sollen maximal 20 Prozent der Geräte fallen dürfen. Ist die A-Klasse „voll“, muss die Skala aktualisiert werden: So wären immer nur die besten Geräte in der Bestklasse zu finden.

Das A-Label ausschließlich für die energiesparendsten Geräte: Das fordern auch die Verbraucherschutzminister der Bundesländer. Bei Waschmaschinen ist man davon weit entfernt – mehr als 90 Prozent fallen in eine der A-Klassen. Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad sagte, solch eine Energieverbrauchskennzeichnung grenze an Verbrauchertäuschung.

Felix Werdermann

Originalquelle: wir-klimaretter.de

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