Staudinger-Gegner hoffen auf Gerichte

Ernüchternde Bilanz nach Eröterungsmarathon um Eon-Kohlekraftwerk Block 6: Quecksilberbelastung werde unterschätzt

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Die Erörterungsmarathon im Rahmen des Genehmigungsverfahrens um den am Eon-Standort-Staudinger geplanten Bock 6 endet am heutigen Freitag. Klimaschützer gehen davon aus, dass das Regierungspräsidium Darmstadt die Neubaupläne genehmigen wird. Nun setzen sie auf eine Auseinandersetzung vor Gericht: „Juristisch wird dieses Neubauvorhaben keinen Bestand haben“, sagte Winfried Schwab-Posselt, Sprecher der Bürgerinitiative Stopp Staudinger.

Der Energiekonzern Eon will einen neuen Kraftwerksblock mit einer Leistung von 1.100 Megawatt bauen. Im Jahr 2013 soll er ans Netz gehen – dafür sollen die kleineren Blöcke 1 bis 3 abgeschaltet werden. Die sind jedoch bereits jetzt schon nur noch zeitweise in Betrieb. Nachdem über 8.000 Einwendungen an das Darmstädter Regierungspräsidium gegangen sind, wurde vor zehn Tagen die Erörterung begonnen.

Bürgerinitiative: „Miserable Inszenierung“

Nun ziehen die Kraftwerksgegner eine nüchterne Bilanz. Schwab-Posselt sagte: „Im Großkrotzenburger Bürgerhaus hat sich in all den Tagen die gleiche miserable Inszenierung abgespielt, wie sie schon im vorausgegangenen Raumordnungsverfahren über die Bühne gegangen ist.“ Damals hatte das Regierungspräsidium den neuen Block unter Auflagen für raumverträglich befunden.

Die Umweltschützer kritisieren, dass trotz Abschaltung der älteren Blöcke insgesamt mehr Schadstoffe in die Umwelt gelangten. Relevante Gutachten seien aber „so gestaltet, dass die Ergebnisse unbedeutend erscheinen sollen“, so Schwab-Posselt.

Quecksilberbelastung angeblich 50 Prozent höher

Auch andere Umweltorganisationen gehen davon aus, dass die Verschmutzung unterschätzt wird. Die zusätzliche Quecksilberbelastung des Mains durch den neuen Kohleblock sei um 50 Prozent höher als bislang angenommen, sagte Michael Rothkegel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Bauherr Eon lüge sich selbst in die Tasche, wenn das Unternehmen diese Zahlen ignoriere oder kleinrede.

Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geht davon aus, dass die „Quecksilberbelastung des Mains voraussichtlich das Licht-Aus-Kriterium“ für den geplanten Neubau werde. Schließlich sei die Zusatzbelastung mit europarechtlichen Vorgaben unvereinbar. Sollte das Vorhaben dennoch genehmigt werden, drohe „ein ähnliches Investitionsfiasko wie am Kraftwerksstandort Datteln“. Der Ausbau dieses Kohlekraftwerks in NRW wurde im September vom Oberverwaltungsgericht Münster gestoppt, nachdem ein Bauer gegen den Bebauungsplan geklagt hatte.

Felix Werdermann

Originalquelle: wir-klimaretter.de

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