Bäcker wollen Brot versalzen

Deutsches Bäckerhandwerk fürchtet Regulierung des Salzgehalts im Brot – EU-Kommission weist Vorwurf zurück

Von Felix Werdermann


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BERLIN. „Brottest“ steht auf den silbernen Dosen, die der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks verteilt. Darin finden sich zweimal sechs kleine Scheiben Brot, jeweils in Plastik eingeschweißt. Auf der einen Verpackung steht „Deutsches Brot“, auf der anderen „EU-Kommissionsbrot“. Der Unterschied: Im deutschen Brot ist mehr Salz.

Test-Esser sollen sich so überzeugen, dass ein nach EU-Vorstellungen hergestelltes Brot nicht schmeckt. Der Bäckerhandwerk-Verband in Berlin warnte gestern vor einer EU-weiten Kennzeichnung des Salzgehalts in Backwaren.

Salzgehalt auf Verpackung

Die EU-Kommission möchte für bestimmte abgepackte Lebensmittel Nährwertinformationen zur Pflicht machen. Unter anderem soll bei diesen Produkten der Salzgehalt auf der Verpackung angegeben werden. Nach Angaben des Bäckerhandwerk-Verbands soll für Brote ein Salz-Grenzwert von 1,3 Prozent der Mehlmenge gelten. Wird dieser Anteil überschritten, müsste darauf extra hingewiesen werden, wenn das Brot als gesund beworben wird. Wird bei einem weiteren Nährstoff die Obergrenze überschritten, dürfte das Brot nicht mehr als „gesund“ bezeichnet werden. Die Kommission begründe ihren Vorschlag damit, ein niedriger Salzgehalt würde das Bluthochdruck-Risiko senken.

Ein Kommissions-Sprecher dementierte dagegen, dass Klein-Bäcker von der Regelung betroffen würden. Zwar sei viel Salz in der Ernährung problematisch. Obergrenzen für einzelne Produkte gebe es aber nicht. Von der geplanten Kennzeichnungspflicht seien vor allem großindustriell hergestellte Produkte betroffen, traditionelle Lebensmittel wie Brot seien davon ausgenommen. „Der Bäcker an der Ecke wird sein Brot weiterhin als gesund bewerben können“, sagte Kommissions-Sprecher Carsten Lietz der Berliner Zeitung.

Die deutschen Bäcker fürchten dennoch eine niedrige Obergrenze – denn hierzulande liegt der Salzgehalt zwischen 1,8 und 2,2 Prozent. Das deutsche Brot „nicht mehr als gesund bezeichnen zu dürfen, ist pervers“, kritisierte Peter Decker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Schließlich sei es gesünder, mehr Brot und weniger Beilagen zu essen. „Dieses Brot muss aber auch schmecken.“ Bei einem weniger salzigen Brot könnten die Konsumenten zum Ausgleich mehr Käse oder Wurst auf das Brot legen. Insgesamt stiege dadurch der Salzgehalt.

Eine Regulierung des Salzgehalts sei auch nicht Aufgabe der EU, sagte Decker. Eine regionale Vielfalt müsse gewahrt bleiben. „Wir wollen das produzieren, was die deutschen Verbraucher wünschen.“ Sein Verband befürchtet, langfristig wolle die EU besonders salzige Backwaren ganz verbieten.

Kommissions-Sprecher Lietz bezeichnete die Angst als unbegründet. Die EU schreibe keine Rezeptur für Backwaren vor. „An dem System wird sich nichts ändern.“

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte den Kommissionsvorschlag, den Salzgehalt verpflichtend zu kennzeichnen. Bei 38 Millionen Deutschen, die laut Bundesregierung unter hohem Blutdruck litten, sei der Salzgehalt eine „durchaus interessante Information“, sagte ein Sprecher. Auf gesundheitsbezogene Werbung solle komplett verzichtet werden. „Aus unserer Sicht sollte man Lebensmittel überhaupt nicht als gesund anpreisen.“ Schließlich könne nicht pauschal gesagt werden, welche Nahrungsmittel gesund seien. Was für den einen gut ist, könne den anderen krank machen.

Originalquelle: berliner-zeitung.de

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