Archiv für Juni 2010

Klick ins Bohrloch

Was das Netz gegen die Ölkatastrophe tut – eine kleine Übersicht

von Felix Werdermann

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Längst kämpft BP nicht mehr nur gegen das austretende Öl im Golf von Mexiko, sondern auch um sein Ansehen. Am deutlichsten tritt dieser Kampf im Internet zu Tage. So bezahlt die Ölfirma die Suchmaschine Google dafür, bei bestimmten Suchbegriffen Treffer zu BP-Seiten auszuwerfen. Wer etwa Wörter wie „oil spill“ in die weltgrößte Suchmaschine eintippt, bekommt einen Werbelink zu bp.com angezeigt. Vor einigen Jahren schon hat sich BP einen utopischen Namen gegeben: Beyond Petroleum, zu deutsch: „Jenseits vom Öl“. Nun versuchen Internetnutzer den Konzern und die Politik an das Ziel einer vom Öl unabhängigen Wirtschaft zu erinnern. Hier einige Beispiele:

Nachahmer-Logo

Auf dem Bilderportal Flickr haben Aktivisten fast 1.500 kritische Alternativen zum echten Firmenlogo eingestellt: eine BP-Blume, an der Öltropfen kleben, die Blume wird zerquetscht oder „ziert“ ölverschmutzte Tiere. Greenpeace hatte dazu aufgerufen, das Logo zu verändern – die drei besten Einsendungen sollen bald in der geplanten Kampagne gegen den Ölriesen zum Einsatz kommen. Doch schon jetzt haben die Umweltschützer von Greenpeace ein Ziel erreicht: Die Bilder kursieren im Netz – in Blogs, auf Webseiten und auf Facebook. (mehr…)

Coole Mandi gegen Andi vom Verfassungsschutz

Ein Comic zeigt, wozu Patriotismus führen kann

Die Deutschland-Fahnen sind wahrlich schwer zu übersehen. Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft der Herren werden Autos geschmückt, Kneipen mit Flaggen ausgestattet und bei öffentlichen Übertragungen werden ganze Plätze zu einem Fahnenmeer. Dem Deutschland-Fieber ist nicht zu entkommen. Wenn es da nicht einen neuen Comic gäbe.

von Felix Werdermann

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In dem 28-seitigen Heft besucht die Schülerin Mandi mit ihrer Freundin eine öffentliche Fußballübertragung. Die beiden werden blöd angemacht, weil sie nicht die Deutschland-Fahne schwingen. »Was soll‘n das? Seid ihr nicht für Deutschland?« Gleich werden sie von eingefleischten Fans als »Spaghettifresser« bezeichnet, danach wird es sexistisch: »Frauen haben beim Fußball eh nix verloren …«

Die Begeisterung für die deutsche Nationalelf wird in dem Comic von ihrer anderen Seite gezeigt. Gemeinsames Feiern und Solidarität unter Deutschland-Fans kann für Außenstehende nämlich schnell ausgrenzend wirken. Wer nicht automatisch die DFB-Mannschaft unterstützt, muss sich rechtfertigen. Wer ohne Trikot herumläuft, wird komisch angeguckt.
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Mehr Geld für viele

[Förderung] Schwarz-Gelb will Studis beglücken: 13 Euro mehr Bafög, 300 Euro mehr Stipendium – die Opposition findet das unsozial.

von Felix Werdermann

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Nun ist es amtlich: Der Bund möchte mehr Geld für Studenten ausgeben. Davon sollen zum einen Bafög-Empfänger profitieren, vor allem jedoch leistungsstarke Studenten, die mit einem neuen „nationalen Stipendienprogramm“ gefördert werden sollen. Die Änderungen hat die Regierungsmehrheit von Union und FDP im Bundestag beschlossen. Die Opposition hält die Geldspritze für sozial unausgewogen und fordert anstelle der Stipendien mehr Geld für das Bafög. (mehr…)

Lenkertrunk

Radfahren und gleichzeitig Kaffee schlürfen? Vier Studenten wollen eine Halterung für Kaffeebecher vermarkten.

von Felix Werdermann

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„Für alle Kaffee-Junkies, Tee-Tussis oder Kakao-Schnuten, die es gerne auf dem Fahrrad tun.“ Ein flotter Spruch für flotte Radler. Das Flugblatt auf Hochglanzpapier wirbt für eine Halterung, mit der man seinen Getränkebecher am Fahrrad anbringen kann. Coffee to ride statt Coffee to go – die Idee wurde von vier Studenten aus Berlin und Potsdam ersonnen.

Sie leiten nun ein kleines Unternehmen, mit dem sie am „funpreneur“-Wettbewerb der FU teilnehmen. Teams von bis zu vier Leuten haben fünf Wochen Zeit, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, am Ende winken Preisgelder von insgesamt 2.500 Euro. „Es geht vor allem darum, wie kreativ und innovativ die Ideen umgesetzt werden“, sagt Nicola Funk, die Geschäftsführerin von Coffee to ride. (mehr…)

Bildungsprotest hat den Gipfel überschritten

Zu den Schüler- und Studentendemos kommen weniger als noch im vergangenen Jahr. Grund zum Pessimismus gibt es trotzdem nicht: Die nächste Protestwelle kommt bestimmt

von Felix Werdermann

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Der Höhepunkt ist überschritten, und es war absehbar. Als im letzten Jahr bundesweit 270.000 Schüler und Studenten auf die Straße gingen, hat wohl niemand ernsthaft geglaubt, dass die Proteste ein Jahr später noch genau so stark sind. Denn mit dem Bildungsstreik verhält es sich wie mit der Wirtschaft: Es gibt ein ständiges Auf und Ab, jede Studentengeneration erlebt mindestens einmal ein Hoch der Protestkonjunktur.
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Ein Auto schneller als der Wind

US-Forschern ist es gelungen, ein windkraftbetriebenes Auto schneller fahren zu lassen als der Wind weht. Unendliche Energie gibt es trotzdem nicht

von Felix Werdermann

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Im ersten Moment scheint es paradox: Wie kann ein Auto schneller fahren als der Wind weht, der es antreibt? Dass es funktioniert, hat ein Forscherteam aus den USA bewiesen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun über das Experiment, das bereits im Mai stattgefunden hat.

Dabei fuhr das Windkraftauto – wegen seiner schwarzen Farbe „Blackbird“ genannt – mit einem Tempo von knapp 60 Stundenkilometern. Das ist fast dreimal so schnell wie die Windgeschwindigkeit zu dem Zeitpunkt. Der Propeller hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern, das Auto an sich gleicht eher einem Rennwagen, weil es flach gebaut ist.

Skeptiker hatten zuvor bestritten, dass die Windgeschwindigkeit übertroffen werden könne. „Wenn Sie auf einem Fahrrad sitzen und mit dem Wind fahren, spüren Sie ihn nicht mehr“, erklärt Rick Cavallaro aus dem Forscherteam die Bedenken. „Sie verlieren die Windenergie“ – schließlich ist die Windgeschwindigkeit relativ zum Fahrrad dann Null. (mehr…)

Das Netz erliegt dem Gauck-Fieber

Twitter-Bilder, Online-Petitionen, Werbebanner: Im Einklang mit den Massenmedien gibt sich die Netzgemeinde dem Gauck-Hype hin. Woher kommt diese plötzliche Faszination?

von Felix Werdermann

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Selten marschiert die Netzgemeinde so im Einklang mit den Massenmedien, wie bei der Frage, wer neuer Bundespräsident werden soll. Nicht nur in der Presse – in einer großen Koalition von taz über Spiegel bis Bild –, auch im Internet ist Joachim Gauck auf dem Weg zum neuen Super-Star. Blogger und Twitter-Nutzer betreiben Wahlkampf für den Kandidaten der Opposition.
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Klimaschützer demonstrieren für Systemwechsel

„System change not climate change!“ 1.600 Menschen demonstrieren in Bonn für effektiven Klimaschutz und mehr Klimagerechtigkeit. Von den offiziellen Verhandlungen erhoffen sie sich nicht viel. Mit dabei sind nicht nur klassische Umweltorganisationen, sondern auch Attac, anarchistische und kommunistische Gruppen, Tierschützer, Atomkraftgegner – und die Klimaradler aus Potsdam.

Aus Bonn FELIX WERDERMANN

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Die meisten haben sich an den Rand gesetzt. Denn auf dem Kaiserplatz in Bonn scheint die pralle Sonne. Wer auf dem Rasen steht, kann mit einem Sonnenbrand rechnen; die Bäume am Rand spenden zumindest etwas Schatten. Trotzdem füllt sich die Wiese: Vor allem junge Menschen sind gekommen mit Fahnen, Schildern, Transparenten. Heute wollen sie für effektiven Klimaschutz und mehr Klimagerechtigkeit demonstrieren.

1.600 Menschen haben sich am Samstag nach Schätzungen der Organisatoren versammelt. Es ist Halbzeit bei den zweiwöchigen UN-Klimaverhandlungen in der ehemaligen Bundeshauptstadt. Doch die Diplomaten im Hotel Maritim sind weit weg – geografisch sowie inhaltlich. Die Demo startet in Bahnhofsnähe und zieht einmal durch die Innenstadt. Am Tagungszentrum, das etwas außerhalb liegt, kommt sie nicht vorbei.

Kritik an „Unfähigkeit der Regierungen und Institutionen“

Das macht aber nichts, denn von der Zwischenkonferenz in Bonn erwarten sich die Demonstranten ohnehin nicht viel. „Das Scheitern von Kopenhagen und das drohende Scheitern von Bonn zeigen ganz deutlich die Unfähigkeit der Regierungen und Institutionen, mit der Krise, die uns bevorsteht, umzugehen“, sagt Ashley Renders vom Bewegungsnetzwerk Climate Justice Action (CJA) bei der Abschlusskundgebung. „In Cancún, bei dem nächsten Klimagipfel, wird es auch nicht anders sein.“
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So rettet man das Klima

Der Geophysiker Klaus Lackner hat eine respektable Idee, wie sich das Erdklima einfach reinwaschen lässt. Luftwaschmaschinen sollen den Treibhauseffekt regulieren helfen

von Felix Werdermann

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Wir dürfen weiter Umweltschweine sein. Energie verschwenden, Benzinfresser fahren, um die halbe Welt fliegen. Wer sich von der Sorge ums Klima bisher eingeschüchtert fühlte, kann sich entspannen. Der Treibhauseffekt ist so gut wie aus der Welt. Sobald die Vision von Klaus Lackner Wirklichkeit wird. Denn der Geophysik-Professor an der Columbia-Universität hat eine Idee: Luftwaschmaschinen, die das Erdklima einfach reinwaschen. Wie das funktionieren kann beschreibt Lackner in der jüngsten Ausgabe des Scientific American, und es klingt wie ein Heilsversprechen.

Eine Maschine entzieht der Luft täglich zehn Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) – etwa soviel, wie ein Durchschnittsdeutscher im ganzen Jahr ausstößt. Stellte man weltweit 10 Millionen solche Apparate auf, rechnet Lackner vor, fingen sie etwa das vierfache der weltweiten Emissionen wieder ein – und könnten den seit mehr als einem Jahrhundert währenden Trend der globalen Erwärmung umkehren. Nicht sofort, denn das Treibhaus ist träge. Aber um den Klimakollaps überhaupt noch abzuwenden, darin sind sich die Forscher einig, müssen die Nettoemissionen von CO2 eben schnellstmöglich gesenkt werden.
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Schwierige Beziehung: Köhler und das Internet

Der ehemalige Bundespräsident vorm Computer; unterwegs in der weiten Welt, nicht per Flieger sondern digital – können Sie sich das vorstellen? Auf das Internet kann kein Politiker verzichten und so wird auch Horst Köhler zwischen seinen Reisen nach Afrika im Netz vorbeigeschaut haben. Köhler und das Internet – eine besonders innige Beziehung ist das aber nicht. Vier Beispiele

von Felix Werdermann

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Erstens: Als Bundespräsident hat man nicht viel zu melden, aber immerhin verfügt man über ein Vetorecht bei Gesetzen, die nicht verfassungskonform erscheinen. Als es um Internetsperren ging, hat er das Gesetz der schwarz-roten Regierung zunächst zurückgewiesen – um es einige Zeit später dann doch noch zu unterzeichnen. Unter Netzaktivisten hat er sich damit nicht beliebt gemacht. Immerhin hat er sich mit dem Thema beschäftigt.

Zweitens: Sogar in der FAZ wird spekuliert, ob Köhler von Bloggern gestürzt wurde. Das ist zwar etwas übertrieben, aber ein Stück Wahrheit ist doch dran. Denn als Köhler sich zu den deutschen Kriegseinsätzen und zu den deutschen Wirtschaftsinteressen geäußert hat, wurde das zunächst von fast niemandem wahrgenommen – nur im Internet wurde fleißig gebloggt. Ein paar Tage später hat SpiegelOnline das Thema aufgegriffen. Die Internetzeitung hat die umstrittenen Äußerungen erst richtig auf die Tagesordnung gebracht.
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