CCS: Untauglicher Hoffnungsträger

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein großer Erfolg für Umweltschützer: Der britische Energieminister Chris Huhne hat angekündigt, dass es neue Kohlekraftwerke nur noch geben soll, wenn sie die Kohlendioxid-Emissionen abscheiden und verpressen. Keine neuen Klimakiller ohne Carbon Capture and Storage (CCS) – war das nicht auch die Forderung zahlreicher deutscher Umweltorganisationen? Tatsächlich ist es verantwortungslos, neue Kohlekraftwerke zu bauen, die unsere Energieversorgung für Jahrzehnte zementieren. Mit dem Ruf nach CCS verbessert sich daran nichts, es verschlimmert nur das Problem: das Festhalten an der fossilen, zentralen Energieversorgung.

Ein Kommentar von Felix Werdermann

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Wer neue Kohlekraftwerke an die unsichere Technologie koppeln möchte, kann ganz unterschiedliche Motive haben: Man kann davon ausgehen, dass CCS niemals kommerziell einsetzbar sein wird und daher keine neuen Kohlekraftwerke kommen. Man kann in CCS aber auch die Grundlage für eine neue Generation an Kohlekraftwerken sehen. Dann müssen nur die Anlagenbetreiber dazu getrieben werden, genug Geld in diese Technik zu investieren, die letztlich das Überleben der Branche garantiert.

Neue Kohle- oder Atomkraftwerke sind überflüssig

Genau das hat die britische Regierung vor. Sie will die CCS-Technik voranbringen und gibt auch selbst Millionensummen dafür aus. Hier ist zu offensichtlich, dass Energieminister Huhne in der angekündigten CCS-Vorgabe keinen simplen Trick zur Verhinderung neuer Kraftwerke sieht. Darum müsste es aber gehen. Längst boomen die erneuerbaren Energien, so dass keine neuen Kohle- oder Atomkraftwerke mehr benötigt werden. Und selbst mit einer funktionierenden CCS-Technik wären bei weitem nicht alle Probleme gelöst: Zusätzlicher Energieverbrauch für die Kohlendioxid-Abscheidung, dadurch mehr Abgase, die ungelöste CO2-Endlagerfrage, weiterhin Umweltschäden beim Kohleabbau, und, und, und.

Die Ankündigung von Huhne könnte allerdings auch positive Effekte haben – wenn auch vielleicht ungewollt. Denn Experten gehen davon aus, dass CCS frühestens im Jahr 2020 marktreif ist. Die wichtigen Investitionsentscheidungen über die zukünftige Energieversorgung werden aber schon in den nächsten Jahren fallen. Wenn nun zehn Jahre lang keine Kohleblöcke gebaut werden, wäre das ein großer Erfolg für den Klimaschutz. Der Unsicherheitsfaktor: Mit den Millionensubventionen könnten auch neue Anlagen entstehen, die normalerweise unrentabel wären. Es kommt also darauf an, wieviel Geld die britische Regierung ausgeben möchte, um die alten, klimaschädlichen Energiestrukturen aufrecht zu halten.

Originalquelle: klimaretter.info

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