Netzgeschichten: Folge dem Weg des Geldes!

Transparenz bedeutet mehr als nur lange Tabellen. Deswegen haben Studenten ein Programm entwickelt, dass die engen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft aufzeigt

von Felix Werdermann

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Es wäre ein Albtraum für alle korrupten Politiker: Eine Maschine, die alle zwei Wochen einen Zettel ausspuckt, auf dem etwa zu lesen ist: „Frau XY, CDU-Abgeordnete, erhält 50.000 Euro Spenden vom Agrarunternehmen ‚Bauernwerke‘ und hat sich nun dafür eingesetzt, dass diese Firma niedrigere Steuern zahlen muss.“

Zur Beruhigung, liebe Politiker: Diese Maschine gibt es noch nicht. Aber sieben Potsdamer Informatikstudenten haben nun ein Programm mit dem Namen GovWild entwickelt, das Verbindungen zwischen Politikern, Unternehmen und Parteien aufzeigen soll. Hier kann Otto Normalrechercheur etwa herausfinden, dass der Energiekonzern Eon regelmäßig an Union, FDP und SPD spendet, während er in den USA Geld vom „Public Buildings Service“ erhält.

Diese merkwürdige Kombination lässt bereits vermuten, dass sehr unterschiedliche Datenquellen zu Grunde liegen. Auch längst nicht alle relevanten Informationen finden sich hier. In Deutschland erfasst GovWild beispielsweise Großspenden an die Parteien, staatliche Subventionen aber nur im Agrarbereich. In den USA wird detailliert dokumentiert, welche Firma wieviel Unterstützung von der Regierung erhält, aber wie der US-Wahlkampf mit Spenden der Konzerne finanziert wird, bleibt leider weitgehend im Dunkeln.

Der Anspruch des Programms ist dennoch richtig: Möglichst viele vorhandene Informationen zusammenfassen und übersichtlich darstellen. Denn Transparenz bedeutet mehr als lange Listen und Tabellen, die nur von Experten durchschaut werden. Deshalb wurden bislang sieben öffentliche Datensammlungen zusammengefasst, die insgesamt über 10 Gigabyte groß sind. Informationen gibt es über 200.000 Personen sowie über fast 250.000 Firmen und Regierungsstellen. Für die Studenten war das nicht ganz einfach: Die Daten mussten in dasselbe Format gebracht und abgeglichen werden. Ist das Unternehmen Eon, das deutsche Parteien beschenkt, dieselbe Firma, die in den USA staatliche Gelder erhält?

Dass der Computer dabei manchmal irrt, verdeutlicht die Hauptbotschaft von GovWild: Hartnäckige Recherchen von Journalisten oder Nichtregierungsorganisationen können durch die beste Maschine nicht ersetzt werden. Das Programm kann nur so gut sein wie die Daten, mit denen es arbeitet. Auch für intelligente Software gibt es Grenzen: Und welche Geldflüsse registriert werden müssen, welche nicht – das bleibt auch weiter eine politische Frage, bei der kein Computer helfen kann.

Originalquelle: freitag.de

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