Die dunkle Seite des Atomstroms

Unter dem Abbau des Atombrennstoffs Uran leiden Mensch und Umwelt. Ein neuer Kurzfilm lässt Betroffene zu Wort kommen – und erzählt von Umweltrassismus, Unwissenheit und den kleinen Erfolgen der Umweltschützer

Eine Rezension von Felix Werdermann

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„Bei uns fließt Blut – für das Licht anderer Leute.“ Das erzählt Aghali Mahiya aus Niger. Er spricht vom Uranabbau – der dunklen Seite des Atomstroms. Dunkel, weil der Aspekt nur selten das Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit erfährt. Und dunkel, weil die Urangewinnung große Gebiete radioaktiv verseucht.

Mahiya ist einer der Betroffenen, die im neuen Kurzfilm „Auf Augenhöhe“ zu Wort kommen. In elf Minuten reden hier Menschen, die in Abbaugebieten leben, deren Eltern für die Uranindustrie gearbeitet haben, die sich dafür einsetzen, dass die Folgen noch so gut es geht begrenzt werden. Am Samstag wurde die Dokumentation auf der Anti-Atom-Demo in Berlin erstmals gezeigt, ab heute kann er auf der Website www.strahlendesklima.de angesehen werden.

USA, Niger, Namibia – wo auch immer das Uran abgebaut wird, die Folgen sind fatal. Radioaktiver Staub in der Luft verursacht Atemwegserkrankungen, Uran kann in Flüsse gelangen und das Wasser verseuchen – falls das überhaupt noch vorhanden ist, denn die Minen verbrauchen auch riesige Mengen vom kostbaren Nass.

Die Interviewpersonen im Film reden in aller Ruhe über ihre Situation – dabei ist sie erschreckend: Die Menschen, die in den Minen arbeiten, wissen oft nicht, weshalb viele von ihnen krank werden, berichtet Hilda Shindondola-Mote aus Namibia. Manuel F. Pino spricht über „Umweltrassismus“ in den USA: Die Indigenen müssen in den verseuchten Gebieten leben. Und Charmaine White Face, ebenfalls aus den USA, erzählt von ihrem Erfolg, der so groß, aber doch so klein ist: Um eine stillgelegte Mine wurde auf Druck von Umweltschützern ein Zaun mit Warnschildern errichtet – doch zig weiteren Standorte sind weiterhin ohne Schutz.

Die Probleme werden in den elf Minuten gut angerissen, allerdings eignet er sich vor allem für Menschen, die vom Uranabbau zumindest schon einmal gehört haben. Vorstellbar ist aber auch, dass die Doku auf Infoveranstaltungen zu Atomkraft eingesetzt wird – wenn zusätzlich in wenigen Sätzen erklärt wird, worum es überhaupt geht. Die Macher haben den Film unter eine CreativeCommons-Lizenz gestellt, konkret heißt das: Er darf für nicht-kommerzielle Zwecke kostenlos genutzt werden, wenn er nicht verändert wird und der Urheber genannt wird.

Für einen Filmabend zum Uranabbau eignet sich auch der erste Film der Filmemacher. Die 53minütige Dokumentation „Uranium – is it a country?“ gibt es bereits seit anderthalb Jahren und ist inzwischen hundertfach öffentlich gezeigt worden. Nun also mit kleinem Extra: „Auf Augenhöhe“.

Auf Augenhöhe, Dokumentation, Deutschland, 11 Minuten.
Ansehen oder DVD bestellen unter: www.strahlendesklima.de

Originalquelle: klimaretter.info

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