Überall gegen den Castor

In über 120 Orten in ganz Deutschland haben Atomkraftgegner gegen Castortransporte demonstriert. Infostände, Manhwachen, Flashmobs, Demonstrationen, Fahrradtouren: Über 10.000 Menschen haben sich an den Protesten beteiligt.

Von Felix Werdermann

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Es ist eine Art Warmlaufen für den Protest im Wendland: Zwei Wochen bevor der Castor ins niedersächsische Gorleben rollen soll, haben Atomkraftgegner in ganz Deutschland gegen die Atommülltransporte demonstriert. An dem „Castor-Streckenaktionstag“ beteiligten sich nach Veranstalterangaben mehr als 10.000 Menschen in über 120 Orten.

In zwei Wochen soll hochradioaktiver Müll von der französischen Wideraufarbeitungsanlage La Hague in das Gorlebener Zwischenlager gebracht werden. Atomkraftgegner befürchten, dass es mit jedem neuen Atommüllfass wahrscheinlicher wird, dass der Salzstock in Gorleben zum Endlager wird. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte den Erkundungsstopp aufgehoben, derzeit sind sie auf Grund von Klagen vor Gericht unterbrochen.

Die Castoren rollen aber nicht nur nach Gorleben, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands. So stehen in nächster Zeit Transporte von Karlsruhe nach Greifswald, von Jülich ins westfälische Ahaus oder von Ahaus nach Russland an. Entlang dieser Strecken wurde am Samstag demonstriert. In den meisten Orten versammelten sich 50 bis 500 Atomkraftgegner, die größte Demonstration fand mit 3.000 Teilnehmern in Hannover statt. In anderen Städten gab es Infostände, Mahnwachen, Flashmobs oder Fahrradtouren.

Die Organisatoren sind zufrieden: „Wer mit dem atomaren Feuer spielt, muss zukünftig mit breitem Widerstand in der Fläche rechnen“, sagte Peter Dickel vom Koordinationskreis der Aktion. Jochen Stay von der Anti-Atom-Initiative Ausgestrahlt erklärte: „Der heutige Aktionstag zeigt, dass Gorleben und das Atommüllproblem kein regionales Thema sind, sondern die Menschen überall bewegt. Die neu erstarkte Anti-AKW-Bewegung ist in der Fläche angekommen.“

Einige Aktionen sind erst am Tag selbst organisiert worden. Kurz zuvor waren erst rund 90 Aktionen angekündigt. Der „Streckenaktionstag“ hat ganze zwölf Stunden gedauert: Um 8 Uhr morgens begann die erste Aktion, die letzte endete um 20 Uhr. Der Liveticker der Website bietet einen groben Überblick über die gelaufenen Aktionen.

In Ahaus wurde das Gleis zum Zwischenlager probeweise blockiert. Auch in anderen Städten wurden Sitzblockaden oder das sogenannte „Schottern“ geprobt. Bei dieser Aktionsform werden die Steine aus dem Gleisbett entfernt mit dem Ziel, die Weiterfahrt des Zuges zu verhindern. Im Wendland soll sie dieses Jahr zum ersten Mal in großem Stil getestet werden, die Polizei reagiert bereits nervös und hat Anzeigen verschickt an Atomkraftgegner, die angekündigt hatten, sich am „Schottern“ zu beteiligen.

Auch in Berlin haben am Samstag 400 Menschen gegen die Atomkraft demonstriert. Dabei sollte eine nachgebauter Castor-Attrappe durch Berlin-Kreuzberg fahren. Die Demonstranten konnten den Transport jedoch mit einer Sitzblockade stoppen. Am Montag wird eine weitere Castor-Attrappe in Berlin ankommen, die am Sonntag im Wendland startet.

Originalquelle: klimaretter.info

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