Gewalt ist nicht Gewalt!

Sachbeschädigung ist etwas anderes als Schlagstock und Tränengas. Trotzdem werden Castor-Demonstranten von Polizisten verprügelt und viele Beamte schauen weg. Helfen könnte eine Polizeikennzeichnung.

Ein Kommentar von Felix Werdermann


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Es war absehbar gewesen: Mit harten Bandagen ist die Polizei gegen Atomkraftgegner vorgegangen, die im Wendland die Castorstrecke unbefahrbar machen wollten. Tränengas, Schlagstöcke, Wasserwerfer – auch von aggresiv vorgehenden Pferdestaffeln wird berichtet.

Sofort beginnen auf beiden Seiten die Beschuldigungen: Die Polizei rechtfertigt ihren Einsatz mit der Gewalt der Demonstranten, die Atomkraftgegner reden von der eigenen Gewaltlosigkeit und einer unverhältnismäßigen Reaktion der Polizei. Die Medien schenken mal der einen Partei, mal der anderen Glauben. Wer sich aber nicht nur oberflächlich mit dem Konflikt beschäftigen will, kommt um eine Frage nicht herum: Was ist eigentlich Gewalt?

Ist das sogenannte Schottern Gewalt? Häufig wird diese Aktionsform, bei der unter dem Gleis der Schotter entfernt wird, als eine weitere Eskalationsstufe beschrieben. Tatsächlich hätte der Castor durch massenhaftes Schottern wesentlich länger aufgehalten werden können als es einfache Sitzblockaden vermögen. Aber in der Qualität unterscheiden sich die beiden Aktionsformen kaum. Die Strecke ist für eine bestimmte Zeit unbefahrbar, Menschen werden nicht gefährdet.

Wo beginnt Gewalt?

Und dieser Punkt trifft die Gewaltdebatte im Kern: Ist Gewalt gegen Dinge bereits Gewalt? Oder ist das legitimer Widerstand und die Gewalt beginnt erst, wenn Menschen verletzt werden? Egal wie man diese Frage beantwortet: Es gibt einen Unterschied zwischen Sachbeschädigung und körperlicher Gewalt gegen Demonstranten.

Dass es einige Polizisten dennoch völlig normal finden, mit Schlagstöcken die Schiene zu verteidigen, kann verschiedene Gründe haben: Einige Beamten sind Atomenergiebefürworter und betrachten die Aktivisten als Spaß-Randalierer. Andere sind heillos übermüdet und wollen so schnell es geht nach Hause. Viele hegen auch Sympathien für die Atomkraftgegner, müssen aber ihrer Aufgabe nachkommen. Und prügelnde Kollegen werden dann lieber ignoriert, ansonsten macht man sich auch noch in den eigenen Reihen unbeliebt.

Polizeikennzeichnung könnte helfen

Wenn der Castor erstmal in Gorleben angekommen ist, werden die Ausschreitungen schnell wieder vergessen, und beim nächsten Transport läuft es wieder genauso ab. Helfen könnte eine Kennzeichnung der Polizisten – sei es mit Namen oder Nummer. Nur so können die Beamten hinterher auch zur Verantwortung gezogen werden. Bisher wehrt sich die Polizei mit allen Mitteln gegen solch eine Reform. Dabei könnte es ihr durchaus nützen – zumindest den Beamten, die sich korrekt verhalten. Wenn die Polizei keinen Freischein für Prügeleien hat, wird das auch ihr Ansehen in der Öffentlichkeit verbessern.

Originalquelle: klimaretter.info

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3 Antworten auf “Gewalt ist nicht Gewalt!”


  1. 1 Stefan 16. November 2010 um 22:30 Uhr

    Du schreibst: „Dass es einige Polizisten dennoch völlig normal finden, mit Schlagstöcken die Schiene zu verteidigen…“ Ich meine, dass es nicht die Haltung einzelner PolizistInnen war, sondern dass diese einfach ganz klar ihren Auftrag erfüllt haben: Schiene mit allen (halbwegs verhältnismäßigen) Mitteln zu schützen. Die selben BeamtInnen haben zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort andere (oder manchmal auch die gleichen) Leute weggetragen.

    Hinter dem Vorgehen an der Schiene steht eine Gewaltstrategie der Polizeiführung, nicht das Fehlverhalten Einzelner. Zur Gewaltstrategie gehörte, die SchottererInnen als Gewalttäter aufzubauen und als Abweichler von einem Wendland-Konsens. Die SchottererInnen sind damit nicht offensiv genug umgegangen.

  2. 2 Stefan 16. November 2010 um 22:33 Uhr

    Du schreibst: „Dass es einige Polizisten dennoch völlig normal finden, mit Schlagstöcken die Schiene zu verteidigen…“ Ich meine, dass es nicht die Haltung einzelner PolizistInnen war, sondern dass diese einfach ganz klar ihren Auftrag erfüllt haben: Schiene mit allen (halbwegs verhältnismäßigen) Mitteln zu schützen. Die selben BeamtInnen haben zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort andere (oder manchmal auch die gleichen) Leute weggetragen.

    Hinter dem Vorgehen an der Schiene steht eine Gewaltstrategie der Polizeiführung, nicht das Fehlverhalten Einzelner. Zur Gewaltstrategie gehörte, die SchottererInnen als Gewalttäter aufzubauen und als Abweichler von einem Wendland-Konsens. Die SchottererInnen sind damit nicht offensiv genug umgegangen.

  3. 3 Felix 17. November 2010 um 1:05 Uhr

    Es mag sein, dass die Polizeiführung härteres bis brutales Vorgegen gegenüber den Schotterern eher geduldet hat. Trotzdem möchte ich nicht von allen Polizistinnen und Polizisten schreiben, weil es durchaus einige gibt, die im Herzen bei den Demonstranten sind.

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