Das Desaster mit dem Master

Die Masterplätze werden knapp, fürchten Studentenvertreter. Auch die Unis sehen das Problem, verweisen aber auf fehlendes Geld.

Von Felix Werdermann

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Zufrieden waren die meisten Studierenden ohnehin nicht: Mit den neu eingeführten Bachelor- und Master-Studiengängen steige die Arbeitsbelastung und werde das Studium verschult, so die Kritik. Nun zeichnet sich ab, dass viele Studis bald vor einem noch viel größerem Problem stehen werden: Die beliebten Masterplätze werden knapp. Bachelor­absolventen bleiben dann nur zwei Optionen: Entweder sie warten, oder sie brechen ihr Studium ab – mit dem mulmigen Gefühl, keinen vollwertigen Abschluss in der Tasche zu haben.

Vor sieben Jahren hat die Politik beschlossen, der Bachelor solle zum Regelabschluss werden. Das Versprechen: Mit diesem Zeugnis könne man prima in die Berufswelt starten. Die Studierenden aber trauen dem Braten nicht. Drei Viertel aller Bachelorabsolventen entscheiden sich für das Weiterstudieren. Wer kann es ihnen verübeln? Selbst Hochschulen wie die Technische Universität (TU) erklären, sie gingen „nach wie vor vom Master als Regelabschluss aus.“

Studentenvertreter schlagen deshalb Alarm: „Es zeichnet sich ab, dass in einigen Studiengängen deutlich mehr Studierende einen Masterstudiengang studieren wollen, als Plätze zur Verfügung stehen“, sagt Erik Marquardt, Referent für Bildungspolitik im Allgemeinen Studierendenausschuss der TU. Bisher sieht es noch vergleichsweise gut aus: 425 Studenten haben im vergangenen Jahr ihr Bachelorzeugnis erhalten, im Oktober sind über 1.500 in den Master gestartet. In manch einem Fach sei dennoch bereits eine Abschlussnote von 1,4 erforderlich, um weiterzustudieren, berichtet Marquardt. „Das ist jedoch erst der Anfang, da die Umstellung auf die neuen Studiengänge noch nicht flächendeckend Bachelorabschlüsse produziert hat.“

Fehlendes Geld

In der Tat zeigt dort die Tendenz nach oben: Im vergangenen Jahr hatte jeder fünfte Absolvent ein Bachelorzeugnis in der Tasche, 2008 war es erst jeder Achte. An der TU sind bereits mehr als 13.000 Bachelorstudenten eingeschrieben, viele von ihnen werden sich in den nächsten Jahren auf die Suche nach einem Masterplatz machen. Die TU hat für die Bedürfnisse durchaus Verständnis: Man „würde gerne jedem Bachelorabsolventen einen Masterstudienplatz anbieten“, erklärt ein TU-Sprecher. Das Problem ist die Finanzierung. Das Land gibt nur soviel Geld, dass etwa jeder zweite Abgänger auch einen Masterplatz finden kann. Die Freie Universität (FU) steht vor dem gleichen Problem und erklärt, es sei „rein rechnerisch gar nicht möglich, allen Bachelor­absolventen grundsätzlich einen Mas­ter-Studienplatz zu garantieren.“

Damit trotzdem möglichst viele von ihnen weiterstudieren können, soll nun geprüft werden, ob Absolventen nach einem verkürzten Master oder sogar direkt nach ihrem Bachelorabschluss ihre Doktorarbeit schreiben können. „Somit wäre es möglich, Kapazitäten in den Masterprogrammen freizumachen“, glaubt der Sprecher von FU-Präsident Peter-André Alt.

Kein Heimvorteil

Doch selbst wenn es rechnerisch genug Masterplätze geben sollte: Ob auch alle Abgänger den richtigen Studiengang zum Weiterstudieren finden, ist fraglich. Denn im Master gibt es manch außergewöhnliche Fächer, an der FU zum Beispiel Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen Beziehungen. Ob solche und andere Exotenfächer genügend Bewerber finden oder sie gerade wegen ihrer seltenen Spezialisierung überlaufen sind, wird sich bald zeigen.

Das Chaos ist vorherzusehen. Weil sich viele Studenten unsicher sind, bewerben sie sich lieber für einen Masterstudiengang zu viel als zu wenig. Dadurch verzögert sich das Auswahlverfahren, teilweise können Studierende sehr spät noch nachrücken. Ähnliche Probleme gibt es auch beim Start ins Bachelorstudium, seitdem die Zentrale Studienplatzvergabe Geschichte ist.

Berliner Studenten werden beim Kampf um die besten Masterplätze übrigens benachtei­ligt. An manchen deutschen Unis werden nämlich die eigenen Absolventen bevorzugt behandelt. So muss man in Bonn als Auswärtiger eine Note besser sein, wenn man dort Psychologie studieren möchte. In Berlin dagegen gibt es solch einen „Heimvorteil“ nicht. Gesetzlich sei das nicht zulässig, heißt es seitens der Unis. Studentenvertreter Marquardt findet das richtig: Solche Vorzugsautomatismen würden die Idee der nationalen und internationalen Mobilität – immerhin ein Ziel des Bologna-Prozesses – unverhältnismäßig erschweren.

Originalquelle: stadtstudenten.de

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