Archiv für März 2011

Terrorgefahr Atomkraftwerk?

Die deutschen AKW würden einem gezielten Flugzeugangriff nicht standhalten. Trotzdem hat sich nach dem 11. September 2001 in der deutschen Atomenergiepolitik nichts getan. Die Politiker hatten Angst, den Atomkompromiss mit den Energiekonzernen aufzukündigen.

Das Fazit aus der Masterarbeit von Felix Werdermann

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Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war ein neues Szenario vorstellbar geworden: Als Selbstmordattentäter könnten Terroristen ein Flugzeug entführen und es auf ein AKW stürzen. Diese notwendige Neubewertung des Risikos wird auch von allen im Bundestag vertretenen Parteien wie auch der Bundesregierung bestätigt. Zudem ist inzwischen bekannt, dass die Attentäter vom 11. September ursprünglich daran gedacht hatten, auch ein AKW als Angriffsziel auszuwählen und diesen Plan später verworfen haben – allerdings nur „vorläufig“.

Aus verschiedenen Gründen kann ein AKW ein attraktives Angriffsziel für Terroristen sein – insbesondere dann, wenn den Attentätern an einem möglichst großen Personenschaden gelegen ist. Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass dieses Motiv in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Die deutschen AKW sind außerdem nur unzureichend gegen einen gezielten Flugzeugabsturz geschützt, wie Untersuchungen gezeigt haben. Vor allem die älteren Anlagen sind verwundbar, weil sie nicht gegen Flugzeugabstürze ausgelegt sind. (mehr…)

Chance auf den Turbo-Ausstieg

Die Nutzung der Atomkraft könnte eher beendet werden, als sich das SPD und Grüne gedacht haben. Dazu werden bereits waghalsige Kostenrechnungen angestellt

von Felix Werdermann

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Als SPD und Grüne 2001 den Atomausstieg beschlossen, sollte es noch 20 Jahre dauern, bis das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet würde. Nun wird erneut über einen Ausstieg diskutiert, und jetzt soll alles viel schneller gehen: Bereits in weniger als zehn Jahren könnte Schluss sein mit der kommerziellen Kernspaltung. Wie kann das sein?

Die Rechnung des Öko-Instituts

Dass die derzeitige Regierung Grüne und Sozialdemokraten in Sachen Ausstiegsgeschwindigkeit überholen kann, hat mehrere Gründe. Erstens wurden seit 2001 bereits zwei kleinere AKW endgültig vom Netz genommen. Zweitens müssten eigentlich schon weitere Uralt-Anlagen abgeschaltet sein – die Betreiber haben es aber auch Dank der Konstruktionsfehler des rot-grünen Ausstiegsgesetzes geschafft, die Meiler über die letzte Bundestagswahl zu retten. Drittens orientieren sich Parteien auch an politischen Opportunitäten. Technisch wäre ein schnellerer Ausstieg möglich gewesen. Und er ist es heute noch. (mehr…)

„Löschen oder sperren?“ Reloaded

Unionspolitiker drängen wieder auf Netzsperren gegen Kinderpornografie. Dabei legen Zahlen des Bundeskriminalamts nahe: Löschen ist wirkungsvoller als Sperren

von Felix Werdermann

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Der Protest gegen den Aufbau einer Infrastruktur für Internetsperren könnte wieder auferstehen, wenn auch nicht mehr unter dem Namen Zensursula – Namensgeberin von der Leyen hat ja die Zuständigkeit gewechselt.

Das Innenministerium hatte vor rund einem Jahr das so genannte Zugangs­erschwerungsgesetz ausgesetzt. Seit einigen Wochen drängen Unionspoli­tiker wieder auf die Einführung von Netzsperren gegen Kinderpornos und argumentieren mit Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA). Doch die neuesten dieser Zahlen legen nun gerade den Erfolg des Alternativ-Prinzips „Löschen statt Sperren“ nahe. (mehr…)

Den Schaden zahlt die Bevölkerung

Bei einer Kernschmelze haftet der Kraftwerksbetreiber – auf dem Papier unbegrenzt, de facto mit 2,5 Milliarden. Die erwarteten Schäden übertreffen dies um das 2.000fache

Von Felix Werdermann

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Zehn Billionen Deutsche Mark, eine Zahl mit 13 Nullen. Das ist der Schaden, den das Prognos-Institut im Jahr 1992 für eine Kernschmelze in Deutschland errechnet hat. Heute entspräche das mehr als fünf Billionen Euro. Welche wirtschaftlichen Folgen die Vorfälle in Japan haben, ist überhaupt nicht absehbar, Versicherungsgesellschaften wollen derzeit nicht einmal Schätzungen für die Kosten des Tsunamis und des Erdbebens angeben.

Sicher aber ist: Am Ende wird ein Großteil der Kosten auf die Bevölkerung abgewälzt. Denn der AKW-Betreiber Tepco wird wohl kaum genug Geld haben, um alle Schadensersatzforderungen zu begleichen. Im Prinzip haften die japanischen Kraftwerksbetreiber unbegrenzt. Vorsorglich müssen sie aber nur umgerechnet rund eine Milliarde Euro bereithalten. Nach Angaben der Deutschen Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft sind Schäden auf Grund von Erdbeben oder Tsunamis in Japan ohnehin nicht versichert. (mehr…)

Sicher ist nur das Risiko

Bundesregierung und Atomkraftwerksbetreiber bemühen sich, Ängste aus der Bevölkerung kleinzureden. Tenor: Eine Katastrophe wie in Japan könne hierzulande nicht passieren. In Wirklichkeit gibt es zahlreiche Sicherheitsrisiken – drei von ihnen werden im Folgenden vorgestellt.

Von Felix Werdermann

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Erdbeben

Durch Erschütterungen können Anlagenteile eines Atomkraftwerks ausfallen. Wichtige Komponenten sind deshalb mehrfach vorhanden. Kommt es zu einem Erdbeben, soll mit den noch funktionstüchtigen Anlagenteilen zumindest ein sicheres Abschalten möglich sein. Die deutschen Meiler sind so gebaut, dass sie Erdbeben standhalten – allerdings nur bis zu einer gewissen Stärke. Diese bemisst sich an den größtmöglichen Erschütterungen, die nach den damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen in einem Umkreis von 200 Kilometern auftreten können.

In der Nähe des hessischen Atomkraftwerks Biblis wurden diese Werte jedoch mehrmals überschritten. Die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW listet acht Beben auf, die für den Uraltreaktor hätten problematisch werden können. Zwei Mal war der Befund eindeutig: Die Erde wackelte stärker als beim Bau des neueren Blocks B angenommen wurde – glücklicherweise fast 100 Kilometer entfernt. Die IPPNW klagt seit Jahren gegen das Kraftwerk, unter anderem wegen mangelnder Auslegung gegen Erdbeben. (mehr…)

Merkel entlarvt ihre Atompolitik

Merkel will die Laufzeitverlängerung aussetzen, ältere AKW womöglich stillegen. Das zeigt: Sogar die Bundesregierung weiß, dass der Umstieg auf Erneuerbare schneller geht

von Felix Werdermann

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Widersprüchlich war es schon, was Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Berlin erklärte. Die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke solle überprüft werden, dabei gebe es „keine Tabus“. Gleichzeitig nahm Merkel das Ergebnis quasi vorweg: Die Reaktoren seien ihrer Überzeugung nach sicher. Das Moratorium bedeute auch keine Abkehr von der Laufzeitverlängerung; aber nach den drei Monaten sei die Situation anders als vorher. Und vor allem: Die Atomkraft sei eine notwendige Brückentechnologie – und trotzdem ist es jetzt anscheinend kein Problem, die älteren Reaktoren früher abzuschalten. (mehr…)

Gegen die Bleiwüste

Schlecht in Form: Viele linke Zeitungen konzentrieren sich auf die Inhalte, nicht jedoch auf die Gestaltung – obwohl das viele Leser kostet. Woran liegt’s?

Von Felix Werdermann

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An der Bild-Zeitung gibt es viel zu kritisieren – aber ihren Erfolg kann man schwerlich abstreiten. Auflage: Knapp drei Millionen Exemplare. Davon können linke Zeitungen nur träumen – würden doch viele Macher gerne mehr Menschen mit ihren Inhalten erreichen. Paradoxerweise trägt jedoch gerade dieser Wunsch dazu bei, dass sich linke Zeitungen am Kiosk schlecht verkaufen lassen ja sogar schlecht verschenken lassen. (mehr…)

Die erschütterte Sicherheit

Erdbeben sind auch hierzulande für die AKWs eine Gefahr. Das Umweltministerium wiegelt aber lieber ab, um den Pro-Atom-Kurs der Regierung nicht zu gefährden.

von Felix Werdermann

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Mit Spaß und Freude gegen die Atomkraft – so hatten sich Umweltschützer die Menschenkette zwischen Stuttgart und dem Atomkraftwerk Neckarwestheim vorgestellt, zu der für den heutigen Samstag tausende Teilnehmer erwartet werden. Doch nun werden die meisten wohl eher besorgt um die Situation in Japan alle paar Minuten einen Blick auf ihr Smartphone werfen, Freunde anrufen oder gespannt den Durchsagen während der Anti-Atom-Demonstration zuhören.

Wie auch immer die Vorgänge im japanischen Fukushima ausgehen werden: In den nächsten Tagen werden die deutschen Kraftwerksbetreiber beteuern, hierzulande könne so etwas nicht gesehen. Und damit haben sie zum Teil auch recht: Der exakte Ereignisverlauf wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen. Dennoch: Die Erdbebengefahr ist auch in Deutschland ein Problem für die Reaktoren. (mehr…)

Netz, du hast die Zeit gestohlen!

Einige Thesen zu Risiken und Nebenwirkungen des permanenten Internetkonsums

zusammengestellt von Felix Werdermann auf Grundlage eines Vortrags von Timo Luthmann

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Frequently Asked Questions (FAQ)

1. Was hat es mit der „Aufmerksamkeitsökonomie“ auf sich?

Aufmerksamkeit ist heute eine der wichtigsten Ressourcen. Sie ist aber auch begrenzt, deshalb müssen wir mit ihr wirtschaften. Dies sollte möglichst bewusst geschehen.


2. Wodurch zeichnet sich die „neue Aufmerksamkeitsökonomie“ aus?

Wir sind ständig online, werden mit Informationen überflutet. Der „Steinzeitreflex“ sorgt trotzdem dafür, dass sich unser Körper für jede neue Information selbst belohnt. Multitasking wird immer wichtiger, obwohl sich unser Gehirn immer nur auf eine Sache konzentrieren kann. Weil die Gedanken sprunghaft wechseln, geht viel Zeit verloren. (mehr…)

Das Geschäft mit dem Ausspähen

Eine britische Firma bot Mubaraks Regierung Software zum Ausspähen ihrer Kritiker an. Blogger fordern nun, den Handel mit Trojanern wie Rüstungsexporte zu beschränken

von Felix Werdermann

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Ein Geheimdienst ohne Geheimnisse – für jede Diktatur dürfte das ein Albtraum sein. Die Demokratiebewegung in Ägypten lässt diesen Traum gerade Realität werden. Nachdem das Gebäude der Staatssicherheit gestürmt wurde, haben Aktivisten zahlreiche Dokumente ins Internet gestellt. Mit dabei ist auch ein Verkaufsangebot aus dem Juni 2010 über eine Ausspäh-Software mit dem Namen Finfisher.

Ein britisches Unternehmen wollte der ägyptischen Diktatur beim Aushorchen der Regimekritiker helfen. Gamma International UK Limited heißt es und sitzt im englischen Andover. (Zusatz vom 11.03.2011, 17.15 Uhr: Zunächst hatten mehrere deutsche Webseiten wie tagesschau.de und auch der Freitag gemeldet, es handle sich um die Gamma International GmbH mit Firmensitz in München. Die Rechtsanwaltskanzlei Schertz & Bergmann, die die Gamma International GmbH vertritt, stellte klar, dass es sich um zwei rechtlich unabhängige Firmen handelt. Allerdings treten die beiden Firmen auf einer Webseite gemeinsam auf – beim Kontaktformular für Fragen zur Ausspäh-Software Finfinisher.) (mehr…)