Energie muss teurer werden!

Die Preise sollten die ökologische Wahrheit sprechen, damit die Menschen sparsam mit Energie umgehen. Und als Argument gegen den Atomausstieg eignen sich hohe Stromkosten sowieso nicht.

Ein Kommentar von Felix Werdermann

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Es scheint fast so, als wollte sich das Statistische Bundesamt in die Atomausstiegsdebatte einmischen. Heute wurden Zahlen veröffentlicht, die zeigen: Die Energiepreise sind innerhalb des letzten Jahres um mehr als ein Zehntel gestiegen, die Strompreise immerhin um 7,6 Prozent. Das spielt den Gegnern eines zügigen Atomausstiegs in die Hände – zu Unrecht. Denn Energie ist heute viel zu billig.

Die Kosten eines Atomunfalls oder der Endlagerung des strahlenden Mülls sind in den Preisen ebenso wenig berücksichtigt wie die Kosten für die Folgen des Klimawandels. Die realen Preise müssen sich der ökologischen Wahrheit anpassen, denn nur dann gehen die Menschen sparsam mit Energie um.

Natürlich soll niemand frieren oder nachts Kerzen anzünden müssen. Dafür braucht es eine ausreichende soziale Grundsicherung. Ansonsten ist aber zumindest in Deutschland nicht der Mangel ein Problem, sondern der Überfluss. Die Deutsche Energieagentur schreibt, dass sich der Stromverbrauch durch einen kostenlosen Energiesparcheck mal eben um ein Viertel reduzieren lasse. Er liegt derzeit also deutlich über dem Notwendigen.

Den Atomlobbyisten gehen die Argumente aus

Mittlerweile möchten nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Greenpeace und Co. einen schnelleren Atomausstieg, sondern auch das Bundesumweltministerium und sogar der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Den Atomlobbyisten entgleiten aber nicht nur die Verbündeten, sondern auch immer stärker die Argumente. Atomenergie ist nötig als Brückentechnik? Als die ältesten Reaktoren abgeschaltet wurden, ging kein einziges Licht aus!

Nun sollen die Atomkraftwerke mit dem Kostenargument gerettet werden. Dabei ist überhaupt nicht sicher abzuschätzen, wie sich die Strompreise durch einen schnelleren Atomausstieg entwickeln werden. Einerseits sind die Herstellungskosten von Atomstrom sehr gering, und die Reaktoren stehen schon. Andererseits stärkt Atomkraft die Quasi-Monopolmacht der großen Energiekonzerne und das treibt die Preise in die Höhe. Mit den Atomanlagen streichen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW seit Jahren Millionenprofite ein und festigen ihre Stellung.

Wenn die Atomdebatte nun schon auf eine Kostenfrage reduziert wird, dann sollte zumindest angemerkt werden, dass Atomstrom vielfach teurer wäre als Ökostrom – wenn bloß mögliche Schäden versichert würden. Und so mutet es schon komisch an, dass selbst die SPD, die sich zu Zeiten der Laufzeitverlängerung noch als radikale Anti-Atom-Partei gegeben hat, inzwischen vor einem „übereilten“ Ausstieg warnt. Denn „wirtschaftlich vertretbar“ – wie sich SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider die Energiepolitik wünscht – wäre einzig der sofortige Atomausstieg.

Originalquelle: klimaretter.info

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