Studium nur noch für die Elite

Ein Kommentar von Felix Werdermann

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Auf den ersten Blick erscheint ein Stipendium als etwas Tolles: Man wird einmal angenommen und erhält über Jahre hinweg finanzielle Unterstützung – quasi ohne Gegenleistung, man studiert eben. Sich bei einer der staatlich anerkannten Stiftungen zu bewerben, ist immer ein guter Rat. Nur: Was den Einzelnen freut, ist für die Studierendenschaft insgesamt fatal.

Denn das Stipendium ist Teil eines Prinzips, das auf Exzellenz für wenige setzt und auf schlechtes Mittelmaß für viele. Das Stipendium verstärkt soziale Ungleichheiten, weil nachgewiesenermaßen vor allem Studierende aus akademischen und wohlhabenden Elternhäusern davon profitieren, die eine Unterstützung eigentlich gar nicht nötig hätten. Arbeiterkinder sind auf das Bafög angewiesen, aber der Satz wird kaum angehoben. Der Zusammenhang ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich: Wenn der Bund (immer mehr) Millionen Euros in Stipendien steckt, bleibt kein Geld für die Bafög-Erhöhung übrig.

Mit den Studiengebühren verhält es sich ähnlich: Die knappen Kassen der Universitäten müssen als Begründung herhalten, dabei könnte die Situation ganz anders aussehen – wenn das entsprechende Geld nicht zur Elitenförderung ausgegeben würde, sondern den Hochschulen zugute käme. Gleichzeitig wird als Argument in der Debatte um Studiengebühren angeführt, dass die begabte aber mittellose Studentin ihr Minus doch durch ein Stipendium ausgleichen könne.

Das besonders Perfide aber ist: Das Stipendium kommt als Geschenk daher, genießt einen guten Ruf und hat kaum Kritiker. Die haben zudem noch schnell den Ruf des enttäuschten Neiders. Dass ein Stipendium Geld kostet, das an anderer Stelle fehlt – das wird vergessen, verdrängt oder schlicht verleugnet.

Originalquelle: stadtstudenten.de

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2 Antworten auf “Studium nur noch für die Elite”


  1. 1 Pepe 29. Mai 2011 um 19:27 Uhr

    quasi ohne Gegenleistung?
    die Gegenleistung ist schon die gute Leistung die die Stipendiaten gebracht haben. Und ich finde Stipendium total Fair! Wer sich Müht gibt, bekommt man eine Chance, egal ob man arm oder reich ist! Meinst du die reichen Studenten brauchen nicht zu bemühen?

  2. 2 Administrator 29. Mai 2011 um 21:06 Uhr

    Ok, wenn die gute Leistung die Gegenleistung für das Stipendium ist, warum kriegen dann nicht alle anderen auch ein Stipendium? Oder sind die Stipendiaten die einzigen, die eine gute Leistung erbringen?

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