Keine Diskussion über die Energiepolitik

In ganz Deutschland wird über die Zukunft der Atomkraft diskutiert, nur nicht auf der Jahrestagung des Deutschen Atomforums. Der Dachverband der Atomindustrie hat den politischen Teil der Konferenz abgesagt – zumindest vorläufig.

Von Felix Werdermann

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Bereits vor einigen Tagen jubelten Atomkraftgegner: Beim Treffen der Atomlobbyisten fallen große Teile des Programms aus. Zunächst hieß es, die Eröffnung am Montagabend sei abgesagt worden, später wurde bekannt, dass auch der politische Teil am Dienstagvormittag nicht wie geplant stattfindet.

Nun ist ein Streit um die richtige Interpretation entbrannt. Während die Organisatoren vom Atomforum auf die unklare Zukunft der Atompolitik verweisen, sehen Atomkraftgegner das gekürzte Programm als Folge der seit Wochen angekündigten Proteste.

Bei einer Diskussion über die Energiepolitik würde »beim gegenwärtigen Entscheidungsstand der Politik vieles im Bereich der Spekulation liegen«, sagt Maik Luckow, Sprecher des Atomforums. »Deswegen haben wir entschieden, uns auf den technischen Teil zu fokussieren.« Die politische Diskussion solle aber nachgeholt werden, vermutlich im Herbst. Sie sei »verschoben, nicht abgesagt«.

Die Jahrestagung beginnt nun erst um 14 Uhr statt um 9 Uhr. Ursprünglich standen mehrere politische Diskussionsrunden auf dem Dienstagsprogramm. Journalisten sollten über die »German Atomangst« reden, Wissenschaftler über die Bedeutung der Atomkraft für die deutsche Volkswirtschaft. Eingeladen waren unter anderem der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, sowie Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Nun wird es am Nachmittag stattdessen eine aktuelle Stunde geben zu »Fukushima – technisch betrachtet«.

Auch die für Montag geplante Vorabendveranstaltung findet nicht statt. Angekündigt war der »Zukunftsexperte« Lars Thomsen von der Beratungsfirma »Future Matters«. Er sollte über »die nächsten 520 Wochen in der Energieversorgung« reden. Heute traut man das Thomsen offenbar nicht mehr zu. Atomforumssprecher Luckow sagt: »Heute kann kein Zukunftsforscher behaupten: Ich weiß genau, wie die Energiepolitik in den nächsten zehn Jahren aussieht.«

Einige Atomkraftgegner verbuchen das neue Programm jedoch als ihren Erfolg. Die Begründung des Atomforums halten sie für vorgeschoben. »Das klingt an den Haaren herbeigezogen«, sagt etwa Sonja Schubert von der Berliner Vollversammlung. Ursache für das gekürzte Tagungsprogramm könne nur der Protest gegen die Konferenz sein. Seit Wochen mobilisieren Atomkraftgegner zu Aktionen, einige Aktivisten wollen den Zugang zum Konferenzort blockieren.

Journalisten dürfen indes über die Jahrestagung berichten. Jeder Medienvertreter mit Presseausweis könne sich für die Veranstaltung akkreditieren, versichert Luckow vom Atomforum. Im Vorfeld hatte die beauftragte Kongressagentur einigen Journalisten eine Absage geschickt. Darin heißt es, »dass sich der Veranstalter aufgrund der aktuellen Situation gegen die Akkreditierung von Journalisten zur Tagung ausgesprochen« habe. Das Atomforum widerspricht dem heute. Die Agentur habe möglicherweise etwas falsch verstanden.

Originalquelle: neues-deutschland.de

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