„Das Wichtigste ist die Forschung“

Interview mit Heinz-Rudolf Meißner, Mitarbeiter am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, über die Zukunft von Elektroautos und die Politik der Bundesregierung.

Von Felix Werdermann

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ND: Herr Meißner, die Bundesregierung möchte Ihren Beitrag zur Batterieforschung für Elektroautos verdoppeln. Ist das der richtige Weg?
Meißner:
Das denke ich schon. Bis zum Jahr 2020 möchte die Bundesregierung eine Million elektrische Fahrzeuge auf die Straße bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte sich der Staat auch an den Forschungskosten beteiligen.

Welche Instrumente sind denn am besten geeignet, um die Elektromobilität zu fördern?
Das Wichtigste ist die Beteiligung an der Forschung. Darüber hinaus wird es aber auch notwendig sein, Anreize für den Markt zu geben, damit die angepeilte Stückzahl der Wagen erreicht wird.

Welche Anreize kommen da in Frage?
Eine Erleichterung bei der Kfz-Steuer etwa, im Gespräch sind aber auch nicht-monetäre Ansätze. So könnte es in Zukunft Extraparkplätze für Elektroautos geben, gegebenenfalls mit Ladesäule. Zur Diskussion steht auch, ob die Fahrzeuge die Busspur mitnutzen dürfen oder das gleiche Nummernschild wie das des Erstwagens haben. Dadurch spart der Besitzer Kosten.

Wie realistisch ist es, dass solche nicht-finanziellen Vorteile für Elektrofahrzeuge kommen werden?
Die Bundesregierung möchte das durchsetzen, aber die Länder können da auch mitreden. Ob die bereit sind, solche Maßnahmen mitzutragen, wird man sehen müssen, ich bin aber optimistisch. In Berlin ist zum Beispiel der Wirtschaftssenator Harald Wolf sehr aufgeschlossen. Er hat die Förderung von Elektromobilität selbst auf der Agenda.

Was ist mit einer Kaufprämie für Elektroautos, die derzeit von den Grünen favorisiert wird?
Die Grünen sind da in guter Gesellschaft mit Dieter Zetsche, dem Vorstandsvorsitzenden vom Autobauer Daimler. Die Nationale Plattform Elektromobilität, ein Beratungsgremium der Bundesregierung, hält aber nichts davon. Und auch die Regierung selbst hat schon früh klargemacht, dass es keine Kaufprämie geben wird. Insofern ist das eine Scheindiskussion – zumindest jetzt.

Könnte sich das ändern?
Die Politik wird die Marktentwicklung genau beobachten und gegebenenfalls nachlegen.

Also könnte eine Kaufprämie doch noch kommen?
Das ist nicht ausgeschlossen. Man versucht natürlich, erstmal ohne auszukommen.

Wann wird das Elektroauto denn marktreif?

Das wird etwa ab dem Jahr 2014 sein. Da werden vor allem Flottenbetreiber und technologiebegeisterte Privatpersonen die Abnehmer sein. Ab 2020 wird der Kundenkreis ein bisschen breiter werden. Dann kosten die Autos nicht mehr so viel und es gibt eine bessere Aufladeinfrastruktur.

Originalquelle: neues-deutschland.de

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