RWE unterstützt Anti-Atom-Clips

Auf der Seite der Jugendzeitung „Spiesser“ finden sich Werbeclips von Atomkraftgegnern, „in Zusammenarbeit mit RWE“, dem Energieriesen aus Essen. Wie konnte das passieren?

Von Felix Werdermann

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Der Kampf gegen die Kernenergie ist endgültig gewonnen! Nein, Frau Merkel hat den Ausstieg nicht auf das Jahr 2015 vorgezogen. Und Greenpeace stellt auch nicht den Bundeskanzler. Auch das Deutsche Atomforum (der Lobbyverband der Nuklearindustrie) hat noch nicht Konkurs angemeldet. Aber: Der Stromkonzern RWE unterstützt nun Werbevideos von Atomkraftgegnern.

„Die 5 besten Anti-Atom-Flashmobs auf Youtube“ ist der Blogeintrag überschreiben, der auf der Internetseite der Jugendzeitung „Spiesser“ veröffentlicht wurde. Und darunter: „Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit RWE.“ Unterwandert der Energieriese aus Essen nun die Anti-AKW-Bewegung? Oder ist er zur Einsicht gelangt, dass die Kernenergienutzung unverantwortlich ist?

Vor dem Kölner Dom schreien Dutzende Menschen, rennen über den Platz, fallen um. Dann Lautsprecherdurchsagen: „Abschalten sofort!“ Und: „Sicher ist nur das Risiko!“ So sieht die Aktion der Umweltschützer aus, die auf Youtube festgehalten wurde und nun mit RWE-Hilfe verbreitet wird. Interessant: Bei den anderen vier Videos fehlt der Hinweis auf RWE, die Aktionen fanden statt in Städten außerhalb des Hauptverbreitungsgebiets von RWE. Zufall?!?

Schon bei der letzten Aktionärsversammlung hatte Konzernchef Jürgen Grossmann von dem „erfolgreichen Abschalten Ihrer RWE“ gesprochen – und sich später dann doch noch für das „erfolgreiche Abschneiden Ihrer RWE“ umentschieden.

Dabei hatte es doch nach Fukushima gar nicht danach ausgesehen: Wenige Tage danach sagte Grossmann: „Ich habe viel über die Kernenergie nachgedacht. Sie ist verantwortbar, wenn sie höchsten Sicherheitskriterien – wie in Deutschland – genügt.“ Dann wollte RWE auch noch gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung klagen.

Und nun? Unterstützt RWE mehrere Blogeinträge bei Spiesser. Bei den Jugendlichen kommt das allerdings nicht immer so gut an. „Ich hoffe, die Zusammenarbeit mir RWE ist zeitlich begrenzt“, schreibt jemand. In der gedruckten Ausgabe schaltet RWE übrigens des öfteren Werbung mit (etwas tendenziösen) „Informationen“ über Atomkraft oder auch erneuerbare Energien. Dass jetzt auch atomkraftkritische Beiträge unterstützt werden, passt doch endlich mal ganz gut zum RWE-Slogan: „VoRWEg gehen“.

Originalquelle: freitag.de

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