Religiöses Nudelsieb

In Österreich sind auf Passbildern nur religiöse Kopfbedeckungen zugelassen. Das kann auch mal ein Nudelsieb sein. Nun suchen Kirchenkritiker das kreativste Portraitfoto

Von Felix Werdermann

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Drei Jahre hat es gedauert, jetzt ist es amtlich: Das Verkehrsamt der Bundespolizeidirektion Wien akzeptiert ein Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung. Niko Alm hatte sich für sein Führerschein-Foto mit Nudelsieb ablichten lassen. Nun hat er seinen Ausweis bekommen.

In Österreich gelten für Passfotos nämlich besondere Vorschriften: „Kopfbedeckungen sind nicht erlaubt, Ausnahmen sind aus religiösen Gründen zulässig“, ist auf der Internetseite passbildkriterien.at nachzulesen. Niko Alm ist Atheist und bekennender Anhänger der Spaßreligion „Pastafarianismus“. Alm verehrt daher das Fliegende Spaghettimonster als höchste Gottheit. Ein Nudelsieb auf dem Kopf ist Ausdruck seiner tiefen Gläubigkeit.

Die Behörden haben das nicht gleich verstanden, wie aus Presseberichten hervorgeht. Nach seinem Führerschein-Antrag wurde Alm telefonisch informiert, dass solch ein Foto nicht möglich sei. Der Atheist wollte einen schriftlichen Bescheid, daraufhin bekam er eine Ladung zum Amtsarzt. Dieser bestätigte ihm, dass er „psychisch befähigt“ sei, ein Auto zu fahren.

Wettbewerb sucht kreativste Kopfbedeckung

Nach dem erfolgreichen Coup des Kirchenkritikers Alm haben die Initiatoren des geplanten österreichischen „Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien“ einen Wettbewerb ausgeschrieben: Gesucht wird die „kreativste konfessionelle Kopfbedeckung“. Es müsse „gleiches Recht für alle“ gelten, schreiben die Initiatoren, zu denen auch Alm gehört, ebenfalls „für die vielen kleinen, privaten und nicht anerkannten Glaubensgemeinschaften.“

Bis zum Montag, den 25. Juli können Bewerber ihr Foto einschicken, zu gewinnen gibt es eine Flugreise nach Kuba. Neben dem Bild muss allerdings auch eine „Kurzbeschreibung der zentralen religiösen Inhalte des jeweiligen Glaubens“ eingereicht werden. Die besten Portraits sollen auf der Internetseite der Initiative veröffentlicht werden. Mitmachen können auch Nicht-Österreicher, erklärte die Initiative gegenüber dem Freitag.

Über 10 Millionen Gläubige

Die Spaßreligion „Pastafarianismus“ wurde 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson gegründet, der auch als Prophet der Religion gilt. Die Anhänger glauben an einen Biervulkan und eine Stripper-Fabrik im Himel. Der heiligste Feiertag ist der Freitag, der jede Woche stattfindet. Nach Angaben der „Ersten Vereinigten Kirche des fliegenden Spaghettimonsters in Deutschland“ leben weltweit mehr als 10 Millionen Menschen diesen Glauben.

Eine der Thesen lautet, dass die sinkende Anzahl von Piraten seit Anfang des 19. Jahrhunderts verantwortlich für die Erderwärmung sei. Der Beweis: Somalia hat die höchste Piraten-Dichte und zugleich den geringsten Kohlendioxid-Ausstoß.

Nachtrag: Inzwischen hat die Polizeidirektion Wien Stellung zu der Angelegenheit genommen. Pressesprecher Manfred Reinthaler erklärte gegenüber religion.ORF.at: „Dieses Foto wurde nicht aus religiösen Gründen genehmigt. Bei Lichtbildern für den Führerschein ist das einzige Kriterium, dass das ganze Gesicht erkennbar sein muss.“ Die Sonderregel für religiöse Kopfbedeckungen, so Reinthaler, sei nur bei der Beantragung eines Reisepasses notwendig. ckä

Originalquelle: freitag.de

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