Wo ist die Atomrenaissance?

Deutschlands Ausstieg ein Sonderweg? Weltweit werden zwar viele Atomkraftwerke geplant, trotzdem gehen letztlich nur wenige ans Netz. Die Anzahl der AKW wird vermutlich sinken

Von Felix Werdermann

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Geplant wird viel, gebaut recht wenig: Die weltweite Situation der Atomkraft sieht zwar nicht schlecht aus, aber auch nicht richtig gut. 68 neue Atomreaktoren sind derzeit weltweit geplant, heißt es beim Dachverband der Nuklearindustrie, der World Nuclear Association (WNA). Alleine 28 der 68 Planungen kommen aus China. Gebaut werden laut WNA insgesamt 61 Kraftwerksblöcke, auch hier ist China mit 27 Baustellen gut dabei.

Was die Statistik nicht sagt: An vielen der aufgelisteten Orte wird schon seit vielen Jahre gearbeitet – oder das anvisierte Kraftwerk wird zumindest als „im Bau befindlich“ deklariert. Höhepunkt ist in dieser Hinsicht der US-Reaktor Watts Bar-2, der seit 1972, also seit fast 40 Jahren gebaut wird. Zwischenzeitlich wurden die Bauarbeiten zwar unterbrochen, seit knapp vier Jahren wird aber weitergebaut und die Anlage ist noch immer nicht fertiggestellt. Auch bei vielen anderen Projekten ist fraglich, ob diese jemals beendet werden. Umweltschützer halten das Gerede von einer „Renaissance der Atomenergie“ daher für übertrieben.

In Zukunft mehr Stilllegungen

Die Zahlen der letzten Jahre zeigen: Seit 2008 sind laut WNA gerade mal sechs Reaktoren ans Netz gegangen, neun wurden im gleichen Zeitraum abge­schaltet. Der deutsche Atomausstieg ist dabei noch nicht berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft deutlich mehr Anlagen stillgelegt werden. In den nächsten zehn Jahren erreichen nämlich 124 Reaktoren ein Alter von 40 Jahren, das von vielen Experten als Obergrenze angesehen wird. Die deutschen Atomkraftwerke wurden beispielsweise so gebaut, dass sie während einer 40-jährigen Laufzeit sicher sein sollen.

In Europa ist von einer Atomrenaissance wenig zu sehen: Nur Frankreich und Finnland bauen je einen Reaktor, die Slowakei zwei neue Kraftwerksbklöcke. Die Baustellen in Frankreich und Finnland geraten immer wieder in die Schlagzeilen, weil sich die Bauarbeiten verzögern und die Kosten explodieren. In anderen Ländern Europas gibt es bislang nur Pläne: Laut WNA wollen Türkei, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Frankreich und Großbritannien weitere Atomkraftwerke bauen.

Originalquelle: freitag.de

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