Spendengala jetzt auch online

Über das Internet an einem Tag 100.000 Euro für Somalia sammeln? Auch Fundraising muss mit der Zeit gehen. Deshalb imitiert man online eine TV-Spendengala

Von Felix Werdermann

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Das Fundraising muss mit der Zeit gehen. Die Dürrekatastrophe in Somalia und die Bilder der hungernden Kinder bewegen so viele Internet-Nutzer, dass die Spendino GmbH, eine auf digitales Spendensammeln spezialisierte Firma, zusammen mit anderen Unternehmen eine Online-Spendengala startete. Am vergangenen Dienstag sollten innerhalb von 24 Stunden über soziale Netzwerke 100.000 Euro eingesammelt werden, nach Angaben von Spendino erstmals auf diese Weise in Deutschland.

Auf der Kampagnenseite ein-tag.org kann der aktuelle Spendenstand an einem Balken abgelesen werden. Am Ende des Tages stand er allerdings bei nur knapp 13.000 Euro. Das Mitverfolgen in Echtzeit erinnert – wohl nicht ganz zufällig – an Spendengalas im Fernsehen, nur fehlen die Prominenten. Trotzdem gilt das Prinzip: Tue was Gutes und zeige es. Werden im Fernsehen die Unterstützer mit der Spendensumme eingeblendet, kann man sich nun online bei Facebook damit brüsten.

Gerät Somalia dann aber nach einem Tag wieder in Vergessenheit? Nicht unbedingt. Über die Fanseite ist es den Organisatoren möglich, die Spender weiterhin zu informieren. So könnte aus einem ersten Hilfsreflex – getrieben vom schlechten Gewissen, dass man sich immer erst damit beschäftigt, wenn es eigentlich zu spät ist und Menschen sterben – dauerhaftes Interesse werden. Das wäre dringend nötig. Schließlich ist die Hungersnot keine unvermeidbare Katastrophe, die unerwartet über den Osten Afrikas hereingebrochen ist, sondern Ergebnis einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung.

Peinliche Kommentare

Auf der Fanseite wurde dann auch ein Youtube-Video über die Ursachen des Hungers verlinkt. Ansonsten sind die Kommentare aber bisher unpolitisch, teils in ihrem unreflektierten Hilfsbemühen sogar eher peinlich. Höhepunkt ist eine Umfrage: Warum sollte jeder spenden? Mögliche Antworten: „Weil jedes Menschenleben wertvoll ist“ oder: „weil Hunger in unserer Überflussgesellschaft nicht sein darf“.

Getoppt werden solche Umfragen noch von einer anderen Aktion: Drei Menschen haben zu einem „Twitter-Schweigetag“ aufgerufen. 24 Stunden lang sollen keine Kurznachrichten versendet werden – um der Toten in Somalia, Syrien und Norwegen zu gedenken. Die Opfer von Hunger, politischer Unterdrückung und Rechtsterrorismus werden mal eben in einen Topf geworfen, grotesk. Zudem versteht die Aktion das Netz nicht: Im Offline-Leben würde man Schweigen wohl bemerken, im Internet geht es im allgemeinen Weiter-Gezwitscher unter.

Originalquelle: freitag.de

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