Telefonbuch für Linke

Haben Alternativmedien eine Zukunft? Besonders linke Zeitungen geraten durch die Konkurrenz aus dem Internet unter Druck. Doch es gibt sie noch immer – und zwar nicht wenige. Über 650 werden im „Handbuch Alternativmedien 2011/2012“ aufgeführt.

Von Felix Werdermann

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Direkt zu Beginn räumen die Herausgeber ein: »Unzweifelhaft gibt es einen Bedeutungsschwund gedruckter Medien.« Immer mehr Menschen informieren sich im Internet, die großen kommerziellen Verlage fürchten um Anzeigengelder. Die Alternativmedien kommen aber anscheinend ganz gut weg. Das »Handbuch Alternativmedien 2011/2012« listet 472 Printmedien in Deutschland auf, hinzu kommen 89 aus Österreich und 104 Zeitungen oder Zeitschriften, die in der Schweiz erscheinen.

Es ist eine Art Telefonbuch für linke Leseratten. Hier findet man schnell Zeitungen und Zeitschriften zu bestimmten Themen wie Atomkraft, Antifaschismus oder Friedenspolitik. Es gibt aber auch eine Liste, in der die Titel nach Erscheinungsort sortiert sind. Manchmal kann es schließlich ganz interessant sein, welche Zeitung im Nachbarort produziert wird – von der man womöglich noch gar nichts weiß.

Und wann gelten Medien als alternativ? Auf diese Frage gibt das Buch keine eindeutige Antwort, sondern die theoretischen Beiträge liefern mehrere unterschiedliche Definitionen. Die Kommunikationswissenschaftlerin Marisol Sandoval nennt drei Kriterien, die auf ein idealtypisches Alternativmedium zutreffen: Die Zeitung wird nicht-kommerziell hergestellt; es fehlt eine klare Trennung zwischen wenigen Medienmachern und vielen passiven Konsumenten; und es werden herrschaftskritische Inhalte verbreitet. Sie schränkt jedoch ein: »In Anbetracht der Bedingungen, unter denen alternative Medienprojekte existieren müssen und die häufig Ursache für einen massiven Mangel an finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen sind, ist ein solches Idealmodell kaum, oder nur auf Kosten von regelmäßigem Erscheinen, Qualität der Berichterstattung und öffentlicher Sichtbarkeit zu realisieren.« Wenn es den Machern darum geht, möglichst viele Menschen zu erreichen, könnten sie »sogar bestimmte Mechanismen des kommerziellen Mainstreams zunutze machen, um ihre eigenen Anliegen zu fördern«, etwa durch Werbefinanzierung oder »professionelle Organisationsstrukturen«. Deswegen solle allein der herrschaftskritische Inhalt Mindestkriterium für Alternativmedien sein.

Handbuch Alternativmedien 2011/2012. AG SPAK Bücher, Neu-Ulm 2011. 279 Seiten, 22 Euro. www.alternativmedien.org.

Originalquelle: neues-deutschland.de

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