Archiv für Juli 2013

Der dritte Weg

In dem Buch „Rotes Grün“ plädiert Hans Thie für mehr Kapitalismuskritik in der Ökoszene und mehr Umweltbewusstsein in der Linken

Von Felix Werdermann

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Was haben Wikipedia, Carsharing und das Erneuerbare-Energien-Gesetz gemeinsam? Es sind Projekte von heute für eine Wirtschaft von morgen. In einer Welt mit endlichen Ressourcen müssen sich Ökonomie und Ökologie versöhnen – das ist inzwischen im politischen Mainstream angekommen. Streit gibt es hingegen über die Frage, wie das konkret aussehen soll.

In der Regel stehen sich zwei Lager gegenüber: Die einen wollen die Marktwirtschaft begrünen, setzen auf technische Lösungen und politische Vorgaben. Die anderen sehen die Ursache der Umweltzerstörung im Kapitalismus, hoffen auf ein anderes Wirtschaftssystem und darauf, dass dann alles besser wird. Die Ökologie gilt als „Nebenwiderspruch“, auch wenn dieser Begriff kaum noch verwendet wird. Aber es gibt einen erfrischenden dritten Weg, der die ökologische Herausforderung ernst nimmt und gerade deswegen das herrschende Wirtschaftssystem und seine Ideologie infrage stellt. (mehr…)

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Zwei Whistleblower erzählen

Was passiert mit Menschen, nachdem sie Geheimnisse an die Öffentlichkeit bringen? Wie fühlen sie sich, wie kämpfen sie? Inge Hannemann und Guido Strack berichten

Von Felix Werdermann

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Inge Hannemann

Die heute 45-Jährige hat in verschiedenen Jobcentern, zuletzt in Hamburg-Altona, gearbeitet und öffentlich auf Missstände wie ungerechtfertigte Leistungskürzungen hingewiesen. Im vergangenen April wurde sie freigestellt und klagt nun auf Weiterbeschäftigung.

„Ich hätte viel früher an die Öffentlichkeit gehen sollen. Seit 2005 habe ich das System beobachtet und festgestellt, wir belügen Millionen von Menschen. Die Erwerbslosen haben das immer geahnt, aber jetzt wissen sie es: In den Jobcentern herrscht die gewollte Willkür. (mehr…)

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Eine Bananen-Truppe

Ein Werbespot der Bundeswehr zeigt unverhohlen, dass Soldaten für nationale Wirtschaftsinteressen und Bananen-Import kämpfen. Friedensaktivisten kündigen ein „Blutbad“ an

Von Felix Werdermann

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Das kommt auch nicht alle Tage vor: Kriegsgegner haben für den Samstag „bei der Berliner Polizei ein Blutbad angekündigt“. Grund ist das Bundeswehr-Gelöbnis, bei dem neue Rekruten feierlich ihren Diensteid ablegen. Das Blutbad sei „die passendste Form, den jungen Rekruten ihre künftigen Aufgaben vor Augen zu halten“, heißt es in einer Mitteilung der Friedensorganisation DFG-VK Berlin/Brandenburg. Es wird aber noch ein weiterer Grund für die Protestaktion genannt: Ein neues Werbevideo der Bundeswehr.

Der knapp zweiminütige Spot könnte fast Satire sein, ist aber offenbar ernst gemeint. Die Bundeswehr schützt unsere Bananen. Zu sehen sind eine Frau und ein Kind im deutschen Supermarkt (der Mann ist schließlich am Horn von Afrika unterwegs), vor ihnen ein leeres Regal und – damit es auch der letzte Trottel versteht – ein Schild mit der nicht gerade supermarkt-typischen Aufschrift: „Heute keine Bananen!“ (mehr…)

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„Die Empörung ist geheuchelt“

Der Piraten-Chef Bernd Schlömer redet über die veränderte Wahrnehmung des Internets, die Möglichkeiten der E-Mail-Verschlüsselung und den Sinn von Geheimdiensten

Von Felix Werdermann

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Eigentlich müssten sich die Piraten freuen. Der Skandal um die Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA könnte ihnen im Wahlkampf-Endspurt die nötigen Stimmen bringen. Die Partei steht schließlich für Internetkompetenz, Datenschutz und Bürgerrechte. Aber in den letzten Meinungsumfragen kommen sie auf gerade mal zwei bis drei Prozent. Der Parteivorsitzende Bernd Schlömer glaubt trotzdem an den Einzug in den Bundestag. (mehr…)

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Nach den Enthüllungen

Weil auch die Opposition den Konflikt mit den USA scheut, mutet die Diskussion in Deutschland merkwürdig an. Nötig wäre eine Debatte über den Sinn von Geheimdiensten

Von Felix Werdermann

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Irgendwie muss man dem US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA auch dankbar sein. Nicht unbedingt dafür, dass er die Diskussion über Datenschutz in Deutschland neu entfacht hat. Das ist zwar gut, aber der Preis war ungleich höher. Dankbar sollte man ihm sein für die Abhör-Aktionen gegen die diplomatischen Vertretungen und Botschaften verschiedener europäischer Länder und der EU. Das ist zwar nicht in Ordnung, hat aber zumindest die höchsten Politiker aufgescheucht. Nun sind Merkel und Co. selbst betroffen und nicht bloß die Bürger. (mehr…)

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Im Hirseschüssel-Ministerium

Es gibt wohl keine Behörde, die unter der FDP so gelitten hat wie das Entwicklungsministerium: Abschaffungspläne, Stellenvergabe nach Parteibuch, Kontrolle von NGOs

Von Felix Werdermann

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Im Entwicklungsministerium werden schon die Tage gezählt: „Viele Mitarbeiter warten nur noch auf den Regierungswechsel, um endlich wieder echte partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit leisten zu können“, sagt eine leitende Angestellte aus dem Zuständigkeitsbereich des Ministeriums. In rund 100 Tagen dürfte der Spuk zu Ende sein. Es gibt wohl kein Bundesministerium, das so stark unter der FDP-Regentschaft zu leiden hatte. (mehr…)

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Fast wie Gott

Das Klima ist nicht zu beneiden: Alle Politiker wollen es angeblich schützen. Nur leider gelingt das irgendwie nicht. Die Situation ist für das Klima dramatisch wie nie

Ein Porträt von Felix Werdermann

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Es war ein irrer Plan, und er ging auch noch schief. Zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Berlin sollte ein Artist in schwindelerregender Höhe auf einem Drahtseil balancieren und damit die „Gratwanderung der Menschheit zwischen Natur und technischer Entwicklung“ zeigen. 50 Meter hoch, ohne Sicherung. 620 Meter weit, vom Fernsehturm zum Dom. Es regnete und stürmte an dem Sonntagabend, der Artist stieg trotzdem aufs Seil, Tausende Menschen verfolgten das Spektakel. Doch dann kam er ins Straucheln, verlor die Balancierstange, konnte sich gerade noch mit den Händen am nassen Seil festhalten.

Die „Klimabalance“ ging glimpflich aus, aber was lernen wir daraus? Der Mensch kann die Gesetze der Natur nicht außer Kraft setzen, die Ökologie gibt den Rahmen menschlichen Handelns vor. Man kann die missglückte Performance aber auch als schlechtes Omen für die internationalen Klimaverhandlungen werten. Damals trafen sich die Diplomaten aus aller Welt in Berlin zur ersten Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Seitdem wird Jahr für Jahr verhandelt. Heute, 18 Jahre später, ist der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen so hoch wie nie zuvor. (mehr…)

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„Die Situation ist dramatisch“

Europas Jugendliche ohne Perspektive: Die Narben einer längeren Arbeitslosigkeit bleiben dauerhaft, sagt Alexander Herzog-Stein von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung

Von Felix Werdermann

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der Freitag: Herr Herzog-Stein, Sie sind Referatsleiter für Arbeitsmarktforschung am gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung. In den Zeitungen ist immer wieder zu lesen, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei über 50 Prozent liegt. Wenn man jedoch bedenkt, dass sich viele Jugendlichen in der Ausbildung befinden, schrumpft der Anteil der Jugendlichen, die eine Arbeit suchen, auf 20 bis 25 Prozent. Dramatisieren die Medien das Problem?
Alexander Herzog-Stein:
Nein. Man muss natürlich wissen, was eine Statistik aussagt. Die Arbeitslosenquote sagt klassisch: Wie viel Menschen ohne Stelle suchen eine Arbeit – gemessen an allen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Deswegen halte ich den Indikator auch für legitim. (mehr…)

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Aus den Augen, aus dem Sinn

Für Atommüll-Lagerung gilt die Ewigkeit als Maßstab. Aber wie macht man auf dieser verlässliche Politik? Selbst die Parteien haben zu wesentlichen Fragen keine klare Position

Von Felix Werdermann

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Ein Positionspapier stellt man sich eigentlich anders vor: eine klare Forderung, dazu eine Reihe an Argumenten zur Unterstützung der eigenen Position. Wenn sich die Grünen zur bestmöglichen Aufbewahrung von Atommüll positionieren, sieht das anders aus: „Alle vorstellbaren Varianten der Endlagerung haben Vor- und Nachteile“, heißt es in dem Papier. Seitenlang werden sowohl Argumente als auch Gegenargumente genannt. Es geht um die Frage: Sollten wir den Strahlenmüll verbuddeln und die Zugänge sicher verschließen, oder sollten wir die Abfälle zurückholen können, etwa bei neuen Erkenntnissen über eine (un)sichere Aufbewahrung?

Die Frage sprengt unser Vorstellungsvermögen. Es geht um eine Million Jahre, um eine Menschheitsaufgabe, die unmöglich zu lösen scheint. Und wir müssen uns für einen Umgang mit dem Strahlenmüll entscheiden, irgendwann. Aber wann? Jetzt direkt – oder warten wir ab? (mehr…)

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