Wen wählt mein Geldbeutel?

Beim Steuer-O-Mat können Bürger vergleichen, bei welchen Parteien sie am meisten Steuern sparen. Ein guter Grund für die Wahl ist das aber noch lange nicht

Von Felix Werdermann

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Geld regiert die Welt. Und manchmal auch die Wähler. Wer wissen möchte, für welche Partei sich der eigene Geldbeutel entscheiden würde, findet Hilfe im Internet: Unter steuer-o-mat.de können die Steuerpläne der Bundestagsparteien verglichen werden – ganz konkret auf die eigene Situation bezogen.

Das Durchklicken geht schneller als beim Wahl-O-Mat oder seinen Alternativen. Für den Finanzvergleich sind nur drei Fragen nötig. Verheiratet? Kinder? Bruttoeinkommen? Am Ende sieht man, wieviel Geld man bei den einzelnen Parteien spart – oder draufzahlt.

Welche Partei steckt dahinter? Alles ganz unabhängig: Ausgetüftelt wurde der Steuer-O-Mat von einer Firma, die ihr Geld mit einem Online-Angebot verdient, bei dem Bürger ihre Steuererklärung erstellen und abschicken können. Ein bisschen Eigen-PR im Wahlkampf – so ähnlich wie bei der Singlebörse ElitePartner, die eine Studie zu Sex und Parteipräferenz in Auftrag gegeben hat.

Nur die Überzeugung hilft

Nun also Aufklärung bei den Steuerplänen – das dürfte vor allem den Grünen zu Gute kommen, die damit werben, dass durch ihre Pläne 90 Prozent der Bürger entlastet würden (was übrigens auch schon durch die Faktenchecks von ZDF und Zeit Online bestätigt wurde). Interessanterweise haben die Grünen ihren eigenen Online-Steuerrechner. Er funktioniert ähnlich wie der Steuer-O-Mat, und liefert auch überraschend ähnliche Ergebnisse, obwohl er teilweise noch präziser ist (und zum Beispiel die Kirchensteuer einberechnen kann).

Helfen die Steuerrechner zur Bundestagswahl überhaupt? Untersucht werden schließlich nur die Wahlversprechen, am Ende entscheiden die Politiker womöglich ganz anders. Erinnert sei nur an die Erhöhung der Mehrwertsteuer: Die CDU wollte von 16 auf 18 Prozent, die SPD bei 16 Prozent bleiben – am Ende wurden es 19 Prozent.

In Wirklichkeit ist der Steuer-O-Mat ohnehin nur ein nettes Spielzeug. Wegen des Geldes lohnt es sich nicht zur Wahl zu gehen, auch nicht aus anderen egoistischen Gründen. Die Wahrscheinlichkeit, mit der eigenen Stimme den Unterschied zu machen (bei mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten) ist so gering, dass sich der Gang zum Wahllokal selbst bei gigantischen Steuervorteilen nicht rentiert. Bleibt also nur die politische Überzeugung. Und hoffentlich die Sonne am 22. September.

Originalquelle: freitag.de

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