Comeback? Nein Danke!

Großbritannien subventioniert den Bau neuer Atomreaktoren. Für diese Entscheidung gibt es nur zwei Worte: irrational und ideologisch. Wirtschaftlich ist die Atomkraft am Ende

Von Felix Werdermann

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Ideologie wird oft den Atomkraftgegnern vorgeworfen. Aber wenn man die Entscheidung Großbritanniens für den Bau zwei neuer Atomreaktoren beschreiben will, bleiben nur diese zwei Worte: irrational und ideologisch. Mit staatlichen Subventionen wird einer rückwärtsgewandten Energieform künstlich das Leben verlängert. Und das zu einer Zeit, in der die USA ihre bereits laufenden Reaktoren aus wirtschaftlichen Gründen wieder abschalten.

Die Atomkraft ist ökonomisch am Ende. Deswegen muss die Regierung Großbritanniens auch tief in die Tasche greifen: Für 65 Prozent der Baukosten sichert sie dem französischen Konzern EdF Kredite zu; für den Atomstrom garantiert sie 35 Jahre lang eine Einspeisevergütung von rund elf Cent pro Kilowattstunde, heute ist der Strom dort halb so teuer. Es kommt noch besser: Die Vergütung wird mit der Inflation angehoben, in diesen Genuss kommen nicht mal die deutschen Ökostrom-Produzenten.

Unrealistische Zeitpläne

Ob und wann im Südwesten Englands die zwei Reaktoren tatsächlich Strom liefern werden, ist jedoch ungewiss. Offiziell soll es in zehn Jahren so weit sein, doch ein Blick nach Finnland zeigt, wie unrealistisch solche Zeitpläne sind. Das dort geplante AKW ist eine Baustelle, immer wieder wurden die geschätzten Kosten erhöht, wurde der Termin der Fertigstellung verschoben. Weltweit sind zig Reaktoren „im Bau“, die meisten Vorhaben werden wohl irgendwann heimlich, still und leise begraben.

Viele Jahre galt: Neue Atomkraftwerke sind unrentabel, aber die laufenden werfen Gewinne in Milliardenhöhe ab – weil Brennstoffe günstig sind, wenig Personal benötigt wird und die hohen Baukosten abgeschrieben sind. Nun hat sich die Situation in den USA geändert: Mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Technik wird viel billiges Gas gefördert. Das lässt den Strompreis purzeln, die AKWs rentieren sich nicht mehr und werden stillgelegt.

Auch in Deutschland haben die Energiekonzerne schon mit dem Abschalten „gedroht“. Das Kalkül war jedoch klar: Sie wollen die Brennelementesteuer kippen, die im Zuge der schwarz-gelben Laufzeitverlängerung eingeführt worden war.

In Wirklichkeit ist die Nutzung der Atomkraft seit jeher ökonomischer Irrsinn: Bei einem Unfall ist der AKW-Betreiber sofort pleite, es gibt keine ordentliche Versicherung, die Kosten tragen wir alle. Und welche Summen für die Entsorgung des Strahlenmülls auf uns zukommen, weiß auch niemand.

Originalquelle: freitag.de

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