Ist eine nackte Männerbrust sexistisch?

Der Schlagzeuger einer Punkband zieht sein T-Shirt aus, schon wird das Konzert unterbrochen. Hätte der Musiker auf männliche Privilegien verzichten sollen?

Von Felix Werdermann

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Um das Konzert ranken sich inzwischen Legenden. Wurde die linke Punkband von der Bühne gedrängt oder ist sie freiwillig gegangen? Und durfte der Schlagzeuger nach der kurzen Unterbrechung sein T-Shirt dann doch noch ausziehen oder nicht? Sicher ist nur: Es gab jede Menge Streit beim Auftritt von Feine Sahne Fischfilet im autonomen Jugendzentrum von Bielefeld.

Ist ein nackter Männeroberkörper sexistisch? Schließlich können Frauen nicht so einfach ihre Brüste in der Öffentlichkeit zeigen. Müssen Männer daher auch zurückhaltender sein? War der Eklat gerechtfertigt, nachdem sich der Schlagzeuger sein T-Shirt vom Leib gerissen hatte?

Ein „antisexistischer Akt“?

Das feministische Blog maedchenmannschaft.net reagierte auf den Vorfall und empfahl den Männern, „auf Privilegien zu verzichten, solange sie nicht allen zuteilwerden“. Das sei „ein solidarischer – und in diesem Falle antisexistischer – Akt“. In der Tat sind Gesetzeslage und Rechtsprechung nicht gerade von Gleichberechtigung geprägt: Das „Zeigen“ der Brustwarzen (was normalerweise wahrscheinlich nicht als bewusstes Zeigen gedacht ist) kann bei Frauen als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, Männer jedoch dürfen das.

Im autonomen Zentrum aber hätte doch niemand die Polizei gerufen wegen eines nackten Frauenoberkörpers, oder? Das ist eine schlechte Ausrede, denn es geht nicht nur ums Rechtliche: Frauen müssen (selbst in linken Kreisen) mit dummen Sprüchen rechnen, wenn ihre Brüste zu sehen sind. Männer haben hier ein Privileg. Punkt.

Was nützt den Frauen?

Trotzdem ist es Quatsch, ihnen dieses Privileg nehmen zu wollen. Es geht nicht darum, dass dies „furchtbar ungerecht und unzumutbar“ wäre. Diese Empfindung unterstellt der feministische Blogeintrag den Kritikern. Es geht auch nicht darum, dass Punk alles können muss. Es geht schlicht darum, dass eine restriktive, prüde Oberkörperpolitik auch den Frauen nichts nützt.

Ich wäre als Mann doch nie auf den Gedanken gekommen, die Wehrpflicht für Frauen zu fordern. Der Zwang zum Militärdienst gehörte abgeschafft, für alle. Heute sollten wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass niemand vorgeschrieben bekommt, was er oder sie anzuziehen hat (oder eben nicht). Eifersucht auf die Männer hilft da nicht.

Wer das anders sieht, kann gerne den nächsten Urlaub auf Mallorca verbringen. In der Stadt Palma sind künftig nackte Oberkörper verboten, bei Männern und Frauen. Man sieht: Die Argumentation für bedeckte Männerbrüste bewegt sich eindeutig auf Ballermann-Niveau.

Originalquelle: freitag.de

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