„Keine vollkommen neutrale Weiterbildung“

In wenigen Tagen beginnt die Linke Medienakademie. Warum es Streit gab und was sich nun ändern wird, verrät Organisator Tilo Hejhal

Interview: Felix Werdermann

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der Freitag: Herr Hejhal, Sie organisieren die Linke Medienakademie, den deutschlandweit größten Kongress für linke Medienmacher. In knapp zwei Wochen geht es los, Sie rechnen mit 600 Teilnehmern. Warum wird die Akademie kleiner als im vergangenen Jahr?

Tilo Hejhal: Wir wollen uns nicht verzetteln. Die Qualität macht’s, nicht die Masse. Wir konzentrieren uns daher auf die Veranstaltungen mit besonders hoher Nachfrage. Außerdem wollten wir sicherstellen, dass der Verein jetzt ganz neu durchstarten kann.

Ende des vergangenen Jahres haben Sie den bisherigen Geschäftsführer Christoph Nitz geschasst, jetzt soll vieles anders werden. Was ist damals schief gelaufen?

Wir haben verabredet, nicht alle internen Probleme in die Öffentlichkeit zu tragen. Fakt ist aber, dass es Differenzen gab, insbesondere über die wirtschaftliche Betrachtung des Vereins. Unserer Meinung nach war die Finanzierung nicht mehr gesichert. Inzwischen ist aber auf jeden Fall genügend Geld da für den Kongress in wenigen Tagen.

Christoph Nitz hat die Linke Medienakademie gegründet, er ist von Anfang an dabei, hat den Kongress groß und bekannt gemacht. Ist es nicht unfair, ihn jetzt einfach abzusägen?

Wir respektieren seine Aufbauarbeit in der Vergangenheit. Aber jede hervorragende Idee muss auch finanziell untersetzt sein.

Die Organisation eines solchen Kongresses bedeutet viel Arbeit. Bisher hat Christoph Nitz die Fäden zusammengehalten. Kann die Linke Medienakademie ohne ihn überhaupt gelingen?

Wir sprechen viel mit Teilnehmern, Partnern und Dozenten. Dabei ergibt sich ein klares Bild: Die Tätigkeit von Christoph Nitz ist nicht zwingend erforderlich.

Für Journalisten gibt es jede Menge Weiterbildungen. Wofür braucht es dann noch die Linke Medienakademie?

Zum einen machen wir ein preisgünstiges Angebot, das dürfte insbesondere für junge, angehende Journalisten interessant sein. Zum anderen bietet wir ein Forum für all diejenigen, die sich im linken Spektrum der Medienlandschaft verorten. Künftig wollen wir uns wieder stärker auf den namensgebenden Gedanken der Linken Medienakademie besinnen und nicht bloß eine vollkommen neutrale Weiterbildung anbieten.

Richtet sich die Linke Medienakademie vor allem an Mitglieder und Sympathisanten der Linkspartei?

Nein. Wir werden zwar finanziert von der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung und ihrer Berliner Landesstiftung, der „Hellen Panke“. Aber wir wollen mit dem Kongress ganz klar das gesamte Spektrum der gesellschaftlichen Linken ansprechen.

Ist das eine Konferenz für professionelle Medienmacher oder für Hobby-Journalisten?

Die Linke Medienakademie richtet sich an beide Gruppen. Es gibt Workshops für gestandene Medienprofis, aber auch für diejenigen, die ihre ersten Schritte auf dem Weg in den Journalismus machen. Hinzu kommen zahlreiche Diskussionsveranstaltungen, die für alle gleichermaßen interessant sind. Es geht uns um einen Austausch zwischen jung und alt, zwischen Menschen mit mehr und mit weniger Erfahrung.

Tilo Hejhal, 50, ist Vorsitzender des Trägervereins „Linke Medienakademie e.V.“

Originalquelle: freitag.de

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