Warum der Kapuzenpulli?

Der Kapuzenpulli ist durch Stefan Plöchinger zum Protestsymbol geworden – gegen die Überheblichkeit der Print-Journalisten. Was sagt das über dieses Kleidungsstück?

Von Felix Werdermann

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Die Grabenkämpfe zwischen Print- und Onlinejournalismus nehmen inzwischen absurde Formen an. Mittendrin ist Stefan Plöchinger, derzeit Online-Chef der Süddeutschen Zeitung, bald steigt er womöglich in die Chefredaktion auf. Einige leitende Print-Redakteure wollen das verhindern, die Personalie wird zum Thema in der Zeit, danach berichten andere Medien ebenfalls. Nun gibt es eine Solidarisierungswelle mit Plöchinger, dem „Kapuzenpulliträger“. Auf Twitter hat sich der Kapuzenpulli als Schlagwort schon etabliert.

Aber was hat der Konflikt mit einem Kapuzenpulli zu tun? Warum ist dieses Kleidungsstück innerhalb weniger Stunden zum Symbol des Onlinejournalismus geworden? Eines ist zumindest klar: Es kann kein Zufall sein, dass im Zeit-Artikel ausgerechnet dieses äußere Erscheinungsmerkmal erwähnt wird, dass andere Print-Journalisten diese Beobachtung weiterverbreiten, dass Bilderstrecken mit Kapuzenpulliträgern ins Internet gestellt werden – im Kampf gegen die Diskriminierung von Onlinejournalisten.

Jeder Protest braucht ein Symbol. Fraglich ist jedoch, ob das Bild vom Online-Journalisten mit Kapuzenpulli überhaupt zur Wirklichkeit passt. Zumindest in der Freitag-Redaktion besitzen die Print-Redakteure durchschnittlich mehr Kapuzenpullis als die Kollegen aus dem Online-Ressort, wie eine nicht-repräsentative Blitzumfrage gezeigt hat (siehe Infokasten links).

Die Kapuze ist die neue Krawatte

Vielleicht verdienen die Onlinejournalisten einfach zu wenig, um sich ordentliche Kleidung zu kaufen. Oder sie hängen von morgens bis abends vorm Computer, kommen nicht raus, und tragen deshalb einen bequemen Kapuzenpulli. Diese Klischees werden zwar bedient, die Realität sieht aber anders aus: Der Kapuzenpulli ist genauso bequem wie ein normaler Pullover. Die Kapuze schützt vor keinem Shitstorm und es kommt auch eher selten vor, dass es im Büro regnet.

Der Kapuzenpulli ist also vielmehr Ausdruck einer kulturellen Zugehörigkeit. Das ist mit dem Anzug übrigens genauso. Man könnte auch sagen: Die Kapuze ist die neue Krawatte. Eigentlich überflüssig, aber mit ihr kann man sich abgrenzen. Auch, wenn man das vielleicht gar nicht möchte. In den Zeitungsredaktionen sitzen viele ältere Männer, die einen Kapuzenpulli für unseriös halten. Online-Journalisten sind oft jünger, sie sind mit dem Internet aufgewachsen – und mit dem Kapuzenpulli.

Vielleicht ist es auch die Angst der Alten. Mit einer Kapuze kann ich mich vermummen. Verstecken sich im Netz nicht auch alle – hinter ihren Fantasienamen? Vermummte Personen sind gefährlich. Ist das Internet nicht die größte Gefahr für den Printjournalismus? Der Kapuzenpulli ist bei der Antifa sehr beliebt. Sind nicht auch die Blogger immer so politisch und verbreiten bloß Meinungen ohne Informationen?

Mit dem Kapuzenpulli werden viele Vorurteile bedient. Trotzdem wird er dieser Tage von vielen Onlinern demonstrativ getragen. Vielleicht ist das die Botschaft: Wir können auf eure alten Macht-Symbole wie den Anzug verzichten. Wir sind Journalisten.

Originalquelle: freitag.de

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