Ich bin doch schlicht blöd

Media Markt darf für jede Eins auf dem Zeugnis einen Rabatt von zwei Euro gewähren. Diese Aktion gefährdet nicht nur den Schulfrieden, sondern auch die Lust am Lernen

Von Felix Werdermann

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Kluge Schüler kaufen bei Media Markt – dort bekommen sie für jede Eins auf dem Zeugnis einen Preisnachlass von zwei Euro. Was vor drei Jahren als Marketing-Gag des Elektrohändlers gedacht war, wurde bald zum Fall fürs Gericht. Verbraucherschützer klagten und unterlagen Ende vergangener Woche in höchster Instanz. Jetzt ist klar: Die Rabattaktion war zulässig. Sinnvoll aber ist sie damit noch lange nicht. Im Gegenteil, sie gefährdet den Schulfrieden und sogar die Leistungsfähigkeit der Kinder.

Vor dem Bundesgerichtshof stand lediglich zur Debatte, ob die Schüler mit der Werbe-Aktion zum Kauf verführt werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte vergeblich argumentiert, Media Markt nutze die Unerfahrenheit der Kinder aus. Nicht diskutiert wurde hingegen, ob Schüler mit schlechteren Noten diskriminiert werden. Da geht es um mehr als ein paar Euro, nämlich um das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein.

Geld zerstört die Eigenmotivation

Aber die Diskriminierung ist nicht mal das Schlimmste an der Media-Markt-Aktion. Noch problematischer ist die Ideologie, die dahinter steht: In der Schule gehe es einzig um gute Noten. Leistung, Leistung über alles! Es war sicherlich nicht die Absicht von Media Markt, mit der Rabatt-Aktion das Leistungsprinzip zu fördern. Das Unternehmen wollte bloß Aufmerksamkeit und neue Kunden. Gleichwohl verbreitet es diese Ideologie.

Schüler werden unter Druck gesetzt: Überall werden sie jetzt nach ihren Zensuren gefragt, selbst beim Einkaufen. Es geht nicht mehr um die Inhalte, sondern bloß um die eine Zahl. Und wer ist dann der oder die beste? Die Kinder lernen nicht mehr gemeinsam, sondern sehen sich als Konkurrenten.

Es ist schon traurig genug, dass Eltern oder Großeltern die guten Zeugnisse ihrer Kinder und Enkel mit Geld belohnen. Sie wissen wahrscheinlich nicht einmal, dass sie damit die Leistungsfähigkeit ihrer Lieblinge beeinträchtigen. Es gibt dutzende Studien, die belegen: Belohnung zerstört die Eigenmotivation. Die Kinder verlieren den Spaß am Lernen, sobald sie das Gefühl haben, nur noch für eine Gegenleistung zu arbeiten. Selbst Leistungsfanatiker sollten ihren Kindern also besser kein Geld für ein gutes Zeugnis versprechen.

In Berlin gab es ein italienisches Restaurant, das mit einer „Blitzer-Pizza“ geworben hat: Wer einen aktuellen Bußgeldbescheid vorlegen konnte, bekam das Essen deutlich günstiger. Ist es überhaupt erlaubt, eine Ordnungswidrigkeit finanziell zu belohnen? Wahrscheinlich hat sich nie jemand über die Rabatt-Aktion beschwert. Inzwischen hat die Pizzeria zugemacht, auf der Terrasse wuchern einige Pflanzen, die Glasscheiben sind dreckig. Vielleicht sind solche Rabatte auch schlecht fürs Geschäft. Also Obacht, Media Markt!

Originalquelle: freitag.de

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