Der grüne Schund

Wie trenne ich den Müll korrekt? Heute blickt kaum noch jemand durch. Dabei könnte alles so einfach sein – wenn die Politik im Sinne der Bürger handeln würde

Von Felix Werdermann

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Im Mülltrennen sind die Deutschen Weltmeister, zumindest wenn man im Ausland fragt. In Wirklichkeit blickt aber kaum einer durch, viele scheitern schon am Kleiderbügel: Wenn er zur Verpackung gehört, muss er in die Gelbe Tonne. Wurde er dagegen einzeln gekauft, kommt er in den Hausmüll. Weil das selbst rudimentärstem Alltagswissen über Recycling widerspricht, geben aber viele Leute einfach alles zum Grünen Punkt. Dafür existiert sogar ein Fachbegriff: intelligente Fehlwürfe.

Aus Sicht des Verbands Kommunaler Unternehmen ist die Sache klar: Der Grüne Punkt ist gescheitert, die Recycling-Quote viel zu niedrig, jetzt muss die Abfallentsorgung von den privaten Firmen zurück in die Hände der Städte. Schließlich winken Millionengewinne. Und die Bürger sind dann auch zufrieden. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands wollen 59 Prozent eine Rekommunalisierung.

Noch schlimmer als kompliziert

Eigentlich war die Idee des Grünen Punkts ja nicht schlecht: Die Hersteller von Verpackungen sollen einen Anreiz bekommen, möglichst wenig Abfall zu produzieren. Daher müssen sie den Müll selbst zurücknehmen und entsorgen. Die Hersteller haben sich dann zusammengeschlossen und das Duale System erdacht. Nur Verpackungen mit dem Grünen Punkt gehören in die Gelbe Tonne. Die Entsorgung übernimmt dann das Duale System, eine GmbH; die Kosten kommen über die Verpackungshersteller wieder rein. Sie zahlen für jeden Abdruck des Grünen Punkts.

Das war für die Verbraucher schon kompliziert genug, aber es kam noch schlimmer: Auf Druck der europäischen Kartellbehörde wurde der Markt geöffnet, heute gibt es zehn Duale Systeme, die sich auch noch gegenseitig betrügen. Jetzt dürfte sich der Verbraucher nicht mal mehr am Grünen Punkt orientieren, sondern nur an der Frage: Verpackung – ja oder nein?

Die Recycling-Quote muss hoch

Im Interesse der Bürger wäre nun erstens die Einführung einer Wertstofftonne, die alle Kunststoffe und Metalle sammelt und die von allen verstanden wird. Zweitens sollte die Müllentsorgung den Städten vorbehalten sein, damit die wieder etwas mehr Geld für öffentliche Belange haben. Drittens sollte die Politik den städtischen Entsorgern mehr Recycling vorschreiben, denn das wollen die Bürger durch ihr Mülltrennen doch eigentlich erreichen. Laut Deutscher Umwelthilfe ließe sich die vorgeschriebene Recycling-Quote problemlos verdoppeln. Die Technik ist schon da.

Die Bürger könnten sich dann auf etwas Wichtigeres konzentrieren: die Müllvermeidung. Und sie würden vielleicht auch verstehen, dass Mülltrennen kein Ablass ist für all die anderen Umweltschweinereien, die sie begehen.

Originalquelle: freitag.de

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