Helm? Ja! Zwang? Nein!

Ein Helm bietet den Radlern zwar guten Schutz. Eine Pflicht wäre aber kontraproduktiv. Dann würden die Autos gewinnen und das macht den Verkehr unsicher

Von Felix Werdermann

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Das sollte zu denken geben: Selbst die deutschen Fahrradhelm-Hersteller sind gegen eine Pflicht zum Kopfschutz. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) lehnt den Zwang ebenso ab wie der CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Nur die Versicherung einer Autofahrerin hatte offenbar eine etwas andere Auffassung und hat sich damit durch alle Instanzen geklagt – vergeblich.

Die Argumentation war schon ziemlich dreist: Eine Radfahrerin war bei einem Unfall mit dem Hinterkopf auf die Straße gestürzt, sie war unschuldig. Die Versicherung der Autofahrerin aber wollte nur die Hälfte zahlen, weil „vernünftige Menschen“ einen Radhelm trügen. Das Oberlandesgericht Schleswig reduzierte den Eigenanteil der Radlerin zwar auf 20 Prozent, im Kern gab sie der Versicherung aber Recht. Dieses Urteil wurde nun vom Bundesgerichtshof aufgehoben.

Es musste so kommen. Alles andere wäre ein Skandal gewesen. Solange es keine allgemeine Helmpflicht gibt, kann das Fahren ohne Kopfschutz der Radlerin nicht zum Vorwurf gemacht werden. Und das Gericht darf sich nicht zum Gesetzgeber aufspielen. Völlig zu Recht wurde die vorherige Entscheidung des Oberlandesgerichts in den Medien oft als „Helmpflicht durch die Hintertür“ kritisiert.

Umstieg aufs Auto

Aber auch der Bundestag sollte die Bürger nicht dazu zwingen, einen Helm zu tragen. Für die einzelne Radfahrerin bringt der Helm sicherlich mehr Sicherheit, für den gesamten Verkehr jedoch nicht unbedingt. Bei einem Zwang würden nämlich vermutlich viele Radler aufs Auto umsteigen, das zeigen Beispiele aus anderen Ländern. Der ADFC verweist etwa auf Studien über Kanada und Australien.

Wer aber in die Blechkiste steigt, schadet damit nicht nur der eigenen Gesundheit, weil der Sport wegfällt. Er schadet auch anderen Radlern, denn je mehr Autos unterwegs sind, desto gefährlicher wird der Straßenverkehr – auch, weil die Autofahrer dann noch weniger Rücksicht auf Radler nehmen.

Riskante Überholmanöver

Kann der Helm überhaupt helfen? Schließlich ist auch erwiesen, dass Autofahrer beim Überholen einen größeren Bogen um Radler ohne Helm machen. Helmträger radeln also in mancher Hinsicht auch gefährlicher. Doch dieser Effekt spricht keinesfalls gegen die freiwillige Nutzung des Helms.

Schließlich ist nicht davon auszugehen, dass Autofahrer die Helmträger extra gefährden und künftig mehr riskante Überholmanöver wagen, sollten mehr Menschen freiwillig einen Helm tragen. Vielmehr dürften die Autofahren weitgehend auf solche Manöver verzichten, wenn der Helm erstmal zur Normalität geworden ist und sich an ihm nicht mehr die erfahren Vielfahrer erkennen lassen. Und wenn es erstmal zum Unfall kommt, dann kann der Helm das Leben retten.

Mehr Werbung für den Helm

Vielleicht kann eine Helmpflicht auf lange Sicht sinnvoll sein. Vielleicht steigen kurzfristig einige Leute aufs Auto um, die dann aber nach einiger Zeit wieder aufs Rad zurückkehren – weil sie merken, was sie daran haben. Das ist durchaus vorstellbar. Allerdings müsste vor der Einführung einer Helmpflicht wohl erstmal die Akzeptanz dafür gesteigert werden. Heute tragen laut Bundesanstalt für Straßenwesen etwa 15 Prozent der erwachsenen Radfahrer einen Kopfschutz.

Wenn irgendwann die Mehrheit freiwillig einen Helm trägt, dürfte der Übergang zur Pflicht einfacher sein. Zudem wären dann die negativen Folgen geringer, weil sich für viele Menschen gar nichts ändert und sie somit keinen Grund haben, aufs Auto umzusteigen.

Daher muss die Politik jetzt stärker dafür werben, freiwillig einen Helm zu tragen. Vielleicht können auch die Krankenkassen ein paar Helme spendieren oder zumindest Zuschüsse gewähren. Das dürfte für sie billiger werden als hinterher die Behandlung der Unfallopfer zu zahlen.

Originalquelle: freitag.de

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