Ein Eimer voller Schutt

Viele Palästinenser kippen sich Staub statt Eiswasser über ihren Kopf, um gegen den Gazakrieg zu protestieren. Wird die Ice Bucket Challenge politisch instrumentalisiert?

Von Felix Werdermann

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Die Spendenaktion „Ice Bucket Challenge“ verlangt ein Bekenntnis: Bin ich Kaltduscher oder Warmduscher? Schütte ich mir einen Eimer voller Eiswasser über den Kopf oder tue ich mir das nicht an und spende stattdessen gegen die seltene Nervenkrankheit ALS? Mit dem neuen Trend des „Rubble Bucket Challenge“ müssen die Menschen nun eine andere Frage beantworten: Bin ich Wasserduscher oder Staubduscher?

Im Internet finden sich zahlreiche Videos von Menschen, die sich Schutt über den Kopf kippen. Sie wollen damit auf die Situation im Gaza-Streifen aufmerksam machen: Das Wasser ist knapp, viele Gebäude zerstört. Die indirekte Botschaft der Videos: Keine weiteren Bomben der israelischen Armee! Wird damit die „Ice Bucket Challenge“ für politische Zwecke instrumentalisiert? Wird eine Hilfsaktion für die Propaganda einer Kriegspartei genutzt?

Die Realität darstellen

In der Tat zeigen die Videos nur das Leid der Palästinenser. Sie zeigen nicht die Israelis, die ständig in ihre Luftschutzbunker flüchten müssen. Trotzdem ist das keine Hamas-Propaganda. Es wird zwar auch zur Solidarität mit Palästina aufgerufen, aber vor allem veranschaulichen die Videos, dass die israelischen Bomben verheerende Folgen haben. Wo kämen wir hin, wenn diese Realität nicht mehr gezeigt werden dürfte? Die Verfechter des Friedens hätten keine Chance mehr.

Auch die „Ice Bucket Challenge“ könnte durchaus etwas politischer sein, das täte ihr ganz gut. Bisher bleibt sie auf der individuellen Ebene: Der Kampf gegen die Nervenkrankheit ALS als Aufgabe jedes Einzelnen, bloß genug Geld zu spenden. Eigentlich sollte die Medikamenten- und Therapieforschung jedoch nicht von dem Portmonee potentieller Spender abhängen, sondern von der Dringlichkeit. Deswegen muss der Staat die Forschung finanzieren. Ob dann jedoch ALS ganz oben auf der Liste stände oder nicht eher vernachlässigte Armen-Krankheiten wie Tuberkulose, ist eine andere Frage.

Der Kampf gegen das Leid auf dieser Welt muss politischer werden. Im Zweifel auch mit einer Staubdusche.

Originalquelle: freitag.de

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