Googles größtes Geheimnis

Justizminister Heiko Maas will, dass Google den Such-Algorithmus „transparent“ macht. Wie soll das gehen? Es gibt nur eine Lösung: eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine

Von Felix Werdermann

weiterlesen auf freitag.de

Bisher ist die Financial Times nicht als Satire-Zeitung aufgefallen. Doch was Bundesjustizminister Heiko Maas dort jetzt in einem Interview verlangt, ist schlicht ein Witz. Der Google-Konzern solle offenlegen, wie genau seine Suchmaschine funktioniert. „Am Ende geht es darum, wie transparent die Algorithmen sind, die Google benutzt, um seine Suchergebnisse zu sortieren.“

Man könnte diesen Vorschlag übersetzen mit: Google, bitte verrate doch der ganzen Welt dein Geschäftsgeheimnis. Bitte zerstöre dich selbst.

So absurd die Forderung ist, so verständlich sind die Sorgen, die dahinter stehen. Google ist in Europa Quasi-Monopolist bei der Internetsuche. Seit langem steht der Vorwurf im Raum, der Konzern bevorzuge im Ranking seine eigenen Angebote, zum Beispiel das Video-Portal Youtube.

Eine Frage der Demokratie

Maas sagt nun: „Wenn eine Suchmaschine einen solchen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, dann ist dies eine Angelegenheit, mit der wir uns befassen müssen.“ Das stimmt zwar. Es gibt aber einen viel wichtigeren Grund, weshalb sich die Politik mit Google befassen muss: Für Millionen von Menschen ist die Suchmaschine das einzige Eingangstor in die Welt des Internets. Für die Meinungsbildung, für die Öffentlichkeit, für die Gesellschaft insgesamt kommt Google damit eine entscheidende Rolle bei.

Eine funktionierende Demokratie ist darauf angewiesen, dass die Bürger Zugang zu allen relevanten Informationen haben. Es ist inakzeptabel, wenn ein Konzern die Meinung manipulieren kann. Deshalb gehört der Suchalgorithmus unter öffentliche Kontrolle. Und das heißt vollkommene Transparenz. Für alle. Googles Geschäftsmodell ist dann zwar hinfällig. Aber diesen Preis muss die Gesellschaft zahlen.

Zur Not vergesellschaften

Vorstellbar wäre zwar auch, dass eine Kommission von ausgewählten Politikern kontrolliert, ob Google die Ergebnisse ungerechtfertigterweise beeinflusst. Doch wie sollen die Bürger dann beurteilen, ob die Politiker ihren Job gut erledigen? Besser wäre eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine, die nicht darauf angewiesen ist, Profit zu generieren.

Die staatliche Kontrolle des Internetzugangs ist immer problematisch. Daher ist darauf zu achten, dass die neue Suchmaschine komplett unabhängig von der Regierung und den Parteien betrieben wird. Das ließe sich beispielsweise dadurch erreichen, dass der Aufsichtsrat der öffentlichen Suchmaschinen-Betreiber-Gesellschaft durch eigene Wahlen vom Volk bestimmt wird – wie es auch für die bestehenden öffentlich-rechtlichen Sender sinnvoll wäre.

Hätte eine neue Suchmaschine überhaupt eine Chance gegen Google? Ohne eine gezielte Schwächung des Konzerns sicher nicht. Zur Not müsste Google vergesellschaftet werden. Vom Grundgesetz wäre das gedeckt, wenn entsprechend entschädigt wird. Das wird vielleicht teuer, aber das sollte uns eine aufgeklärte Öffentlichkeit wert sein.

Originalquelle: freitag.de

öffentlichkeit algorithmus demokratie google heiko maas internet suchmaschine öffentlichkeit algorithmus demokratie google heiko maas internet suchmaschine
Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • MySpace
  • PDF
  • Print
  • RSS

1 Antwort auf “Googles größtes Geheimnis”


  1. 1 Bernd 17. September 2014 um 2:22 Uhr

    Und die Leistungsschutzrecht-Snippets dieser öffentlich-rechtlichen Suchmaschine werden dann ebenfalls aus Steuermitteln bezahlt? Dann haben wir eine „auf­ge­klär­te Öf­fent­lich­keit“, die sich ihre Informationen bei Medien besorgt, die de facto vom Staat „unterhalten“ – sprich: bezahlt – werden? Hand, füttern, beissen?

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.