Veganer gegen Biobauern

In der Protestbewegung für eine alternative Landwirtschaft eskaliert ein Streit: Wie sollen wir mit Tieren umgehen – artgerecht halten oder auf ihre Produkte verzichten?

Von Felix Werdermann

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Mit dem guten Gewissen und der alternativen Landwirtschaft ist es auch nicht mehr so einfach, wie es mal war. Jedes Jahr findet in Berlin eine Großdemo unter dem Motto statt: „Wir haben es satt!“ Nun haben sich die Organisatoren zu einer Konferenz getroffen, und dort eskalierte ein lang schwelender Streit zwischen Veganern und Befürwortern einer ökologischen Tierhaltung. Durchaus vorstellbar, dass es künftig zwei Demos geben wird. Die Teilnehmer müssten sich dann entscheiden: Wo steh ich auf der richtigen Seite?

Bisher laufen Fleisch-Biobauern friedlich neben radikalen Tierrechtlern. Gemeinsam gegen Megaställe, gegen Gentechnik, gegen Dumpingexporte. In der veganen Szene kocht es aber schon lange: Ist es akzeptabel, an einer Demo teilzunehmen, auf der manche für Biofleisch und Biomilch werben? In deren Aufruf eine „artgerechte Tierhaltung“ gefordert wird, während Veganer doch die Tierhaltung ganz abschaffen wollen? Die Albert-Schweitzer-Stiftung setzt sich für den völligen Verzicht auf Produkte vom Tier ein und war auf der Demo im Januar vertreten. Andere Tierrechtler blieben fern oder machten ihre eigenen, kleinen Protestaktionen.

Kompromisse und Diskussionen

Nun haben sie auf der Konferenz erklärt, dass sie sich von den Demo-Organisatoren im Stich gelassen fühlen, wenn es um Tierrechte geht. Doch eine Selbstausgrenzung hilft ihnen auch nicht weiter. Die Bewegung für eine alternative Landwirtschaft ist nicht groß genug, um sich eine Spaltung leisten zu können. Wenn die Veganer nicht zur Großdemo gehen, werden sie in der Öffentlichkeit überhaupt nicht gehört. Sie haben es ohnehin schwer, ihre Ideen zu vermitteln, die vom gesellschaftlichen Mainstream meilenweit entfernt sind. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Zahl der Veganer in letzter Zeit gestiegen ist.

Natürlich kostet es Tierrechtler Überwindung, gemeinsam mit Leuten zu demonstrieren, die sie selbst als Tierausbeuter betrachten. Aber in der Politik, auch auf der Straße, muss man Kompromisse machen. Wer nur sein reines Gewissen bewahren will, schadet letztlich den Tieren. Das heißt nicht, dass man die Forderung nach einer veganen Welt aufgeben müsste. Aber gerade eine Großdemo bietet doch die Gelegenheit, mit Interessierten darüber zu diskutieren. Und neue Sichtweisen kennenzulernen, die eigenen Positionen zu überprüfen, für die eigenen Ansichten zu werben.

Eines darf bei der Debatte keinesfalls aus dem Blickfeld geraten: Der Hauptkonflikt verläuft nicht zwischen den Aktivisten, sondern zwischen der Bewegung und großen Agrarunternehmen.

Originalquelle: freitag.de

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