Flüchtlinge? No Way!

Australien schaltet weltweit Anzeigen, um Menschen davon abzuhalten, illegal einzureisen. Kritiker sind entsetzt. Aber ist die Warnung vor der Küstenwache so falsch?

Von Felix Werdermann

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Es mutet an wie ein Filmplakat: Ein Schiff allein auf hoher See, die Wellen meterhoch, der Himmel gefährlich dunkel. Darüber der Schriftzug in Großbuchstaben: „NO WAY!“ In Wirklichkeit handelt es sich um eine Werbeanzeige. Australien befindet sich im Krieg gegen die Flüchtlinge und macht nun Propaganda in aller Welt, um potentielle Einwanderer abzuschrecken. In 16 Sprachen wurde die Kampagne übersetzt, es gibt große Zeitungsanzeigen und einen Film, der bei Youtube zu begutachten ist.

Kritiker sind entsetzt. Viele Australier veröffentlichen auf einer Website ihre Fotos, auf denen sie für die „inhumane Behandlung von Asylsuchenden“ um Entschuldigung bitten. Keine Frage: Wie in Australien mit den Flüchtlingen umgegangen wird, ist schrecklich und vollkommen inakzeptabel. Bürgerrechtler kritisieren, dass es der Küstenwache wichtiger ist, die Boote zu stoppen als Menschenleben zu retten. Aber ist es deswegen nicht gerade sinnvoll, die Menschen davor zu warnen? Ist es nicht ein Trugschluss, statt der Politik nun die Informationskampagne zu kritisieren?

Rechtfertigung der Abschottungspolitik

Nein, die Werbekampagne ist Propaganda. Es geht nicht um ein realistisches Bild der Chancen und Risiken einer Überfahrt, sondern um eine übertrieben negative und abschreckende Darstellung, um ein politisches Ziel zu erreichen: dass weniger Flüchtlinge nach Australien kommen. Gleichzeitig dient die Werbekampagne auch der Rechtfertigung der offiziellen Politik. Die Botschaft: Es ist doch klar, dass die Gesetze eingehalten werden müssen. Wer illegal einreist, ist kriminell. Von den Schicksalen der Flüchtlinge erfahren die Zeitungsleser nichts.

Zudem ist fraglich, ob die australische Regierung ihr Ziel überhaupt erreicht. Wer im Krieg bombardiert wird oder Hunger leidet, wird wohl kaum wegen einer Zeitungsanzeige zu Hause bleiben. Im Vergleich zu der Situation in ihren Heimatländern geht es vielen Flüchtlingen in den Industriestaaten immer noch sehr viel besser. Dafür nehmen sie hohe Risiken in Kauf.

Besonders traurig ist, dass Australien viel Geld ausgibt für eine Werbekampagne, die der Aschottung dient – obwohl das Geld genutzt werden könnte, um Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen ein sicheres Leben zu ermöglichen.

Bei aller berechtigten Kritik an der australischen Regierung sollte jedoch beachtet werden, dass es in Deutschland nicht besser aussieht. Im Jahr 2013 hat Australien nach eigenen Angaben 20.000 Flüchtlinge aufgenommen – das sind 0,87 pro tausend Einwohner. In Deutschland waren es lediglich rund 0,25 Asylbewerber pro tausend Einwohner, die Schutz bekommen haben.

Originalquelle: freitag.de

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