Für Stammtischgäste

Über die Sprachvorstellungen der Christlich-Sozialen Union darf man lachen – aber den ernsten Kern sollte man nicht vergessen

Von Felix Werdermann

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Wer die CSU hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Eine Gedankenpolizei will die Partei zwar noch nicht einführen, aber schon mal eine Sprachpolizei für Ausländer. „Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen“, hieß es in einem Leitantragsentwurf für den Parteitag. Nach dem öffentlichen Aufschrei ist nun zwar nur noch davon die Rede, dass die Ausländer zum Deutschsprechen „motiviert“ werden sollen, aber das ist egal. Um die realen Folgen dieses absurden Vorschlags ging es gar nicht.

Die CSU betreibt mit ihrem Vorstoß reine Gefühlspolitik. Der Stammtischgast soll sich wohlfühlen und seine Meinung bestätigt wissen: Die Ausländer integrieren sich hier gar nicht. Schweinerei! Bei der Pkw-Maut für Ausländer war es genauso. Sie hilft niemandem, brachte der CSU nur Ärger mit ihren Koalitionspartnern und der EU. Aber immerhin bestätigt sie das Vorurteil der bayrischen Stammwähler: Die Ausländer gehen auf unsere Kosten.

Verbalattacken und abwegige Vorschläge

Das ist die CSU-Methode. Dazu gehören auch knackige Sprüche: Wer betrügt, der fliegt! (Wenn er nicht Deutscher ist.) Horst Seehofer will sogar „bis zur letzten Patrone“ gegen die „Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ kämpfen.

Die CSU leidet weder unter solchen Verbalattacken noch unter den abwegigen Vorschlägen wie der Deutschsprechpflicht in der Familie. Da mag der Rest der Republik samt CDU die Augen verdrehen: CSU bleibt CSU.

In der Praxis wäre ein Fremdsprachenverbot nicht nur nicht kontrollierbar. Es würde auch zu der Frage führen, ob die CSU-Politiker eigentlich Deutsch sprechen oder ob man sie nicht „motivieren“ sollte, auf ihr Bayrisch zu verzichten. Die wahre Bedeutung des Vorschlags offenbart sich allerdings erst dann, wenn man erinnert, dass die CSU auch so hart für die Herdprämie gekämpft hat. Die Kinder sollen auf jeden Fall zu Hause bleiben und nicht in die Kita, damit sie endlich mal richtiges Deutsch statt des bayrischen Kauderwelschs lernen!

Der Humor ist die beste Waffe gegen die ausländerfeindlichen Sprüche der CSU. Dabei sollte jedoch eines nicht vergessen werden: Die Einwürfe aus Bayern mögen manchmal absurd klingen; die reale deutsche Abschottungs- und Abschiebepolitik kann aber tödlich sein.

Originalquelle: freitag.de

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