Eine Frauenquote bei der Bundeswehr?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will den Frauenanteil in Führungspositionen der deutschen Armee erhöhen. Als Linker muss man das nicht gut finden

Von Felix Werdermann

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Zuerst soll die Bundeswehr familienfreundlich werden und jetzt auch noch eine Frauenquote bekommen. Was ist der nächste Schritt? Nur noch Ökostrom beim Militär? Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat im Spiegel-Interview angeregt, über eine Quote für Führungspositionen im Militär nachzudenken. Soll das jetzt der Sieg der Frauenbewegung sein? Haben Feministinnen jahrelang für eine andere Gesellschaft gekämpft, nur damit jetzt auch mehr Frauen in fremde Länder einmarschieren und Menschen erschießen dürfen? Oder ist diese Kritik paternalistisch? Wir Männer sagen euch Frauen, in welchen Berufen ihr Karriere machen dürft und in welchen nicht.

Beide Argumentationen treffen nicht ganz den Kern der Sache. Zum einen geht es nicht um das gleiche Recht auf einen Beruf. Schon seit vielen Jahren dürfen Frauen in der Bundeswehr mitkämpfen; als Ergebnis einer erfolgreichen und von der Gesellschaft akzeptierten Gleichstellungspolitik. Zum anderen kann man aber auch gegen eine Quote in der Armee sein, ohne automatisch ein antiquiertes Bild von der schwachen Frau zu pflegen. Als Linker bin ich schließlich nicht nur Feminist, sondern auch Antimilitarist. Und im Zweifel ist es mir wichtiger, dass im Ausland keine Unschuldigen getötet werden, als dass manche Soldatinnen ihre Karriereträume verwirklichen können. Es geht hier auch um keinen normalen Job, was sich schon daran zeigt, dass man nicht einfach den Dienst quittieren kann, ohne wegen Fahnenflucht eine Gefängnisstrafe zu riskieren.

Wer aus pazifistischen Gründen gegen eine Frauenquote in der Bundeswehr ist, muss allerdings sagen, ob er dann nicht auch für Rüstungskonzerne, die als börsennotierte Unternehmen zur Quote verpflichtet sind, eine Ausnahme will. Was die Konzerne vielleicht sogar freuen würde.

Die Bundeswehr wird attraktiv

Damit stellt sich die Frage, was denn der Bundeswehr nützt. Als vor 15 Jahren der Europäische Gerichtshof die Frage klären musste, ob auch Frauen den „Dienst mit der Waffe“ ausüben dürfen, war klar: Wenn es erlaubt wird, stehen der Armee mehr Menschen zur Verfügung, die bereit sind, in den Krieg zu ziehen. So kam es dann auch. Heute geht es allerdings um eine Quote. Jede zusätzliche Frau verdrängt einen Mann, die Truppenstärke bleibt davon erst mal unberührt. Zudem geht esder Ministerin nicht darum, den Frauenanteil in der Armee (er beträgt derzeit zehn Prozent) zu erhöhen, sondern um bessere Karrierechancen innerhalb der Bundeswehr. Um es mit von der Leyens Worten zu sagen: Es geht um einen „Anteil von Frauen in Führungspositionen, der dem in der Truppe angemessen ist“.

Man könnte meinen, dass das für Pazifisten irrelevant wäre. Doch das ist falsch. Die Ministerin will die Bundeswehr attraktiver machen. Mehr Frauen in Führungspositionen werden das öffentliche Image aufpolieren und Bewerberinnen anziehen. Zudem dürfte es für das Betriebsklima vorteilhaft sein, wenn die Armee den Muff des Männerclubs verliert. Dann können sich nicht nur mehr qualifizierte Frauen, sondern auch mehr qualifizierte Männer eine Bundeswehrkarriere vorstellen. Und je mehr Leute sich bewerben, desto einfacher ist es, für den Ausbau der Armee zu argumentieren. Auf Dauer wird das Militär dadurch gestärkt.

Also gegen die Quote sein? Ja! Es scheint zwar merkwürdig, das Militär zu sabotieren, indem man es zum männerdominierten Fossil macht. Doch eine Abschaffung der Bundeswehr ist nicht in Sicht. Bei den Pannen mit der Euro-Hawk-Drohne war es ähnlich: Das Verschwenden von Steuergeldern will keiner. Aber es ist immer noch besser als eine neue und im Ernstfall todbringende Waffe.

Originalquelle: freitag.de

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