Schneller Studienabschluss

Wer schnell durch sein Bachelor– und Master-Studium kommen möchte, soll das machen. Ent­schei­dend ist, was man draus macht. Ein Plädoyer.

Von Felix Werdermann

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Ich war angeb­lich ein Ver­suchs­ka­nin­chen. Als ich mein Stu­dium begonnen habe, konnte ich wählen – zwi­schen Bachelor-Master und Staats­ex­amen. Ich habe mich für das Bachelor-Studium ent­schieden und wurde dafür arg­wöh­nisch beäugt. Wie kann man sich frei­willig in dieses zwangs­ver­schulte System ein­glie­dern, das alle Studis durch ihr Stu­dium hetzt?

Einige poli­tisch inter­es­sierte Freunde erzählten mir, dass mit der Ein­füh­rung der modu­la­ri­sierten Stu­di­en­gänge das Ende der Uni­ver­sität, wie wir sie kennen, bevor­stünde. Das freie, selbst­be­stimmte Stu­dium ist nicht mehr mög­lich; hoch­schul­po­li­ti­sches Enga­ge­ment wird vom stän­digen Leis­tungs­druck erstickt.

Kein Ideal

Ich bin auch kein Fan von Bachelor und Master, und doch habe ich mich dafür ent­schieden. Um ehr­lich zu sein: Vor allem, weil ich nach Berlin wollte und hier das Lehr­amts­stu­dium bereits umge­stellt war. Trotzdem: Per­sön­lich habe ich kaum Pro­bleme mit meinem Stu­dium gehabt. Ich bin in der Regel­stu­di­en­zeit fertig geworden und hätte die Uni sogar noch eher ver­lassen können, hätte ich nicht zwi­schen– durch zusätz­lich meh­rere Prak­tika absol­viert.

Bin ich ein­fach nur ein Streber? Viel­leicht bin ich mit meinem Bachelor und Master auch nur des­halb so zufrieden, weil ich die alten Stu­di­en­gänge Diplom, Magister, Staats– examen gar nicht kenne. Und doch habe ich den Ein­druck, dass die Leute – meist eines höheren Semes­ters – , die mir abrieten und später den Kopf geschüt­telt haben, einem fal­schen Ideal vom Stu­dium hin­ter­her­träumen: Jeder stu­diert in Ruhe, für das Durch­dringen des hoch­kom­plexen Uni-Stoffs benö­tigt man schließ­lich Zeit. Wer sein Stu­dium in der Regel­stu­di­en­zeit durch­zieht, wursch­telt sich irgendwie durch und bleibt dabei doch nur an der Ober­fläche. Gerade in den Gesell­schafts­wis­sen­schaften ist diese Ansicht ver­breitet. Dort herrscht noch stärker das Bild vor, vor­wie­gend wegen des Inter­esses zu studieren.

Ein­ge­bildet ausgebildet

Das ist auch nicht falsch. Aus­schließ­lich für den Beruf sollte nie­mand stu­dieren. Trotzdem ist es ratsam, zwei Funk­tionen des Stu­diums zu unter­scheiden: Bil­dung und Aus­bil­dung. Ich kann mich so infor­mieren, wie ich möchte; ande­rer­seits habe ich am Ende ein Zeugnis in der Hand, mit dem ich bes­sere Chancen auf dem Berufs­markt habe.

Kann man beide Funk­tionen ver­binden, spricht nichts dagegen. Aber gerade in Berlin kann man sich auch außer­halb der Uni bes­tens bilden. Tau­sende Mög­lich­keiten stehen plötz­lich in Kon­kur­renz zu den Uni-Veranstaltungen, die viel­leicht nicht lang­weilig, aber auch nicht gerade span­nend wie ein Krimi sind. Was spricht dagegen, sich an der Uni auf das Nötigste zu beschränken und die freie Zeit zu nutzen, um sich wirk– lich nach seinen Inter­essen und Vor­lieben zu bilden? Zumindest in den Sozi­al­wis­sen­schaften lernt man das meiste Wich­tige außer­halb der Hochschul-Veranstaltungen.

Des­wegen darf man die Uni auch ruhig schnell wieder ver­lassen, wenn man auf einen span­nenden Beruf hofft. Wer hin­gegen lieber das halbe Jahr lang ver­reist und in der anderen Hälfte dicke Wälzer liest, soll das machen. Des­wegen ist der Zwang zu einem kür­zerem Stu­dium auch so schlimm. Jeder soll so schnell oder langsam stu­dieren, wie er oder sie möchte.

Diese Posi­tion muss man ver­tei­digen gegen­über den Kar­rie­risten und Mark­tra­di­kalen, die glauben, der Staat könne ein län­geres Stu­dium nicht finan­zieren. Was aus­ge­spro­chener Quatsch ist, schließ­lich kosten 10 Jahre à 5 Vor­le­sungen genauso viel Geld wie 5 Jahre à 10 Vor­le­sungen. Diese Posi­tion muss man aber leider auch gegen­über den Studis ver­tei­digen, die sich Diplom, Magister und Staats­ex­amen zurück­wün­schen und dabei für all die­je­nigen nur einen abschät­zigen Blick über haben, die ihr Stu­dium schnell beenden wollen. Ich bin übri­gens gerade fertig geworden.

Originalquelle: stadtstudenten.de

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