Archiv der Kategorie 'der Freitag'

Nukleare Amnesie

Früher war man sich einig, nun streiten Union, FDP und Grüne über den Abzug der US-Bomben

Von Felix Werdermann

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Kim Jong-un und Donald Trump drohen mit einem Atomkrieg – und Deutschland? Ist mitten drin in der nuklearen Aufrüstungsspirale! In Büchel, Rheinland-Pfalz, sind US-Atombomben gelagert, die modernisiert werden sollen. Die amtierende Bundesregierung boykottiert auf Druck der USA das UN-Atomwaffenverbot. Wird es mit einer Jamaika-Koalition einen Wandel in der Atompolitik geben? (mehr…)

Büchel ohne Bomben

Die Regierung gratuliert den Atomwaffengegnern zum Friedensnobelpreis. Sie sollte lieber handeln

Von Felix Werdermann

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Es ist eine mutige Entscheidung des norwegischen Komitees. Der Friedensnobelpreis geht 2017 an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Das ist ein politisches Statement: für das internationale Atomwaffenverbot, gegen den Boykott der Atomwaffenstaaten und ihrer Verbündeter wie Deutschland. (mehr…)

Bonner Wetter

Klimaschutz ist die soziale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Doch die Politik verharrt im Nichtstun

Von Felix Werdermann

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Auf den ersten Blick ist die Tatsache lustig, auf den zweiten sehr ernst: Die Fidschi-Inseln übernehmen in diesem Jahr die Präsidentschaft für die Weltklimakonferenz, doch der Gipfel findet in Deutschland statt – dem Inselstaat fehlt es an Infrastruktur und Kapazitäten zur Ausrichtung des zweiwöchigen Mega-Events. Daher werden die Tausende Diplomaten, Politiker und Beobachter ab kommendem Montag in Bonn erwartet, dem Sitz des UN-Klimasekretariats. Deutschland hilft den Fidschi-Inseln, also alles paletti? Die Ausrichtung der diesjährigen Konferenz wirft ein Licht auf die strukturelle Ungleichheit in den Verhandlungen über die internationale Klimapolitik. Wer die Ressourcen hat, kann bestimmen, wohin die Reise geht. (mehr…)

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„Flexitarier sind Wähler“

Fleischkonsum ist keine Privatsache, sagt der vegane Filmemacher Marc Pierschel. Den Parteien fehlt Mut

Interview: Felix Werdermann

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Nur ein Tag pro Woche mit ausschließlich vegetarischen und veganen Angeboten in öffentlichen Kantinen – als CDU und Bild diese Idee der Grünen im Vorfeld der Bundestagswahlen 2013 skandalisierten, entlud sich Schimpf und Schande über der Partei. Wegen des Veggiedays musste sie sich als „Verbotspartei“ geißeln lassen. Kann man von den Menschen verlangen, dass sie weniger Fleisch essen? In seinem Dokumentarfilm The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch zeigt Marc Pierschel, wie Menschen mit Schweinen zusammenleben anstatt sie zu essen.

der Freitag: Herr Pierschel, Sie haben für Ihren Film zwei Jahre lang über eine mögliche Zukunft ohne Fleisch recherchiert. Können Sie mir ein gutes Argument für das Fleischessen nennen?

Marc Pierschel: Ich kann Ihnen viele Argumente dagegen nennen. Aber dafür fällt mir kein gutes ein.

Warum essen so viele Fleisch?

Weil sie es gewohnt sind. Weil sie sich nicht mit dem Problem auseinandergesetzt haben. Und weil es gesellschaftlich akzeptiert ist.

Welche Folgen hat der Fleischkonsum für die Umwelt?

Die Tierhaltung ist in großem Maße verantwortlich für den Klimawandel. Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen besagt, dass rund 18 Prozent aller Treibhausgase durch die Fleischproduktion verursacht werden – das ist mehr als der gesamte Verkehr! Zudem ist der Flächenverbrauch gigantisch. Etwa 70 Prozent des Regenwalds wurde abgeholzt, um Futtermittel anbauen zu können. Die Wasserverschmutzung ist ein großes Problem, auch in Deutschland. Nicht zuletzt ist die Fleischproduktion auch mit dem Hunger in der Welt verknüpft: Die Hälfte des angebauten Getreides wird an Tiere verfüttert, wobei man das auch direkt konsumieren könnte und so unterm Strich deutlich mehr Essen für die Menschen hätte.

Lässt sich der Klimawandel stoppen, ohne etwas an der Fleischproduktion zu ändern?

Auf keinen Fall. Wo der Wohlstand wächst, da steigt der Fleischkonsum, beispielsweise in China und Indien. Und in Deutschland und anderen Industrienationen stagniert der Konsum auf einem viel zu hohen, auch gesundheitlich höchst bedenklichen Niveau. Wenn es so weiter geht, werden wir die globalen Klimaziele ganz sicher krachend verfehlen.

Was sollte die Politik tun?

Als erstes muss die staatliche Unterstützung der Massentierhaltung aufhören. Die europäischen Agrarsubventionen für Tierhalter gehören abgeschafft, zudem sollte für Tierprodukte der volle Mehrwertsteuersatz gelten. Fleischprodukte müssen teurer, pflanzliche Alternativen billiger werden, das wäre das wirkungsvollste.

Das ist ein Vorschlag des Umweltbundesamts.

Ja. Die Fachexperten sehen, dass es sinnvoll wäre, aber die Leute, die es politisch durchsetzen müssen, trauen sich nicht.

Die Grünen fordern das Ende der Massentierhaltung. Dabei kommt es auf die Haltungsbedingungen an und nicht auf die Zahl der Tiere in einem Stall.

Die Massentierhaltung steht für extreme, rein wirtschaftliche Effizienz: Viele Tiere, minimaler Platz – und Töten, sobald sich das Weiterleben eines Tiers für den Bauern nicht mehr rentiert. Es ist gut, wenn die Grünen die Massentierhaltung abschaffen wollen.

Was wollen die anderen Parteien?

Die Linke ist auch sehr offen für Tierschutz, bei den anderen Parteien sieht es eher mau aus. Die wagen keine mutigen Vorstöße.

Gibt es denn einzelne Politiker, die Vorreiter sind?

Es gibt einige Grüne, die vegan leben, zum Beispiel Sven Kindler, der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion. Aber auch andere Politiker bringen das Thema voran: Die SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks hat sich mit ihrer Plakatkampagne zur Massentierhaltung weit aus dem Fenster gelehnt. Da hieß es zum Beispiel: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Wegen Beschwerden der Agrarindustrie wurde die Kampagne dann zurückgezogen.

Sie selbst essen kein Fleisch?

Mein Vater war Kaninchenzüchter und hat die Tiere geschlachtet. Mit 17 hatte ich keine Lust mehr, die Kaninchen zu essen, mit denen ich früher gespielt hatte. Vier Jahre später habe ich den Schritt zum Veganismus gemacht und verzichte seitdem auf alle Tierprodukte.

Was ist an Milch und Eiern so schlimm?

Die Kühe müssen immer wieder geschwängert werden. Die Kälber sind der Abfall der Milchindustrie. Für Eier werden die männlichen Küken aussortiert und geschreddert oder vergast, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen haben.

Viele Fleischesser argumentieren: Der Mensch ist ein Allesesser. Was sagen Sie dazu?

Klar, gesundheitlich kann der Mensch alles essen. Die ethischen und ökologischen Probleme bleiben aber bestehen. Das sind Themen, die uns alle betreffen. Daher ist der Fleischkonsum keine Privatsache, sondern hoch politisch.

Wenn die Bauernlobby so stark ist, bestehen dann überhaupt realistische Chancen, mehr Tierschutz durchzusetzen?

Die Zahl der Veganer und Vegetarier wächst – und auch die der Flexitarier, also der Menschen, die sich bewusst entschieden haben, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Zudem rückt das Wohl der Tiere in den Fokus der Öffentlichkeit. Das beeinflusst die Wahlentscheidung der Menschen und so die Parteien.

Wie viele Veganer und Vegetarier leben denn in Deutschland?

Nach Schätzung der Organisation ProVeg sind es 1,6 Prozent Veganer, zehn Prozent Vegetarier und 56 Prozent Flexitarier. Die Fleischkonzerne, die nun auch vegetarische und vegane Produkte herstellen, haben nicht die kleine Gruppe an Veganern im Blick, sondern die große Masse an Flexitariern.

Veganismus ist trotzdem ein Nischenthema, oder?

Inzwischen ist das Stigma weg, dass Veganer die verrückten Exoten sind, die immer nur Müsli essen. In der letzten Zeit sind wahnsinnig viele Kochbücher erschienen. Vegan steht für ein gesundheitsbewusstes Leben.

Kann es eine Gesellschaft ohne Fleisch geben?

Es wird natürlich Hardliner geben, die weiter Fleisch essen. Aber das werden womöglich die Exoten sein, wie es früher die Veganer waren. Vielleicht nehmen wir auch den Umweg über das Kulturfleisch. Wenn das echtes Fleisch ersetzen kann, dann ist die Massentierhaltung obsolet.

Was ist Kulturfleisch?

Da werden Zellen vom Tier genommen, wobei das Tier nicht verletzt wird. Anschließend werden diese Zellen im Labor vermehrt, in einer Nährlösung. Wenn es genug Zellen gibt, kann man daraus ein Stück Fleisch herstellen. Im Prinzip ist das schon jetzt möglich.

Glauben Sie, dass Kulturfleisch als Essen akzeptiert wird?

Zunächst müssen wir von der Vorstellung weg, dass Kulturfleisch aus dem Labor kommt. Gezüchtet wird es in großen Tanks zur Fermentation. Es wird Läden geben mit solchen Tanks – und da bestellt man sich seine Fleischsorte. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das billiger als echtes Fleisch. Dann wird sich das durchsetzen. Mich hat bei meiner Filmrecherche echt überrascht, wie weit die Biotechnologie fortgeschritten ist – eine wachsende Industrie, die den Markt komplett ändern kann.

Marc Pierschel hat in Münster Soziologie studiert, 2002 das Veganismus-Kollektiv Roots of Compassion mitgegründet und Bücher sowie Filme veröffentlicht. The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch startet am 14. September in den deutschen Kinos

Originalquelle: freitag.de

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Das Kapital hat schon gewählt

Gegen eine mögliche Einflussnahme der Privatwirtschaft auf die Politik würde vor allem eines helfen: Ein Verbot von Unternehmensspenden

Von Felix Werdermann

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Die Bürger werden am 24. September wählen, das Kapital hat bereits entschieden. Schwarz-Gelb soll die Geschicke des Landes lenken. Die Konservativen und Liberalen haben mit Abstand die meisten Großspenden aus der Wirtschaft erhalten. Seit Anfang des Jahres meldete die CDU mehr als 1,9 Millionen Euro, die FDP fast 1,6 Millionen Euro. Grüne und SPD bekamen jeweils 100.000 Euro, die Linke nimmt grundsätzlich keine Firmenspenden an. (mehr…)

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Die Bundesregierung kuscht

CDU, CSU und SPD boykottieren aussichtsreiche UN-Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot. Kann das den UN-Prozess stoppen?

Von Felix Werdermann

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Die Rollen sind klar verteilt. Donald Trump und Wladimir Putin überbieten sich mit nuklearen Aufrüstungsfantasien, Nordkorea zündelt immer wieder gerne – aber zumindest Deutschland setzt sich konsequent für eine Welt ohne Atomwaffen ein. In Wirklichkeit hat dieses Bild einen gravierenden Schönheitsfehler: Die Bundesregierung boykottiert die aktuellen Gespräche über ein Verbot dieser Massenvernichtungswaffen. (mehr…)

Gefährliche Fracht

Erstmals sollen Castoren per Schiff durch Deutschland transportiert werden. Kann das sicher sein?

Von Felix Werdermann

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Wir paddeln uns x-tausendmal quer! Wird das der neue Slogan der deutschen Anti-AKW-Bewegung? In diesem Jahr soll hochradioaktiver Atommüll erstmals per Schiff durch Deutschland transportiert werden. Umweltschützer wollen auf dem Wasser demonstrieren. Einen Vorgeschmack gab es vor eineinhalb Wochen: Rund 150 Aktivisten paddelten als „Protestflotte“ einen Teil der geplanten Route auf dem Neckar entlang, ausgerüstet mit Anti-Atom-Fahnen und begleitet von überdimensionierten gelben Badeenten, denen sie Piratentuch und Augenklappe verpasst hatten. Noch ist alles ein Schönwetter-Ausflug. Doch wenn es ernst wird, wollen sie die Castoren mit ihren Booten blockieren. (mehr…)

Fragwürdige Statistik

Flüchtlinge begehen mehr Straftaten als früher, die Rechten ebenfalls. Doch die Zahlen des Innenministers sollte man lieber nicht zu ernst nehmen

Von Felix Werdermann

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Journalisten lieben Zahlen. Sie sind präzise und objektiv. Man braucht sie bloß abzuschreiben – und schon ist der eigene Text über jede Kritik erhaben. Doch so wichtig Statistiken sind, so notwendig ist ein kritischer Blick auf sie. Wo kommen die Daten her? Was sagen sie wirklich aus? Oft wird die Interpretation gleich mitgeliefert – etwa vom Innenministerium zu der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik. Die offizielle Deutung ist allerdings sehr fragwürdig. (mehr…)

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Packen wir’s an

Nach dem Schock der US-Wahl wurde auf der Klimakonferenz in Marrakesch Zweckoptimismus verbreitet. Doch die bisherigen Zusagen reichen nicht aus

Von Felix Werdermann

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Den Flug konnte er sich sparen und trotzdem war er auf der Klimakonferenz in Marrakesch präsent wie kein anderer: Donald Trump. Ist internationaler Klimaschutz mit dem neuen US-Präsidenten überhaupt möglich? Diese Frage trieb die Diplomaten um – und löste Reflexe aus: Es wird schon alles gut gehen. Doch so wird Klimaschutz nicht funktionieren. (mehr…)

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Der Politik fehlt der Mut

Die Energiekonzerne zahlen viel Geld und übergeben ihre Verantwortung für die Endlagerung an den Staat. Die Idee ist gut, die Umsetzung mangelhaft

Von Felix Werdermann

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Die Atomkonzerne können sich für 23,6 Milliarden Euro von sämtlichen Kosten für Zwischen- und Endlagerung ihres Strahlenmülls freikaufen. Ist das ein Aufreger? Ja und nein. Die Steuerzahler werden am Ende höchstwahrscheinlich auf Milliardenkosten sitzen bleiben. Allerdings ist der Ansatz durchaus richtig: Der Staat muss die Entsorgung selbst in die Hand nehmen und darf diese Aufgabe nicht den Atomkonzernen überlassen. Die haben nämlich ein Interesse am günstigsten, nicht am sichersten Endlager. (mehr…)

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