Archiv der Kategorie 'Neues Deutschland'

Volle Haftung für Reaktoren

Atomausstieg durch Haftpflichtversicherung – das ist die Idee hinter einer neuen Unterschriftensammlung von Atomkraftgegnern im Internet. Wenn Betreiber vom Bund zu einer Betriebshaftpflicht verpflichtet würden, für sämtliche Kosten aufzukommen werde Atomstrom unbezahlbar.

Von Felix Werdermann

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Es gibt viele Gründe für das Ende der Atomenergienutzung, doch einer dürfte selbst eingefleischte Befürworter ins Grübeln bringen: Der Betrieb der Reaktoren ist nur zu einem geringen Teil versichert. Kommt es zu einem großen Unfall, müsste die Bevölkerung für die Schäden aufkommen. Dieses Argument macht sich ein Online-Appell der Initiative ausgestrahlt zunutze. Seit Dienstag haben bereits über 3000 Menschen unterschrieben (www.ausgestrahlt.de). (mehr…)

Atomkraftwerke einsparen

Es ist wirtschaftlich, sicher und umweltfreundlich: Durch Stromsparen ließen sich in Deutschland bis zum Jahr 2020 mindestens neun Atomkraftwerke überflüssig machen.

von Felix Werdermann

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Nach dem Atomunfall in Japan wird auch in Deutschland über einen schnelleren Atomausstieg diskutiert. Da rechnet sich auch die vor Kurzem gegründete Energieeffizienz-Lobby Deneff Chancen aus: Gestern legte sie einen Vorschlag für ein 10-Punkte-Sofortprogramm vor, mit dem der Atomausstieg schnell und wirtschaftlich zu machen sei. In dem Branchenverband Deneff sind Unternehmen zusammengeschlossen, die etwa Gebäude sanieren oder energiesparende Geräte vermarkten – sie profitieren also von Energieeffizienz-Maßnahmen. (mehr…)

Wissenschaftler gegen Atomkraft?

Professor Schluchter über einen neuen Internetaufruf / Prof. Wolfgang Schluchter, 67, leitet den Lehrstuhl für sozialwissenschaftliche Umweltfragen an der TU Cottbus

Interview: Felix Werdermann

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ND: Sie sind Initiator des Aufrufs »Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Ausstieg aus der Kernenergie«. Warum sollten gerade Professoren und Privatdozenten ihre Stimme erheben?

Schluchter: Ich habe nach der Atomkatastrophe in Japan mit vielen Kolleginnen und Kollegen gesprochen. Sie alle waren der Meinung, dass wir als Wissenschaftler das Gewicht unserer Stimmen nutzen sollten. Wir verstehen uns als Elite, ohne aber andere diskriminieren zu wollen. Hinterher kann jedenfalls niemand behaupten, die Wissenschaft hätte nichts gesagt. (mehr…)

„Atom-Anne“ ist zurück

Eigentlich kann einem Atomkonzern nichts schlimmeres passieren als ein Tschernobyl oder ein Fukushima: Die Börsenkurse des französischen Konzerns Areva sanken in den letzten Wochen, Aufträge wurden abgesagt und Stimmung gegen die Atomlobby gemacht. Doch von Depression keine Spur: Der Konzern hält schon wieder Ausschau nach neuen Geschäftspartnern und die Areva-Chefin wird als Retterin gefeiert.

Von Susanne Götze und Felix Werdermann

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Seit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima laufen die Geschäfte des französischen Atomkonzerns Areva schlecht: Wichtige Partner in China, Südafrika, Indien und Deutschland sind ins Zweifeln gekommen, haben Moratorien verhängt und Neubauten in Frage gestellt. Sogar die französische Behörde für nukleare Sicherheit (Autorité de sûreté nucléaire), denkt seit letzter Woche darüber nach, den Bau des französischen Druckwasserreaktores EPR auszusetzen.

Doch trotz aller Unkenrufe sieht die Atomwirtschaft auch nach der Katastrophe in Fukushima großes Potential für neue Reaktoren. Nach einer internen Einschätzung Arevas gebe es außerhalb Japans keinen Grund, die atomaren Ausbaupläne zu stoppen. Neubauten könnten sich jedoch verzögern, weil eventuelle neue Sicherheitsstandards vorgeschrieben würden. Das französische Netzwerk »Atomausstieg« hatte ein entsprechendes Firmenpapier im Internet veröffentlicht. Es handelt sich um eine vorläufige Einschätzung der Auswirkungen von Fukushima auf die Atomindustrie vom 25. März, also zwei Wochen nach dem Unfall. (mehr…)

Die banale Gefahr des Komplexen

Die Bundesregierung lässt untersuchen, ob die deutschen Reaktoren gegen Flugzeugabstürze oder Erdbeben geschützt sind. Andere Risiken werden dabei außer Acht gelassen. Dabei zeigen die schweren Katastrophen der Vergangenheit, dass gerade die unerwarteten Fehler im Kleinen gefährlich werden können – oder auch menschliches Versagen.

Von Felix Werdermann

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Es ist ein lauter, aufdringlicher Ton. Durchgehend, immer in der gleichen Höhe. Alarm im Atomkraftwerk Brokdorf. Der Schichtleiter Peter Rückert steht auf, vor einem Pult mit hunderten Knöpfen versammelt sich seine Mannschaft. Rückert fasst sich an sein Kinn, es herrscht Ratlosigkeit. Dann wird auf dem Schaltplan aus Papier nach einem Fehler gesucht. Irgendwann hört der Ton auf, niemand weiß wieso. Später geht das Geheule wieder los. (mehr…)

Sicher ist nur das Risiko

Bundesregierung und Atomkraftwerksbetreiber bemühen sich, Ängste aus der Bevölkerung kleinzureden. Tenor: Eine Katastrophe wie in Japan könne hierzulande nicht passieren. In Wirklichkeit gibt es zahlreiche Sicherheitsrisiken – drei von ihnen werden im Folgenden vorgestellt.

Von Felix Werdermann

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Erdbeben

Durch Erschütterungen können Anlagenteile eines Atomkraftwerks ausfallen. Wichtige Komponenten sind deshalb mehrfach vorhanden. Kommt es zu einem Erdbeben, soll mit den noch funktionstüchtigen Anlagenteilen zumindest ein sicheres Abschalten möglich sein. Die deutschen Meiler sind so gebaut, dass sie Erdbeben standhalten – allerdings nur bis zu einer gewissen Stärke. Diese bemisst sich an den größtmöglichen Erschütterungen, die nach den damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen in einem Umkreis von 200 Kilometern auftreten können.

In der Nähe des hessischen Atomkraftwerks Biblis wurden diese Werte jedoch mehrmals überschritten. Die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW listet acht Beben auf, die für den Uraltreaktor hätten problematisch werden können. Zwei Mal war der Befund eindeutig: Die Erde wackelte stärker als beim Bau des neueren Blocks B angenommen wurde – glücklicherweise fast 100 Kilometer entfernt. Die IPPNW klagt seit Jahren gegen das Kraftwerk, unter anderem wegen mangelnder Auslegung gegen Erdbeben. (mehr…)

Studium statt Politik

Ein Treffen weniger im Terminkalender der linken Szene: Dieses Jahr wird es keinen BUKO-Kongress geben. Seit über 30 Jahren wird die mehrtägige Veranstaltung jährlich von der Bundeskoordination Internationalismus organisiert. Doch für 2011 hat sich keine Gruppe gefunden, die den Kongress in ihrer Stadt vorbereiten möchte. Schuld könnte das zunehmend verschulte Studium sein.

von Felix Werdermann

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Der Termin um Christi Himmelfahrt ist eigentlich schon reserviert: Jedes Jahr findet über die Feiertage der BUKO statt, ein Treffen, bei dem sich mehrere hundert Aktivisten aus dem undogmatischen linksradikalen Spektrum austauschen. Hier treffen sich Junge und Alte, Umweltschützer und Friedensaktivisten, Antirassisten und Menschenrechtsverteidiger. Auf dem Programm stehen Diskussionen, Workshops und Aktionen – alles organisiert von der Bundeskoordination Internationalismus und einer Vorbereitungsgruppe vor Ort. (mehr…)

Wider Kohle, Kommerz und Konkurrenz

Im SO 36 in Kreuzberg findet am Mittwochabend wieder der monatliche Nachtflohmarkt statt

von Felix Werdermann

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Es herrscht ohrenbetäubender Lärm in der Arztpraxis. Andreas Wallbaum aber sitzt ruhig an seinem Tisch. Er trägt einen langen, weißen Kittel, an der linken Brusttasche ist in roter Farbe etwas eingestickt: »Dr. Hartz«. Unter diesem Namen ist Wallbaum bekannt. Er hat nie Medizin studiert, sondern berät Arbeitslose, wie hier auf dem Nachtflohmarkt im alternativen Klub SO 36. Der Schuppen in Kreuzberg verwandelt sich einmal pro Monat, so auch am morgigen Mittwochabend, in eine kleine Einkaufsmeile. Die Gänge zwischen den Tischen sind keine zwei Meter breit, vor allem junge Leute drängeln sich. Zwischen 20 und 23 Uhr werden Bücher, Kleider oder Sammlerstücke verkauft – wie auf jedem anderen Flohmarkt. Und doch ist der Flohmarkt im SO 36 etwas anderes. Hier geht es nicht um Kohle, Kommerz und Konkurrenz. Hier geht es um Freude, Freundschaft und Freiheit. (mehr…)

Der späte Verweigerer

Jan gehört zu den letzten Wehrpflichtigen. Anfang des Jahres wurde er einberufen. Doch nach drei Tagen war klar: Er möchte raus

Von Felix Werdermann

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Die Autos parken in entgegengesetzter Richtung. Die beiden Fahrer lassen ihre Fenster runter. Sie könnten miteinander reden ohne auszusteigen, aber sie schweigen sich an. Und essen ihre Burger von McDonalds. Jan und Thomas* sind befreundet. Der Parkplatz ist leer, aus zehn Metern Entfernung leuchtet eine Laterne, das Autoradio ist so leise, dass es vom Rauschen der Hauptstraße übertönt wird. Dann muss Jan los. »Ich drücke dir die Daumen«, sagt Thomas. Sein Freund hat am heutigen Abend einen schweren Weg vor sich. (mehr…)

Niemand haftet für Methan-Leck in der Nordsee

Aus einem Bohrloch vor der schottischen Küste sprudeln enorme Mengen des Treibhausgases Methan. Doch niemand erklärt sich verantwortlich – weder die britische Tochter des Ölkonzerns Mobil noch die britische Regierung. Auch die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.

Von Felix Werdermann

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Nicht immer sind Unfälle der Ölindustrie so spektakulär wie im Golf von Mexiko. Als die britische Tochter des Mobil-Konzerns vor der schottischen Küste versehentlich eine Blase mit klimaschädlichem Methan anbohrte, hatte das kaum Folgen für das Unternehmen. Doch seit inzwischen über 20 Jahren sprudeln Treibhausgase aus dem Bohrloch. Die Emissionen tauchen in offiziellen Statistiken nicht auf.

Im Oktober 2010 wies Hans-Jochen Luhmann, Wissenschaftler am Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, im Online-Magazin »klimaretter.info« auf das Problem des sogenannten Blowouts hin. Die Linksfraktion nahm dies zum Anlass, eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zu richten. Nun liegt die Antwort vor. Fazit: Während sich die britische Regierung aus der Verantwortung stiehlt, ist nicht absehbar, dass das Problem jemals auf europäischer Ebene thematisiert wird. (mehr…)