Tag-Archiv für 'bewegung'

„Wir stehen vor einer neuen Aufrüstungswelle“

Der weltgrößte Friedenskongress findet am kommenden Wochenende statt. Organisator Reiner Braun erläutert, wie sich die momentane Schwäche der Bewegung überwinden lässt

Interview: Felix Werdermann

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Der Freitag: Herr Braun, Sie gehören zu den Organisatoren des IPB-Weltkongresses unter dem Motto „Disarm – for a climate of peace“ (Abrüsten – für ein Klima des Friedens). Die Konferenz geht von der Annahme aus, dass weltweit die Rüstung überfinanziert, der Frieden unterfinanziert sei. Lässt sich das belegen?

Reiner Braun: Es gibt leider kaum belastbare Zahlen. Aber wir haben versucht, das Verhältnis zu ermitteln zwischen Geldern für Friedensforschung und zivile Konfliktbearbeitung einerseits und Rüstungsausgaben andererseits. Wir sind bei ungefähr 1:50.000 rausgekommen, und das war konservativ gerechnet. (mehr…)

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Start einer neuen Bewegung

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Anhänger des 
Effektiven Altruismus. Die Bewegung fasst nun hierzulande Fuß. Aktive glauben an eine große Zukunft

Von Felix Werdermann

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Das provisorische Büro sieht unverdächtig aus, doch es könnte die Keimzelle für eine neue Bewegung in Deutschland sein. Berliner Altbauwohnung, vierter Stock, hohe Decken, große Fenster, keine Bilder, keine Pflanzen, nur zwei Tische. Fünf junge Männer sitzen vor ihren Laptops, hauen in die Tasten, chatten auf Facebook. Sie werben für den Effektiven Altruismus. Die Idee: Wir sollten mit unserer Zeit und unserem Geld möglichst effizient umgehen, um möglichst viel Gutes zu tun. Globale Armut bekämpfen, Tierleid mindern, existenzielle Risiken für die Menschheit ausschließen.

In anderen Ländern ist die Bewegung schon stärker, besonders in den USA und Großbritannien, aber auch in der Schweiz. Dort hat die Stiftung für Effektiven Altruismus ihren Sitz, die jetzt nach Deutschland expandiert. Tobias Pulver gehört zur „Vorhut“, wie er es nennt. Der 25-Jährige hat Politikwissenschaft studiert, an der Uni Zürich kam er mit dem Effektiven Altruismus in Kontakt, nach seinem Bachelor-Abschluss entschied er sich gegen ein Masterstudium und arbeitete lieber für die Stiftung. Erst in Basel, seit Anfang März in Berlin.

„Wir wollen unsere Arbeit auf den kompletten deutschsprachigen Raum ausweiten“, sagt Pulver. Berlin hat aber noch einen weiteren Vorteil: „Es lebt sich günstig hier. Wir können mit den gleichen Ressourcen mehr Leute anstellen.“ Da ist er wieder, der Effizienz-Gedanke. Wäre dann nicht ein Büro in einem Entwicklungsland am sinnvollsten? „Das war tatsächlich eine Überlegung“, sagt Pulver. „Dagegen spricht aber, dass wir eine Bewegung aufbauen wollen. Dafür müssen wir vor Ort sein.“ Konferenzen organisieren, Vorträge halten, Leute treffen. Einige deutsche Ortsgruppen hat die Stiftung bereits: Bayreuth, Berlin, München, Osnabrück, Stuttgart.

Lohnverzicht als Spende

In der Hauptstadt soll nun die neue Zentrale entstehen. Bisher ist das nur eine WG aus jungen Menschen, die für die Stiftung arbeiten oder dem Effektiven Altruismus nahestehen. Die Küche ist noch nicht eingebaut, ein Zimmer dient vorläufig als Arbeitszimmer. In den kommenden Monaten sollen bessere Räume gefunden werden und das Büro ausziehen.

Die Stiftung beschäftigt rund 20 Leute, davon fünf in Deutschland. Einer von ihnen ist Stefan Torges. „Es geht darum, die Idee bekannt zu machen und gerade bei jungen Leuten ethische Karrierewahlen in den Fokus zu rücken.“ Sprich: Welchen Beruf soll ich wählen, um am meisten Gutes zu bewirken? Beispielsweise kann es sinnvoll sein, viel zu verdienen, um viel zu spenden.

Bei der Stiftung hingegen bekommen die Mitarbeiter nur sehr wenig bezahlt. Torges beispielsweise erhält den gesetzlichen Mindestlohn, im Monat sind das rund 1.100 Euro netto. „Ich komme damit aus“, sagt der 24-Jährige. Andere bekommen nur wenig mehr. Langfristig will die Stiftung aber höhere Gehälter zahlen, erklärt Tobias Pulver. Im Moment hätten viele keine Familie, bräuchten nicht so viel Geld. „Wir setzen uns mit den Leuten zusammen und besprechen: Was ist deine Erwartung, damit du motiviert arbeiten kannst?“ Der Lohnverzicht sei eine Art Spende für die Bewegung. Es gebe daher auch keinen Neid auf Besserverdienende innerhalb der Stiftung. „Die Leute sind stolz, wenn sie weniger verdienen als andere.“

Welche Zukunft hat die Bewegung für Effektiven Altruismus in Deutschland? Bisher ist sie hierzulande noch klein. Eine Facebook-Gruppe für den gesamten deutschsprachigen Raum hat gerade mal 1.000 Mitglieder. Allerdings hat die Bewegung gerade unter jungen Leuten großen Zulauf. Im Prinzip lässt sie sich mit drei Worten beschreiben: jung, männlich, vegetarisch. Pulver und Torges berichten, dass nur wenige Aktivisten älter als 30 Jahre seien. Den Frauenanteil schätzen sie auf ein Drittel. Und rund 80 Prozent lebten vegetarisch, in der Stiftung arbeiteten fast nur Veganer.

Die beiden glauben fest an die Zukunft ihrer Bewegung. Durch Internet und soziale Medien können sich die Interessierten besser vernetzen, das sei für das Entstehen sehr wichtig gewesen. Zudem änderten sich die Moralvorstellungen. Immer mehr Lebewesen würden in den „empathischen Kreis“ einbezogen, meint Torges. Früher war es nur die Familie, dann kamen die Gesellschaft, die Menschheit, die Tiere. Er ist überzeugt: „Es gibt einen ethischen Fortschritt.“

Originalquelle: freitag.de

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Anti-Atom-Bewegung im Stand-by-Modus

Trotz des dramatischen Vorfalls im AKW Fessenheim sind keine Massenproteste geplant. Doch die Bewegung ist immer noch stark – das zeigen die Demos nach Fukushima

Von Felix Werdermann

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Welch ein Horrorszenario: Der Atomreaktor lässt sich nicht mehr steuern. Offiziell war es nur ein kleiner Störfall im französischen Fessenheim nahe der deutschen Grenze. Nun aber hat sich herausgestellt, dass die Lage im April 2014 dramatischer war als bisher bekannt. Eine solche Situation hat es nach Expertenmeinung in Westeuropa noch nicht gegeben. Sind wir nur knapp an einem zweiten Tschernobyl vorbeigeschrammt? Für Atomkraftgegner müsste die Nachricht eigentlich eine Steilvorlage sein. Seit Jahren fordern sie die Abschaltung des Kraftwerks in Fessenheim, das älter ist als jedes deutsche AKW. Doch bundesweit organisierte Massenproteste sind auch jetzt nicht geplant. Die Anti-Atom-Bewegung befindet sich im Stand-by-Modus. (mehr…)

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Widerstand ist zweckvoll

Der unregulierte Freihandel stößt bei vielen Menschen auf heftige Kritik. Wie konnte daraus eine breite Protestbewegung gegen TTIP entstehen?

Von Felix Werdermann

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Die Globalisierungskritik schien schon in Vergessenheit geraten zu sein. Nun erlebt sie ein Comeback. Die Empörung über ungerechte Handelsbeziehungen treibt die Menschen wieder auf die Straße. Am Samstag werden mehr als 50.000 Demonstranten aus ganz Deutschland in Berlin erwartet. Ihr Protest richtet sich gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA sowie gegen den Vertrag CETA zwischen der EU und Kanada.

Das Thema klingt zunächst ziemlich trocken. Internationale Wirtschaftspolitik ist abstrakt und kompliziert. Aber die Folgen sind ganz konkret und betreffen uns alle. Noch vor zwei Jahren hätte das wohl niemand geglaubt: Nun ist innerhalb kürzester Zeit eine große Bürgerbewegung gegen TTIP entstanden. (mehr…)

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Die Zeitung ohne Chef

Von Anarchisten gemacht, auf Demos verkauft: Die „Graswurzelrevolution“ berichtet monatlich über die Themen der Protestbewegungen. Nun ist die 400. Ausgabe erschienen

Von Felix Werdermann

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Anarchisten, das sind doch Chaoten. Werfen Steine, statt sich lange mit Argumenten aufzuhalten. Wie kann es sein, dass sie eine Zeitung herausgeben und dann auch noch so gut organisiert sind, dass es die Zeitung inzwischen fast ein halbes Jahrhundert lang gibt? Die Graswurzelrevolution erscheint monatlich, im Sommer macht sie Pause. Jetzt ist die 400. Ausgabe erschienen. (mehr…)

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„Nicht mehr an die Regierenden appellieren“

Beim UN-Klimagipfel im Dezember wird nichts Brauchbares herauskommen, prognostiziert die Umweltaktivistin Melanie Schubert. Trotzdem mobilisiert die Klimabewegung nach Paris

Interview: Felix Werdermann

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Der Freitag: Frau Schubert, Sie sind Klimaschützerin und engagieren sich in der Gruppe AusgeCO2hlt. Im Dezember soll in Paris ein neues Klimaabkommen beschlossen werden, dieses Jahr ist also ein Schicksalsjahr für die zukünftige Klimapolitik weltweit.

Melanie Schubert: Nicht ganz. Die Diplomaten werden auf der UN-Konferenz nicht die notwendigen Entscheidungen treffen, um die Erderwärmung aufzuhalten oder auch nur einzudämmen. Das müssen wir Aktivisten selber machen. Deswegen wird 2016 mindestens genauso spannend wie 2015. (mehr…)

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Legida und die „Lügenpolizei“

Die Polizei nennt offenbar falsche Demo-Teilnahmezahlen. Doch wer sie der Lüge bezichtigt, macht es sich zu leicht – die Wirklichkeit ist vielleicht noch schlimmer

Von Josephine Schulz und Felix Werdermann

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Ist die große, rechte Pegida-Bewegung bloß eine Erfindung der Polizei? In Leipzig ist ein Streit entbrannt über die Frage, wie viele Menschen am vergangenen Mittwoch als „Legida“ auf die Straße gegangen sind. Die Polizei spricht von 15.000, Soziologen und Fotografen hingegen kommen mit ihren Berechnungen auf gerade mal ein Drittel dessen. Lügen die staatlichen Sicherheitskräfte – zum Beispiel, um das enorme Polizeiaufgebot zu rechtfertigen?

Die Zahlendifferenzen sind zwar gewaltig, trotzdem gibt es keine Hinweise, dass getrickst wurde. Doch diese Nachricht ist kein Grund zu Beruhigung, im Gegenteil. Sie ist vielleicht noch viel erschreckender: Die Angaben der Polizei sind unzuverlässig und kaum zu gebrauchen – und zwar nicht nur bei Legida, sondern bei sämtlichen Demonstrationen. Das lässt sich erklären: Kein Polizist hat je ordentlich gelernt, die Größe einer Demonstration zu schätzen. (mehr…)

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„Andere Antifas werden sich auch auflösen“

Die Antifaschistische Linke Berlin ist am Spagat zwischen Bündnisorientierung und Militanz gescheitert, sagt Protestforscher Simon Teune. Vielen Gruppen gehe es ähnlich

Von Felix Werdermann

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der Freitag: Herr Teune, in dieser Woche hat die Antifaschistische Linke Berlin, ALB, ihre Auflösung erklärt. Ist das überhaupt ein großes Thema? Schließlich gibt es überall in Deutschland Antifa-Gruppen.

Simon Teune: Die ALB war ein zentraler Akteur in der bundesweiten Antifa-Bewegung. Das sieht man schon daran, dass die Internetseite antifa.de von der Gruppe betrieben wurde. Die ALB hat auch jenseits der klassischen Antifa-Arbeit eine wichtige Rolle in vielen großen Mobilisierungen der vergangenen Jahre gespielt, wie zum Beispiel gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm oder bei den Blockupy-Protesten. (mehr…)

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Der APO-Abgeordnete

Hubertus Zdebel ist Umweltpolitiker in der Linksfraktion. Er trifft sich nicht mit Wirtschaftslobbyisten, dafür glaubt er an die Kraft der außerparlamentarischen Bewegung

Von Felix Werdermann

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Es gibt nur wenige Menschen, die sich freiwillig in überfüllte Zugwaggons setzen. Hubertus Zdebel ist einer von ihnen. „Ich wurde schonmal von einer Schaffnerin aufgefordert, mich in den Wagen der ersten Klasse zu begeben“, erzählt er. Als Bundestagsabgeordneter besitzt er nämlich automatisch eine Netzkarte der Bahn, kann kostenlos durch Deutschland fahren, auch in der ersten Klasse. „Aber ich will wissen, was die normalen Menschen denken, worüber sie reden.“ Darum fährt er zweite Klasse. (mehr…)

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Der neue Anti-TTIP-Protest

Gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und USA formiert sich in Deutschland immer mehr Widerstand. Wird er zu einer Bewegung?

Von Felix Werdermann

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Wer am Wochenende zur Europawahl das Haus verlässt, findet womöglich einen Türhänger an der Klinke. „Wählen Sie die Katze im Sack?“, ist darauf zu lesen, weiß auf schwarz. Gedruckt wurden die Pappzettel vom Online-Netzwerk Campact. Sie sind Teil einer Kampagne gegen das Freihandelsabkommen TTIP, das derzeit zwischen EU und USA hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, auch in dieser Woche wieder. Das transatlantische Vorhaben sei eine Gefahr für Umwelt-, Daten- und Verbraucherschutz, für Arbeitnehmerrechte und die Demokratie, wird auf den Zetteln gewarnt. Mit anderen Worten: eine Gefahr für alles, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

TTIP, das hört sich technisch an, zu kompliziert für den einfachen Bürger. Und doch ist das geplante Abkommen zu einem Kristallisationspunkt für eine neue Protestbewegung geworden. Die Dimensionen sind beeindruckend: 6,5 Millionen Türhänger hat Campact verschickt, an 24.000 Bürger. Mehr ging nicht, alle anderen Interessierten müssen sich die Vorlage aus dem Internet herunterladen und die Zettel selbst ausdrucken. Online haben schon fast 500.000 Menschen gegen TTIP unterschrieben. „Das sprengt alle bisherigen Kampagnen“, sagt Maritta Strasser von Campact. (mehr…)

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