Tag-Archiv für 'internet'

Start einer neuen Bewegung

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Anhänger des 
Effektiven Altruismus. Die Bewegung fasst nun hierzulande Fuß. Aktive glauben an eine große Zukunft

Von Felix Werdermann

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Das provisorische Büro sieht unverdächtig aus, doch es könnte die Keimzelle für eine neue Bewegung in Deutschland sein. Berliner Altbauwohnung, vierter Stock, hohe Decken, große Fenster, keine Bilder, keine Pflanzen, nur zwei Tische. Fünf junge Männer sitzen vor ihren Laptops, hauen in die Tasten, chatten auf Facebook. Sie werben für den Effektiven Altruismus. Die Idee: Wir sollten mit unserer Zeit und unserem Geld möglichst effizient umgehen, um möglichst viel Gutes zu tun. Globale Armut bekämpfen, Tierleid mindern, existenzielle Risiken für die Menschheit ausschließen.

In anderen Ländern ist die Bewegung schon stärker, besonders in den USA und Großbritannien, aber auch in der Schweiz. Dort hat die Stiftung für Effektiven Altruismus ihren Sitz, die jetzt nach Deutschland expandiert. Tobias Pulver gehört zur „Vorhut“, wie er es nennt. Der 25-Jährige hat Politikwissenschaft studiert, an der Uni Zürich kam er mit dem Effektiven Altruismus in Kontakt, nach seinem Bachelor-Abschluss entschied er sich gegen ein Masterstudium und arbeitete lieber für die Stiftung. Erst in Basel, seit Anfang März in Berlin.

„Wir wollen unsere Arbeit auf den kompletten deutschsprachigen Raum ausweiten“, sagt Pulver. Berlin hat aber noch einen weiteren Vorteil: „Es lebt sich günstig hier. Wir können mit den gleichen Ressourcen mehr Leute anstellen.“ Da ist er wieder, der Effizienz-Gedanke. Wäre dann nicht ein Büro in einem Entwicklungsland am sinnvollsten? „Das war tatsächlich eine Überlegung“, sagt Pulver. „Dagegen spricht aber, dass wir eine Bewegung aufbauen wollen. Dafür müssen wir vor Ort sein.“ Konferenzen organisieren, Vorträge halten, Leute treffen. Einige deutsche Ortsgruppen hat die Stiftung bereits: Bayreuth, Berlin, München, Osnabrück, Stuttgart.

Lohnverzicht als Spende

In der Hauptstadt soll nun die neue Zentrale entstehen. Bisher ist das nur eine WG aus jungen Menschen, die für die Stiftung arbeiten oder dem Effektiven Altruismus nahestehen. Die Küche ist noch nicht eingebaut, ein Zimmer dient vorläufig als Arbeitszimmer. In den kommenden Monaten sollen bessere Räume gefunden werden und das Büro ausziehen.

Die Stiftung beschäftigt rund 20 Leute, davon fünf in Deutschland. Einer von ihnen ist Stefan Torges. „Es geht darum, die Idee bekannt zu machen und gerade bei jungen Leuten ethische Karrierewahlen in den Fokus zu rücken.“ Sprich: Welchen Beruf soll ich wählen, um am meisten Gutes zu bewirken? Beispielsweise kann es sinnvoll sein, viel zu verdienen, um viel zu spenden.

Bei der Stiftung hingegen bekommen die Mitarbeiter nur sehr wenig bezahlt. Torges beispielsweise erhält den gesetzlichen Mindestlohn, im Monat sind das rund 1.100 Euro netto. „Ich komme damit aus“, sagt der 24-Jährige. Andere bekommen nur wenig mehr. Langfristig will die Stiftung aber höhere Gehälter zahlen, erklärt Tobias Pulver. Im Moment hätten viele keine Familie, bräuchten nicht so viel Geld. „Wir setzen uns mit den Leuten zusammen und besprechen: Was ist deine Erwartung, damit du motiviert arbeiten kannst?“ Der Lohnverzicht sei eine Art Spende für die Bewegung. Es gebe daher auch keinen Neid auf Besserverdienende innerhalb der Stiftung. „Die Leute sind stolz, wenn sie weniger verdienen als andere.“

Welche Zukunft hat die Bewegung für Effektiven Altruismus in Deutschland? Bisher ist sie hierzulande noch klein. Eine Facebook-Gruppe für den gesamten deutschsprachigen Raum hat gerade mal 1.000 Mitglieder. Allerdings hat die Bewegung gerade unter jungen Leuten großen Zulauf. Im Prinzip lässt sie sich mit drei Worten beschreiben: jung, männlich, vegetarisch. Pulver und Torges berichten, dass nur wenige Aktivisten älter als 30 Jahre seien. Den Frauenanteil schätzen sie auf ein Drittel. Und rund 80 Prozent lebten vegetarisch, in der Stiftung arbeiteten fast nur Veganer.

Die beiden glauben fest an die Zukunft ihrer Bewegung. Durch Internet und soziale Medien können sich die Interessierten besser vernetzen, das sei für das Entstehen sehr wichtig gewesen. Zudem änderten sich die Moralvorstellungen. Immer mehr Lebewesen würden in den „empathischen Kreis“ einbezogen, meint Torges. Früher war es nur die Familie, dann kamen die Gesellschaft, die Menschheit, die Tiere. Er ist überzeugt: „Es gibt einen ethischen Fortschritt.“

Originalquelle: freitag.de

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Googles größtes Geheimnis

Justizminister Heiko Maas will, dass Google den Such-Algorithmus „transparent“ macht. Wie soll das gehen? Es gibt nur eine Lösung: eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine

Von Felix Werdermann

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Bisher ist die Financial Times nicht als Satire-Zeitung aufgefallen. Doch was Bundesjustizminister Heiko Maas dort jetzt in einem Interview verlangt, ist schlicht ein Witz. Der Google-Konzern solle offenlegen, wie genau seine Suchmaschine funktioniert. „Am Ende geht es darum, wie transparent die Algorithmen sind, die Google benutzt, um seine Suchergebnisse zu sortieren.“

Man könnte diesen Vorschlag übersetzen mit: Google, bitte verrate doch der ganzen Welt dein Geschäftsgeheimnis. Bitte zerstöre dich selbst. (mehr…)

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Die E-Mail, das unverstandene Wesen

Auch 30 Jahre nach der ersten elektronischen Nachricht haben die Leute noch nicht gelernt, wie sie richtig damit umgehen. Immer wieder kommt es zu heftigen Unfällen

Von Felix Werdermann

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Es war eine kühne Prognose, die in der Computer-Zeitschrift 64′er zu lesen war: „Immer deutlicher zeichnet sich ab, daß die Computer bald auch die Übermittlung von Briefen und Mitteilungen einschneidend verändern werden.“ Wenige Wochen später – heute ziemlich genau vor 30 Jahren – wurde die erste E-Mail verschickt, inzwischen ist die elektronische Kommunikation aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Trotzdem verhalten sich die meisten Menschen im Umgang mit E-Mails wie kleine Kinder, die ein neues Spielzeug entdeckt haben. Das führt regelmäßig zu Katastrophen, wovon es nur die größten in die Berichterstattung der Medien schaffen. (mehr…)

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Warum der Kapuzenpulli?

Der Kapuzenpulli ist durch Stefan Plöchinger zum Protestsymbol geworden – gegen die Überheblichkeit der Print-Journalisten. Was sagt das über dieses Kleidungsstück?

Von Felix Werdermann

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Die Grabenkämpfe zwischen Print- und Onlinejournalismus nehmen inzwischen absurde Formen an. Mittendrin ist Stefan Plöchinger, derzeit Online-Chef der Süddeutschen Zeitung, bald steigt er womöglich in die Chefredaktion auf. Einige leitende Print-Redakteure wollen das verhindern, die Personalie wird zum Thema in der Zeit, danach berichten andere Medien ebenfalls. Nun gibt es eine Solidarisierungswelle mit Plöchinger, dem „Kapuzenpulliträger“. Auf Twitter hat sich der Kapuzenpulli als Schlagwort schon etabliert.

Aber was hat der Konflikt mit einem Kapuzenpulli zu tun? Warum ist dieses Kleidungsstück innerhalb weniger Stunden zum Symbol des Onlinejournalismus geworden? (mehr…)

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Der Mann als Opfer

Ein Kurzfilm im Internet zeigt eine Welt, in der die Rollen von Männern und Frauen vertauscht sind. Die Idee ist genial einfach, aber das Video hat auch Schwächen

Von Felix Werdermann

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Darf man sich über einen Vergewaltigungs-Film freuen? Sex and Crime läuft auch im Internet gut, bei YouTube wurde nun der elfminütige Kurzfilm Majorité Opprimée (auf Deutsch: Unterdrückte Mehrheit) innerhalb weniger Tage mehr als sechs Millionen Mal gesehen. Er ist ein Netzhit, aber einer mit politisch-aufklärerischem Anspruch. Er hält der patriarchalen Gesellschaft den Spiegel vor, indem Regisseurin Éléonore Pourriat eine verkehrte Welt zeichnet. (mehr…)

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Bombige Aktion

Hat eine Piratin die Opfer des Bombenangriffs auf Dresden im Nazi-Deutschland verhöhnt? Die Basis will diskutieren, aber die IT-Experten der Partei zensieren das Internet

Von Felix Werdermann

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Wie war das nochmal mit dem Internet als Infrastruktur, die allen zugänglich sein soll? Sind die Piraten nicht dafür? Jetzt haben die Technik-Administratoren der Partei offenbar das Wiki als Teil der Internetseite, interne Mailinglisten und andere Diskussionsplattformen abgeschaltet. Sie selbst bezeichnen es als „Warnstreik“, das klingt nach Arbeitskampf und Solidarität. Man könnte jedoch auch sagen: Zensur. (mehr…)

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Die Heimlichtuer

Die Bürokraten in deutschen Verwaltungen wehren sich mit Händen und Füßen gegen mehr Transparenz. Das kann schon absurde Blüten tragen, wie zwei aktuelle Fälle zeigen

Von Felix Werdermann

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Die Gesetze lassen sich leicht verändern, die Mentalität in deutschen Verwaltungen nicht. Mittlerweile gibt es auf Bundesebene und in nahezu allen Bundesländern Informationsfreiheitsgesetze, die den Bürgern ermöglichen, Akten von öffentlichem Interesse einzusehen. Viele Bürokraten sind aber offenbar nicht so begeistert von dieser Idee, und sie wehren sich mit Händen und Füßen gegen die neue Transparenz. Das kann schon absurde Blüten tragen. Vielleicht haben die Bürokraten aber auch bloß das Internet nicht verstanden. (mehr…)

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Die Mitmachmacht

Campact hat jetzt mehr als eine Million engagierte Bürger im E-Mail-Verteiler. Was macht Deutschlands größte Online-NGO so erfolgreich? Schadet sie den Protestbewegungen?

Von Felix Werdermann

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Die Zentrale des Online-Protests befindet sich irgendwo zwischen Bremen und Hannover. Am Stadtrand von Verden, einer 30.000-Einwohner-Stadt. Im Ökozentrum wurde einst Attac Deutschland gegründet, heute haben hier viele andere Vereine ihre Büros – auch die bundesweit größte Online-Kampagnen-Organisation Campact.

Vor fast zehn Jahren ging es mit vier Räumen los, heute sind es zwölf; für Campact wurde sogar ein neues Stockwerk auf das Gebäude gesetzt. Inzwischen arbeiten 25 Menschen für Campact, die meisten in Teilzeit. Aus einer kleinen Gruppe engagierter Idealisten ist in wenigen Jahren eine der mächtigsten NGOs geworden. Und sie wächst weiter und weiter. (mehr…)

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„Die Abmahn-Industrie brummt wie nie zuvor“

Die Diskussion über Redtube läuft falsch, sagt der Piraten-Politiker Bruno Kramm. Eigentlich müsse über die Legalisierung der nichtkommerziellen Kopie gesprochen werden

Interview: Felix Werdermann

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der Freitag: Herr Kramm, zehntausende Internetnutzer wurden abgemahnt, weil sie Videos auf Redtube gesehen und damit angeblich gegen das Urheberrecht verstoßen haben. Die Piratenpartei hat dazu Unterlagen zugespielt bekommen und veröffentlicht. Die zeigen, wie eine Anwaltskanzlei mit Massen-Abmahnungen ihr Geld verdient. Sind Sie als Urheberrechtsbeauftragter der Piratenpartei stolz, dass die Öffentlichkeit jetzt endlich über den Umfang dieser Abmahn-Praxis Bescheid weiß?

Bruno Kramm: Redtube ist nur die Spitze vom Eisberg. Unbemerkt von der Öffentlichkeit werden auch zahlreiche andere Internetnutzer wegen angeblicher Urheberrechtsverstöße zur Kasse gebeten – und viele zahlen aus Angst vor unkalkulierbaren Kosten. Die Abmahn-Industrie brummt wie nie zuvor. Sie stellt im Internet Honigtöpfe auf, etwa Videoclips wie zum Beispiel im aktuellen Redtube-Fall. Damit werden Leute angelockt, die gucken das und gegen die wird dann vorgegangen wie im aktuellen Beispiel. (mehr…)

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Die Lehren aus Redtube

Zehntausende Porno-Gucker sollen zahlen, wegen angeblicher Verstöße gegen das Urheberrecht. Wir brauchen eine Klarstellung im Gesetz – und einen öffentlichen Porno-Kanal

Von Felix Werdermann

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Die Huffington Post Deutschland hat offenbar nichts verstanden. Als bekannt wurde, dass Nutzer des Porno-Portals Redtube wegen angeblicher Verstöße gegen das Urheberrecht abgemahnt wurden, veröffentlichte das Online-Magazin eine Art Service-Artikel, wie man denn nun andere Sex-Internetseiten finde. Als ob Redtube geschlossen worden wäre. Als ob man auf anderen Seiten vor Abmahnungen geschützt wäre.

Deutschland erlebt derzeit die größte Abmahnwelle seiner Geschichte. Zehntausende Internetnutzer wurden aufgefordert, 250 Euro zu zahlen und eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Am Wochenende hat die Abmahn-Kanzlei dann angekündigt: Redtube war nur ein „Testballon“. Demnächst wolle man auch gegen Nutzer anderer Portale vorgehen. Wird demnächst ganz Deutschland in die Geiselhaft der Abmahn-Industrie genommen? Die Politik muss dringend handeln und klarstellen: Streaming ist erlaubt. (mehr…)

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