Tag-Archiv für 'klima'

Bonner Wetter

Klimaschutz ist die soziale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Doch die Politik verharrt im Nichtstun

Von Felix Werdermann

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Auf den ersten Blick ist die Tatsache lustig, auf den zweiten sehr ernst: Die Fidschi-Inseln übernehmen in diesem Jahr die Präsidentschaft für die Weltklimakonferenz, doch der Gipfel findet in Deutschland statt – dem Inselstaat fehlt es an Infrastruktur und Kapazitäten zur Ausrichtung des zweiwöchigen Mega-Events. Daher werden die Tausende Diplomaten, Politiker und Beobachter ab kommendem Montag in Bonn erwartet, dem Sitz des UN-Klimasekretariats. Deutschland hilft den Fidschi-Inseln, also alles paletti? Die Ausrichtung der diesjährigen Konferenz wirft ein Licht auf die strukturelle Ungleichheit in den Verhandlungen über die internationale Klimapolitik. Wer die Ressourcen hat, kann bestimmen, wohin die Reise geht. (mehr…)

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„Flexitarier sind Wähler“

Fleischkonsum ist keine Privatsache, sagt der vegane Filmemacher Marc Pierschel. Den Parteien fehlt Mut

Interview: Felix Werdermann

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Nur ein Tag pro Woche mit ausschließlich vegetarischen und veganen Angeboten in öffentlichen Kantinen – als CDU und Bild diese Idee der Grünen im Vorfeld der Bundestagswahlen 2013 skandalisierten, entlud sich Schimpf und Schande über der Partei. Wegen des Veggiedays musste sie sich als „Verbotspartei“ geißeln lassen. Kann man von den Menschen verlangen, dass sie weniger Fleisch essen? In seinem Dokumentarfilm The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch zeigt Marc Pierschel, wie Menschen mit Schweinen zusammenleben anstatt sie zu essen.

der Freitag: Herr Pierschel, Sie haben für Ihren Film zwei Jahre lang über eine mögliche Zukunft ohne Fleisch recherchiert. Können Sie mir ein gutes Argument für das Fleischessen nennen?

Marc Pierschel: Ich kann Ihnen viele Argumente dagegen nennen. Aber dafür fällt mir kein gutes ein.

Warum essen so viele Fleisch?

Weil sie es gewohnt sind. Weil sie sich nicht mit dem Problem auseinandergesetzt haben. Und weil es gesellschaftlich akzeptiert ist.

Welche Folgen hat der Fleischkonsum für die Umwelt?

Die Tierhaltung ist in großem Maße verantwortlich für den Klimawandel. Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen besagt, dass rund 18 Prozent aller Treibhausgase durch die Fleischproduktion verursacht werden – das ist mehr als der gesamte Verkehr! Zudem ist der Flächenverbrauch gigantisch. Etwa 70 Prozent des Regenwalds wurde abgeholzt, um Futtermittel anbauen zu können. Die Wasserverschmutzung ist ein großes Problem, auch in Deutschland. Nicht zuletzt ist die Fleischproduktion auch mit dem Hunger in der Welt verknüpft: Die Hälfte des angebauten Getreides wird an Tiere verfüttert, wobei man das auch direkt konsumieren könnte und so unterm Strich deutlich mehr Essen für die Menschen hätte.

Lässt sich der Klimawandel stoppen, ohne etwas an der Fleischproduktion zu ändern?

Auf keinen Fall. Wo der Wohlstand wächst, da steigt der Fleischkonsum, beispielsweise in China und Indien. Und in Deutschland und anderen Industrienationen stagniert der Konsum auf einem viel zu hohen, auch gesundheitlich höchst bedenklichen Niveau. Wenn es so weiter geht, werden wir die globalen Klimaziele ganz sicher krachend verfehlen.

Was sollte die Politik tun?

Als erstes muss die staatliche Unterstützung der Massentierhaltung aufhören. Die europäischen Agrarsubventionen für Tierhalter gehören abgeschafft, zudem sollte für Tierprodukte der volle Mehrwertsteuersatz gelten. Fleischprodukte müssen teurer, pflanzliche Alternativen billiger werden, das wäre das wirkungsvollste.

Das ist ein Vorschlag des Umweltbundesamts.

Ja. Die Fachexperten sehen, dass es sinnvoll wäre, aber die Leute, die es politisch durchsetzen müssen, trauen sich nicht.

Die Grünen fordern das Ende der Massentierhaltung. Dabei kommt es auf die Haltungsbedingungen an und nicht auf die Zahl der Tiere in einem Stall.

Die Massentierhaltung steht für extreme, rein wirtschaftliche Effizienz: Viele Tiere, minimaler Platz – und Töten, sobald sich das Weiterleben eines Tiers für den Bauern nicht mehr rentiert. Es ist gut, wenn die Grünen die Massentierhaltung abschaffen wollen.

Was wollen die anderen Parteien?

Die Linke ist auch sehr offen für Tierschutz, bei den anderen Parteien sieht es eher mau aus. Die wagen keine mutigen Vorstöße.

Gibt es denn einzelne Politiker, die Vorreiter sind?

Es gibt einige Grüne, die vegan leben, zum Beispiel Sven Kindler, der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion. Aber auch andere Politiker bringen das Thema voran: Die SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks hat sich mit ihrer Plakatkampagne zur Massentierhaltung weit aus dem Fenster gelehnt. Da hieß es zum Beispiel: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Wegen Beschwerden der Agrarindustrie wurde die Kampagne dann zurückgezogen.

Sie selbst essen kein Fleisch?

Mein Vater war Kaninchenzüchter und hat die Tiere geschlachtet. Mit 17 hatte ich keine Lust mehr, die Kaninchen zu essen, mit denen ich früher gespielt hatte. Vier Jahre später habe ich den Schritt zum Veganismus gemacht und verzichte seitdem auf alle Tierprodukte.

Was ist an Milch und Eiern so schlimm?

Die Kühe müssen immer wieder geschwängert werden. Die Kälber sind der Abfall der Milchindustrie. Für Eier werden die männlichen Küken aussortiert und geschreddert oder vergast, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen haben.

Viele Fleischesser argumentieren: Der Mensch ist ein Allesesser. Was sagen Sie dazu?

Klar, gesundheitlich kann der Mensch alles essen. Die ethischen und ökologischen Probleme bleiben aber bestehen. Das sind Themen, die uns alle betreffen. Daher ist der Fleischkonsum keine Privatsache, sondern hoch politisch.

Wenn die Bauernlobby so stark ist, bestehen dann überhaupt realistische Chancen, mehr Tierschutz durchzusetzen?

Die Zahl der Veganer und Vegetarier wächst – und auch die der Flexitarier, also der Menschen, die sich bewusst entschieden haben, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Zudem rückt das Wohl der Tiere in den Fokus der Öffentlichkeit. Das beeinflusst die Wahlentscheidung der Menschen und so die Parteien.

Wie viele Veganer und Vegetarier leben denn in Deutschland?

Nach Schätzung der Organisation ProVeg sind es 1,6 Prozent Veganer, zehn Prozent Vegetarier und 56 Prozent Flexitarier. Die Fleischkonzerne, die nun auch vegetarische und vegane Produkte herstellen, haben nicht die kleine Gruppe an Veganern im Blick, sondern die große Masse an Flexitariern.

Veganismus ist trotzdem ein Nischenthema, oder?

Inzwischen ist das Stigma weg, dass Veganer die verrückten Exoten sind, die immer nur Müsli essen. In der letzten Zeit sind wahnsinnig viele Kochbücher erschienen. Vegan steht für ein gesundheitsbewusstes Leben.

Kann es eine Gesellschaft ohne Fleisch geben?

Es wird natürlich Hardliner geben, die weiter Fleisch essen. Aber das werden womöglich die Exoten sein, wie es früher die Veganer waren. Vielleicht nehmen wir auch den Umweg über das Kulturfleisch. Wenn das echtes Fleisch ersetzen kann, dann ist die Massentierhaltung obsolet.

Was ist Kulturfleisch?

Da werden Zellen vom Tier genommen, wobei das Tier nicht verletzt wird. Anschließend werden diese Zellen im Labor vermehrt, in einer Nährlösung. Wenn es genug Zellen gibt, kann man daraus ein Stück Fleisch herstellen. Im Prinzip ist das schon jetzt möglich.

Glauben Sie, dass Kulturfleisch als Essen akzeptiert wird?

Zunächst müssen wir von der Vorstellung weg, dass Kulturfleisch aus dem Labor kommt. Gezüchtet wird es in großen Tanks zur Fermentation. Es wird Läden geben mit solchen Tanks – und da bestellt man sich seine Fleischsorte. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das billiger als echtes Fleisch. Dann wird sich das durchsetzen. Mich hat bei meiner Filmrecherche echt überrascht, wie weit die Biotechnologie fortgeschritten ist – eine wachsende Industrie, die den Markt komplett ändern kann.

Marc Pierschel hat in Münster Soziologie studiert, 2002 das Veganismus-Kollektiv Roots of Compassion mitgegründet und Bücher sowie Filme veröffentlicht. The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch startet am 14. September in den deutschen Kinos

Originalquelle: freitag.de

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Eine große Luftnummer

Der Flugverkehr soll seine CO2-Emissionen künftig deckeln. Doch das nun beschlossene Abkommen hat viele Lücken

Von Felix Werdermann

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Als der Klimavertrag in Paris endlich stand, haben Politiker und Diplomaten gejubelt. Das war Ende des vergangenen Jahres. Jetzt wäre die Zeit, zu weinen. Die UN-Organisation für zivile Luftfahrt ICAO hat ein nahezu ungebremstes Wachstum des Flugverkehrs erlaubt, dabei ist das Fliegen die klimaschädlichste Methode der Fortbewegung. (mehr…)

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Wenn Umweltpolitik wirkt

Der Kampf gegen die umweltschädlichen FCKW ist geglückt, sie wurden weitgehend verboten. Nun schrumpft das Ozonloch. Lässt sich das Erfolgsmodell auch auf den Klimaschutz übertragen?

Von Felix Werdermann

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Endlich mal eine gute Nachricht! Das Ozonloch schließt sich – ungefähr in der Mitte des Jahrhunderts könnte es verschwunden sein. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in einer Studie, die im Fachmagazin Science veröffentlicht wurde. Der Trend zur Heilung wird zwar schon seit längerem beobachtet, doch im vergangenen Herbst war das Ozonloch wegen Vulkanausbrüchen wieder etwas gewachsen – was Zweifel beförderte. Jetzt aber kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss: Insgesamt schrumpft das Ozonloch weiter. (mehr…)

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Wind aus den Segeln genommen

Die Bundesregierung will das Wachstum der Erneuerbaren bremsen. Das passt nicht zu den Klimazielen

Von Felix Werdermann

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In der Zeitung steht es schwarz auf weiß: „Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 Prozent unseres Strombedarfs decken.“ Es ist eine Anzeige für die Atomkraft, geschaltet von den großen Stromversorgern im Jahr 1993. Die Geschichte hat die Energiekonzerne eines Besseren belehrt. (mehr…)

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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Auf dem Pariser Klimagipfel wurden tolle Ziele beschlossen. Lenken sie bloß davon ab, dass es auch in Zukunft an der Umsetzung hapert und immer noch zu viel CO2 ausgestoßen wird?

Von Felix Werdermann

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Was war der Jubel groß, als auf der Klimakonferenz in Paris das neue Abkommen beschlossen wurde. Selbst Umweltschützer sind begeistert. Endlich gibt es einen Vertrag, der das Kyoto-Protokoll ablöst, der alle Staaten in die Pflicht nimmt und der sogar noch fordert, die Erwärmung auf 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Aber kann der Freudenrausch nicht auch den Blick versperren? Lenkt das tolle 1,5-Grad-Ziel vielleicht davon ab, dass in Wirklichkeit sogar das 2-Grad-Ziel verfehlt wird? Selbst wenn alle Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne komplett umsetzen, läuft es auf ungefähr 3 Grad hinaus. (mehr…)

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Kein Grund für Überschwänglichkeit

Selbst Umweltschützer jubeln über das Pariser Klimaschutz-Abkommen. In der Tat wurden Erfolge erzielt, doch die Beschlüsse haben ihre Haken

Von Felix Werdermann

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In Paris wurde ein neues Klimaabkommen beschlossen und selbst Umweltschützer sind begeistert. „Der internationale Klimaschutz hat einen großen Sprung nach vorn gemacht“, sagt etwa Regine Günther vom WWF Deutschland. Greenpeace ist etwas zurückhaltender. „Paris gibt der Welt Hoffnung“, sagt deren Klimaexperte Martin Kaiser. „Doch der Text ist übersät mit den Fingerabdrücken von Industrielobbyisten, die unseren Planeten und seine Atmosphäre zerstören.“ In der Tat gibt der Vertrag Grund zur Hoffnung, dass der Planet noch gerettet wird – aber keinen Grund zu überschwänglicher Freude. (mehr…)

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Zum Erfolg verdammt

Ein vorteilhaftes Abkommen für alle Staaten ist auf dem Klimagipfel in Paris erreichbar. Aber wird es auch gerecht sein?

Von Felix Werdermann

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Katar hat den höchsten CO2-Ausstoß der Welt. Jedenfalls, wenn man ihn pro Kopf berechnet. Im Durchschnitt verursacht dort jeder Mensch 40 Tonnen Kohlendioxid im Jahr, mehr als vier Mal so viel wie in Deutschland. Trotzdem muss Katar keinen Klimaschutz betreiben. Laut Kyoto-Protokoll zählt der monarchistische Staat im Nahen Osten nämlich zu den Entwicklungsländern – und die dürfen bisher so viele Treibhausgase in die Luft pusten, wie sie wollen. Allerdings ist Katar bekanntlich gar nicht arm. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 100.000 US-Dollar pro Kopf, reicher sind nur Luxemburg und Norwegen. Weil Katar aber als Entwicklungsland gilt, kann es sogar noch Geld für die Anpassung an Folgen der Erderwärmung bekommen. Die anderen Staaten müssen zahlen. Gerechtigkeit sieht anders aus. (mehr…)

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Ein sauberes Geschäft

Umweltschützer wollen Banken und Investoren auf Öko-Kurs zwingen und so Kohlekonzernen das Kapital entziehen. Kann das gelingen?

Von Felix Werdermann

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Es ist eine Krötenwanderung der besonderen Art, zu der die Umweltorganisation „Urgewald“ aufruft. Die Kröten, das Geld umweltbewusster Bürger, sollen künftig ethischen und ökologischen Kriterien folgen – und nicht mehr dem Profit. Konkret heißt das, gegebenenfalls die Bank zu wechseln. Atom- und Kohleindustrie würde so der Geldhahn zugedreht. Im ökologischen Bankerslang heißt das Divestment, also Rückzug von Geld aus Unternehmen. (mehr…)

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Polizei gegen Protest und Presse

Bei der Besetzung des Braunkohletagebaus im Rheinland arbeitet die Polizei mit dem RWE-Konzern zusammen – und geht gegen Klimaaktivisten, aber auch gegen Journalisten vor

Von Felix Werdermann

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Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn es nun die Polizei aber extra betont, sagt das auch etwas aus: „Die Polizei ist weder Verbündeter von Energiekonzernen, noch Feind von friedlichen Versammlungsteilnehmern.“ Und: „Medienvertreter wurden nicht an der Ausübung der Pressefreiheit behindert.“ Vor wenigen Tagen hatten Klimaaktivisten mehrere Bagger im Braunkohletagebau Garzweiler bei Mönchengladbach blockiert, unter dem Motto „Ende Gelände“. Die Polizei machte offenbar gemeinsame Sache mit dem Energiekonzern RWE – und sie verwies Journalisten vom Gelände. (mehr…)

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